Ratan Tata 80
Ratan Tata 80
dpa-afx – Er steht auf der Teepackung, dem Luxushotel, dem Starbucks-Café und der Kabel-TV-Box – der Name Tata ist in Indien allgegenwärtig. Dass er inzwischen auch im Ausland einen Klang hat, dafür hat Ratan Tata gesorgt. Er übernahm 1991 als Vorstandsvorsitzender die Tata Group, damals schon das größte Privatunternehmen des Landes, von seinem Onkel und internationalisierte den Konzern. An diesem Donnerstag (28. Dezember) wird Ratan Tata 80 Jahre alt.Als Vorsitzender des Konglomerats ist er im Ruhestand. Als Firmenpatriarch und Chef der Tata-Stiftungen gibt er aber immer noch die Richtung vor und schaltet sich gelegentlich ein. So etwa bei der geplanten Fusion von Tatas europäischem Stahlgeschäft mit dem des Konkurrenten Thyssenkrupp. Sein Gespräch mit dem Chef des Essener Unternehmens, Heinrich Hiesinger, sorgte vor wenigen Monaten für den Durchbruch in den Verhandlungen. Neuer NachfolgerEnde 2012, zu seinem 75. Geburtstag, war Tata nach zwei Jahrzehnten an der Spitze vonTata Sons, der Muttergesellschaft des 149 Jahre alten Firmenimperiums, zurückgetreten. Im Oktober 2016 übernahm er den Posten nach der überraschenden Entlassung seines Nachfolgers Cyrus Mistry jedoch wieder. Mistry war der erste Manager an der Spitze der Tata Group, der kein Mitglied der Tata-Familie war.Nach einem monatelangen öffentlichen Führungsstreit gibt es seit Februar 2017 einen neuen Nachfolger: Natarajan Chandrasekaran. “Cyrus Mistry wollte die Aktiva von Tata Steel Europe verkaufen, was zu Jobverlusten in großem Umfang hätte führen können”, erzählt Subhash Narayan, Leiter des Hauptstadtbüros der indischen Tageszeitung “Financial Chronicle”. Eine der ersten Amtshandlungen von Chandrasekaran sei es gewesen, die Gespräche mit Thyssenkrupp wiederzubeleben. Das habe dem Willen von Ratan Tata entsprochen.Die Tata Group besteht nach eigenen Angaben aus mehr als 100 Unternehmen mit insgesamt fast 700 000 Mitarbeitern und ist in mehr als 100 Ländern aktiv. Die Firmen stellen Konsumgüter her, bieten IT-Dienstleistungen, liefern Strom, bearbeiten Chemikalien. 29 Unternehmen sind börsennotiert und kommen zusammen auf einen Börsenwert von rund 130 Mrd. Dollar (knapp 110 Mrd. Euro). Bei Stahl, Autos und Tee spielt Tata weltweit ganz oben mit.Misserfolge hat es auch gegeben, etwa den Bau des billigsten Autos der Welt, des Tata Nano. Der Mini-Wagen war eine Herzensangelegenheit von Ratan Tata, verkaufte sich aber schlecht.Unter ihm eignete sich das Konglomerat auch für Milliardensummen ausländische Unternehmen an, darunter die britischen Nobel-Automarken Jaguar und Land-Rover sowie der britisch-niederländische Stahlkonzern Corus Group. Der Einkauf von Corus im Jahr 2007 während eines Stahlbooms für umgerechnet rund 8,5 Mrd. Euro stellte sich als verlustreich heraus. “Das war keine so tolle Idee”, meint A.S. Firoz, Chefökonom einer Forschungsgruppe des indischen Stahlministeriums. Tata habe viel verkaufen und umstrukturieren müssen. “Dass sie damit schon in Europa vertreten waren, hat aber gute Voraussetzungen für die Verhandlungen mit Thyssenkrupp geschaffen.” Die frühere Corus Group heißt heute Tata Steel Europe und soll nun ein Gemeinschaftsunternehmen mit der Stahlsparte von Thyssenkrupp bilden. Ethische WerteIn Indien ist Tata nicht nur als der erste Weltkonzern des Landes bekannt, sondern auch für seine ethischen Werte. Die Mission lautet, “die Lebensqualität in den Gemeinden, die wir weltweit bedienen, zu verbessern”. Tata Sons gehört zu rund zwei Dritteln Stiftungen. Ratan Tata hält weniger als 1 % der Aktien. Im Gegensatz zu anderen indischen Unternehmern taucht er nicht in den “Forbes”-Listen der reichsten Menschen auf. Sein Auftreten ist schlicht und zurückhaltend, und er lebt relativ bescheiden in einer Wohnung in Mumbai (früher Bombay).Auf einen indischen Riesen mit ethischen Werten werden nun auch die Beschäftigten der Stahlsparte von Thyssenkrupp hoffen. Diese befürchten durch die Fusion den Abbau von mehr als den vom Unternehmen angekündigten 2 000 Jobs. Zuletzt konnten sie aufatmen: Der Konzern verständigte sich mit den Arbeitnehmern auf Standort- und Beschäftigungssicherungen.