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Renault schlittert in eine Führungskrise

Von Gesche Wüpper, Paris Börsen-Zeitung, 13.2.2018 Bei Renault zeichnet sich eine Führungskrise ab - wenige Tage vor der entscheidenden Sitzung des Verwaltungsrates, auf der am 15. Februar die Nachfolge an der Spitze des Automobilkonzerns...

Renault schlittert in eine Führungskrise

Von Gesche Wüpper, ParisBei Renault zeichnet sich eine Führungskrise ab – wenige Tage vor der entscheidenden Sitzung des Verwaltungsrates, auf der am 15. Februar die Nachfolge an der Spitze des Automobilkonzerns vorbereitet werden soll. Medienberichten zufolge soll der Machtkampf um die Nachfolge von Konzernchef Carlos Ghosn dem deutschen Vorstandsmitglied Stefan Müller den Posten gekostet haben. Der 57-Jährige, der seit März 2016 Chief Performance Officer ist, soll laut Reuters kurz davor stehen, Renault zu verlassen. Zudem habe der frühere Total-Chef Thierry Desmarest sein Amt als unabhängiges Mitglied des Verwaltungsrats vorzeitig niedergelegt, berichtet die Wirtschaftszeitung “Les Echos”. Eine Sprecherin von Renault wollte die Berichte nicht kommentieren. Der Automobilkonzern präsentiert am Freitag die Bilanz für 2017. Das Mandat von Ghosn, der am 9. März 64 Jahre alt wird, dürfte nun für vier Jahre verlängert werden, heißt es in Paris. Gleichzeitig dürfte der 1963 geborene Thierry Bolloré, seit 2013 Chief Competitive Officer, offiziell zur Nummer 2 aufrücken. Er war zusammen mit Müller als einer der Favoriten für die Nachfolge von Ghosn gehandelt worden. Der Staat war dagegen Ghosn hatte im April vergangenen Jahres die Generaldirektion von Nissan an Hirato Saikawa abgegeben und nur noch den Vorsitz des Verwaltungsrats von Renaults japanischem Allianzpartner behalten. Daraufhin war erwartet worden, dass er auch bei Renault die operative Geschäftsführung abgeben würde. Doch laut Reuters soll sich der französische Staat dagegen ausgesprochen haben. Er ist mit 15,01 % des Kapitals und 21,93 % der Stimmrechte der wichtigste Aktionär von Renault. Entgegen anderslautenden Spekulationen dürfte die Tatsache, dass Müller Deutscher und kein Franzose ist, bei der Suche nach einem Nachfolger für Ghosn keine Rolle gespielt haben. Der Staat achte darauf, dass die französischen Interessen gewahrt würden, betont das Wirtschaftsministerium zwar. Dass ein Deutscher Nummer 2 von Renault werden könnte, hätte ihm jedoch keine Probleme bereitet, zitiert “Le Monde” das Umfeld von Ghosn. Denn es habe dem Staat ja auch keine Probleme bereitet, dass bei PSA mit Carlos Tavares ein Portugiese Chef geworden sei. Für Bolloré, der seine Karriere bei Michelin und Faurecia begann, spreche vielmehr, dass er bereits für die industriellen Abläufe, die Produkte und das Design zuständig sei, dass er in Japan sowie China gearbeitet habe und sich mit Ghosn gut verstehe, meinen Beobachter. Renault dürfte die Personalien bis zum Freitag bekannt geben. Desmarest (72) habe sein Verwaltungsratsmandat ohnehin bei der Hauptversammlung im Juni niederlegen wollen, heißt es in Frankreich. Doch möglicherweise hat ihn auch die Suche nach einem Nachfolger für Renault-Chef Ghosn veranlasst, nun doch früher aufzuhören als zunächst geplant. Neben Desmarest würden mindestens zwei weitere Mitglieder des Verwaltungsrates den Auswahlprozess in Frage stellen, berichtet Reuters aus Kreisen. Externe Kandidaturen seien nicht so berücksichtigt worden, wie es hätte sein sollen.