ProSiebenSat.1 tauscht den Konzernchef aus
ProSiebenSat.1 tauscht den Konzernchef aus
Von Stefan Kroneck, MünchenPaukenschlag bei der Sendergruppe ProSiebenSat.1 Media: Nach langen Querelen im Management hat der Aufsichtsrat unter Leitung des ehemaligen SAP-Finanzchefs Werner Brandt (66) den Vorstandsvorsitzenden Max Conze gefeuert. Der 50-Jährige scheide mit sofortiger Wirkung aus, teilte das MDax-Mitglied am späten Donnerstagabend nach einer Sitzung des Kontrollgremiums mit.Zum Nachfolger bestellte der Aufsichtsrat Finanzvorstand Rainer Beaujean (51), der erst im Juli vergangenen Jahres vom Verpackungshersteller Gerresheimer zu ProSiebenSat.1 in die oberste Führungsetage gewechselt war. Dieser übernehme die Aufgabe zusätzlich, aber nunmehr in der Rolle des Vorstandssprechers, erklärte der Konzern. Kurssprung ausgelöstIn einer Pressemitteilung verabschiedete sich Brandt mit dürren Worten von Conze: “Er hat das Unternehmen mit Konsequenz und Zielstrebigkeit durch eine schwierige Zeit gesteuert.” Der CEO wirkte nur kurz bei ProSiebenSat.1. Conze verlässt den Konzern vorzeitig nach nicht einmal zwei Jahren im Amt.Am Freitag reagierten die Anleger auf die Nachricht erleichtert. Die Aktie sprang zeitweilig um 11 %, gab den Großteil der Kursgewinne wieder ab und beendete den Xetra-Handel bei 6,92 Euro (+2,3 %).Brandt hatte den früheren Chef des britischen Staubsaugerherstellers Dyson im Juni 2018 zum Konzern mit Sitz in Unterföhring bei München geholt. Er folgte seinerzeit auf Thomas Ebeling (61), der den Rivalen von RTL zwar erfolgreich vorangetrieben hatte, zum Ende jedoch zunehmend amtsmüde wirkte. Ebeling erhielt seinerzeit von seinem Arbeitgeber zum Abschied noch einen dicken Gehaltsscheck, was nach außen für Irritationen sorgte.Conze hatte es von Anfang an bei ProSiebenSat.1 schwer, brach dem Unternehmen doch mit der wachsenden Digitalisierung aller Lebensbereiche in der Kernzielgruppe das herkömmliche Geschäftsmodell weg. Der gebürtige Bielefelder machte aus der Not eine Tugend und trieb die Internet-Ausrichtung des Hauses voran. Es mehrten sich jedoch die Zweifel, ob der branchenfremde Topmanager die geeignete Person an der Konzernspitze ist. Der frühere Bundeswehr-Leutnant machte sich mit seiner ruppigen Art im Unternehmen keine Freunde. Er versäumte es, sich eine Hausmacht aufzubauen. Statt die Mitarbeiter für seine Strategie zu gewinnen und sie zu motivieren, polarisierte er hausintern und vergraulte dadurch viele. Wer nicht unter seiner Regie mitmache, könne gehen, lautete seine Devise. Das führte zu einem Exodus im Management.Der jüngste Fortgang von Vizechef Conrad Albert (52) brachte das Fass offensichtlich zum Überlaufen. Kurz vor seinem Abschied ließ dieser es sich nicht nehmen, in einem Interview Conze für seinen Führungsstil öffentlich zu kritisieren und ihm strategische Fehler anzulasten (vgl. BZ vom 11. und 14. März). Der als behäbig geltende Brandt verlor seine Geduld mit Conze und setzte diesen vor die Tür. Kehrtwende in der StrategieMit dem Machtwechsel vollzieht ProSiebenSat.1 auch eine Kehrtwende. Der Konzern richtet sich unter Beaujean wieder verstärkt auf Entertainment aus. “Dieses Unternehmen hat weit mehr Potenzial, als ihm derzeit extern beigemessen wird”, ließ sich dieser zitieren. Brandt stellte dem neuen CEO den Fernsehmacher Wolfgang Link (52) und die Personalmanagerin Christine Scheffler (51) zur Seite. Link ist für den Bereich Entertainment zuständig. Beide rücken in den Vorstand auf. Sie sollen Beaujean unterstützen, um den Konzern auf Kurs zu bringen. Brandt hob seine analytische Stärke und Durchsetzungsfähigkeit hervor.Conze wollte das Fernseh- und Internetunternehmen unter anderem stärker auf die Digitalisierung ausrichten. Die Erfolge blieben aber aus. Anfang März vergraulte er die Anleger mit schwachen Jahreszahlen. Die Hoffnung auf eine absehbar steigende Profitabilität erfüllte sich nicht. Ihm gelang es nicht, den Kursverfall der Aktie mit einer überzeugenden Neuausrichtung zu stoppen. Seit seinem Amtsantritt büßte das Papier über 70 % ein.Beaujean bereitete die Investoren angesichts der Coronakrise auf schwierige Zeiten vor. Die Pandemie stelle den Konzern “vor eine sehr große Herausforderung”, sagte er. “Ich bin aber davon überzeugt, dass wir gestärkt aus dieser Krise hervorgehen werden und wieder Wert für unsere Aktionäre schaffen können.” Der Diplom-Kaufmann ist seit insgesamt 18 Jahren als Finanzchef tätig, und das in verschiedenen Unternehmen. Erfahrung als CEO bringt er ebenfalls mit. Der gebürtige Saarländer war Vorstandschef von T-Online (2004 bis 2006). 2018 war er für eine Übergangszeit sieben Monate Vorstandssprecher von Gerresheimer. – Wertberichtigt Seite 6