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Qualcomm-Chef in der Defensive

Von Stefan Paravicini, New York Börsen-Zeitung, 15.3.2018 Die Abwehrschlacht gegen den Konkurrenten Broadcom mit CEO Hock Tan (66) an der Spitze hat Qualcomm-Chef Steve Mollenkopf (49) gerade gewonnen. Der Herausforderer aus Singapur hat seinen...

Qualcomm-Chef in der Defensive

Von Stefan Paravicini, New YorkDie Abwehrschlacht gegen den Konkurrenten Broadcom mit CEO Hock Tan (66) an der Spitze hat Qualcomm-Chef Steve Mollenkopf (49) gerade gewonnen. Der Herausforderer aus Singapur hat seinen feindlichen Übernahmeversuch bei dem US-Chipkonzern am Mittwoch abgeblasen, nachdem das Weiße Haus einem möglichen Deal unter Verweis auf die nationale Sicherheit per Dekret einen Riegel vorgeschoben hatte (vgl. BZ vom 14. März). Zurück in der Offensive ist Mollenkopf damit aber noch lange nicht. Im Gegenteil: Wenn die Aktionäre von Qualcomm am 23. März zur außerordentlichen Hauptversammlung zusammenkommen, bei der Broadcom eigentlich sechs eigene Kandidaten für den elfköpfigen Board zur Wahl stellen wollte, könnte Mollenkopf erneut in arge Bedrängnis geraten.Schon vor dem Übernahmeversuch von Broadcom waren die Sympathien für das Management von Qualcomm bei den Investoren über die vergangenen Monate beträchtlich gesunken. Der Konzern steckt in einer Krise, seit Kunden, Wettbewerber und Kartellwächter das Geschäftsmodell ins Visier genommen haben. Einen großen Teil der Gewinne macht der Konzern nämlich im Lizenzgeschäft mit Patenten für Mobilfunktechnologie. Der Umgang mit ihrer Marktstellung hat Qualcomm zuletzt aber nicht nur den Unmut von Wettbewerbshütern, sondern auch den Widerstand von wichtigen Kunden wie Apple und Huawei eingebracht. Allein die Auseinandersetzung mit Apple dürfte Qualcomm im laufenden Jahr 2 Mrd. Dollar kosten.Das Zuliefergeschäft für die Smartphone-Industrie leidet schon seit längerem unter einer nachlassenden Dynamik. Der Befreiungsschlag, zu dem Qualcomm mit der Übernahme der niederländischen NXP angesetzt hat, ist bisher noch nicht gelungen. Die Aktionäre der ehemaligen Halbleitersparte von Philips, mit der Qualcomm dick in das Geschäft mit der Automobilindustrie einsteigen möchte, haben sich hinter dem Aktivisten Elliott Management formiert und verlangen einen Aufschlag. Ein Jahr nach der 47 Mrd. Dollar schweren Offerte ist weiterhin offen, ob und wann Qualcomm bei den NXP-Aktionären zum Ziel kommt.Mollenkopf hat auch bei den eigenen Aktionären Überzeugungsarbeit zu leisten. Denn bei einer ersten vorläufigen Auszählung von mehr als der Hälfte der Stimmen für die anstehende Wahl der Board-Mitglieder hatte Mollenkopf nach Angaben von Bloomberg den geringsten Zuspruch verzeichnet. Demnach hätten alle sechs von Broadcom vorgeschlagenen Kandidaten gute Chancen auf den Sprung in den Board gehabt, während der CEO seinen Posten wohl verloren hätte. Der Wahlvorschlag bei der auf Drängen des Committee on Foreign Investment in the United States (CFIUS) verschobenen Hauptversammlung am Freitag nächster Woche wird nach Absage des Übernahmeversuchs durch Broadcom anders aussehen. Mollenkopf, der vor vier Jahren Unternehmensgründer Paul Jacobs an der Konzernspitze ablöste, muss sich dennoch auf eine weitere Abwehrschlacht einstellen. Aber auch wenn der Qualcomm-Chef seinen Job behalten sollte, wird er auf absehbare Zeit wohl in der Defensive bleiben. Dafür hat nicht zuletzt die US-Regierung gesorgt, die Qualcomm jetzt mit der Blockade einer Übernahme durch Broadcom zu Hilfe geeilt ist, damit nach Einschätzung von Analysten aber auch die Optionen für Zusammenschlüsse in der Zukunft eingeschränkt hat. Hock Tan sucht neue ZieleDeutlich eingeschränkte Möglichkeiten hat jetzt auch Broadcom-Chef Hock Tan, der den Umsatz des Konzerns mit M & A seit 2010 von 2 Mrd. auf zuletzt knapp 18 Mrd. Dollar katapultiert hat. Dass Broadcom an der Verlegung des Firmensitzes in die USA festhält, ist immerhin ein Indiz dafür, dass der Konzern künftig ungestört von der Regierung wenigstens auf kleinere US-Firmen Jagd machen will. Analysten sehen Xilinix, Analog Devices und Maxim Integrated Products als Übernahmekandidaten. Es gibt aber auch Stimmen, die die Zeit von Tan als Konsolidierer der Branche für beendet halten. Er steht seit 2005 an der Spitze von Avago, die 2015 für 37 Mrd. Dollar den Konkurrenten Broadcom kaufte und bei dieser Gelegenheit gleich auch dessen Firmierung übernahm.