Schäfer ist Etappensieger im Kampf um Uniper
Schäfer ist Etappensieger im Kampf um Uniper
Von Christoph Ruhkamp, DüsseldorfZurzeit hält sich Klaus Schäfer in Washington auf. Der Vorstandschef von Uniper, dem sowohl Aufmüpfigkeit als auch Bärenruhe nachgesagt werden, kümmert sich dort um die Sanktionen, die die US-Regierung wegen der Gaspipeline Nord Stream verhängt hat, an der der Kraftwerkskonzern mit 1 Mrd. Euro beteiligt ist. Nur 47 ProzentDennoch dürfte Schäfer am Mittwoch gefeiert haben – und zwar seinen Etappensieg im Kampf gegen die feindliche Übernahme durch den finnischen Konkurrenten Fortum, die seit Juli 2017 läuft. Seit Mittwoch ist es amtlich: Fortum hat mit ihrem öffentlichen Übernahmeangebot nur 47 % der Uniper-Aktien einsammeln können – fast ausschließlich die Anteile des bisherigen Großaktionärs Eon.Für Schäfer, der sich von der Investmentbank Morgan Stanley im Abwehrkampf beraten lässt, ist das ein Erfolg. Als im September 2017 das zweite feindliche Übernahmeangebot kam, hatte ihn das emotional getroffen, weil er sich – als ehemaliger Eon-Finanzchef – vom Großaktionär Eon und dessen Vorstandschef Johannes Teyssen hintergangen sah. Tatsächlich hatte Eon-Chef Teyssen laut Uniper-Aufsichtsratschef Bernhard Reutersberg, der hinter Schäfer steht, auf der Abspaltungshauptversammlung 2016 wörtlich gesagt: “Mittelfristig werden wir unsere Beteiligung dann verkaufen, um den Free Float zu stärken und Uniper ganz selbständig zu machen.” Von einem Anteilsverkauf im Paket war damals keine Rede. “Schmollecke” verlassenDoch schon bald nach der Enttäuschung im Juli 2017 hatte sich Schäfer wieder gefangen, verließ die “Schmollecke”, wie er es selbst formulierte, und hat inzwischen neuen Mut gefasst. Auf den hämischen Hinweis, es handele sich um einen “Done Deal”, reagierte der 50 Jahre alte Manager im November mit einer Anekdote: “Sepp Herberger beantwortete einmal die Frage, warum die Menschen überhaupt ins Fußballstadium gehen, so: “Sie wissen nicht, wie das Spiel ausgeht.” Schäfer, der Uniper seit der Abspaltung von Eon Anfang 2016 leitet und dem ein klarer Führungsstil nachgesagt wird, gibt nicht auf. Sein Vertrag läuft noch bis Ende 2021, und obwohl ihm die drohende Komplettübernahme durch Fortum aufgrund der Change-of-Control-Klausel im Abspaltungsvertrag mit Eon den Rücktritt erlauben würde, zeigt er keinerlei Anzeichen von Amtsmüdigkeit.Den nötigen Rückhalt seiner Familie, mit der der gebürtige Regensburger am Wochenende im noblen Münchener Vorort Grünwald lebt, dürfte er haben. Auch wenn der leidenschaftliche Bayern-München-Fan, Skifahrer und Rotweinliebhaber ohnehin schon ständig unterwegs ist – meist in Russland, aber auch ansonsten in aller Welt.Schäfer hat seine Karriere – nach dem BWL-Studium an der Business School ESCP in Paris und einem Intermezzo als Analyst bei Morgan Stanley in London – ab 1996 im Eon-Konzern und in dessen Vorläuferunternehmen gemacht. Umso mehr muss ihn die Illloyalität des Uniper-Mutterkonzerns getroffen haben.Im November 2017 machte Schäfer die nun möglichen Szenarien auf: “Entweder wir bekommen einen neuen Großaktionär – ersetzen also lediglich Eon durch Fortum. Oder Fortum bekommt so viele Aktien angedient, dass sie tatsächlich die Kontrolle über Uniper erlangen – mit weitreichenden Konsequenzen, bis hin zur Zerschlagung. Selbst wenn es in einem ersten Schritt ,nur` bei dem Eon-Anteil bleibt, kann sich Fortum über die Zeit durch den Kauf weiterer Aktien die notwendige Mehrheit beschaffen – und das, ohne ihre Absicht erneut kundtun oder ein weiteres Angebot unterbreiten zu müssen.”Um die Unabhängigkeit des seit der Abspaltung von Eon und der separaten Börsennotierung im September 2016 äußerst erfolgreich agierenden Unternehmens zu sichern, strebt Schäfer eine Investorenvereinbarung mit Fortum-Chef Pekka Lundmark an, die ebendiese Eigenständigkeit weiterhin garantieren soll. “Es geht um die Zukunft von Uniper und darum, wie wir diese Zukunft gestalten. Und da nehme ich Pekka Lundmark beim Wort!” “Saubere Vereinbarung””Was wir jetzt brauchen, ist eine saubere Vereinbarung mit Fortum, die rechtlich belastbar ist, Klarheit für Mitarbeiter und Aktionäre schafft und für Fortum und Uniper gleichermaßen akzeptabel ist. Aus unserer Sicht geht es vor allem darum: Ist Fortum tatsächlich bereit, als reiner Investor zu agieren? Hieße das gegebenenfalls in der Konsequenz, dass Fortum dies auch schriftlich zugestehen bzw. eine Kontrollabsicht – und sei sie nur zeitlich begrenzt – ausschließen würde? Oder dass es seine Anteile von vornherein nur auf den Eon-Anteil beschränken würde?” Eine Antwort auf diese Frage hat Schäfer bisher nicht erhalten. Die Offenheit von Fortum-Chef Lundmark vorausgesetzt, würde die Antwort vermutlich lauten: Nein.