Steinhoff zeigt Ex-CEO Jooste an
Steinhoff zeigt Ex-CEO Jooste an
wb – Der von einem Bilanzskandal bislang ungeahnten Ausmaßes geschüttelte Einzelhandels- und Möbelkonzern Steinhoff aus Südafrika hat den im Dezember 2017 zurückgetretenen CEO Markus Jooste angezeigt. Das erklärte Heather Sonn, die amtierende Aufsichtsratsvorsitzende des in Frankfurt und Johannisburg börsennotierten Konzerns, nach Agenturberichten in einer Parlamentsanhörung in Kapstadt. Das Unternehmen habe den 57-Jährigen bei der in Südafrika unter anderem für organisierte Kriminalität zuständigen Elitepolizeieinheit angezeigt.In Südafrika ermittelt die Finanzaufsicht FSB wegen des Verdachts auf Insiderhandel. Konkret handele es sich dabei um zwei Fälle sowie um einen Fall falscher oder irreführender Aussagen zu Steinhoff, erklärte die FSB. Die Behörde habe Informationen von deutschen Behörden, einschließlich der Frankfurter Börse, angefordert.Die südafrikanische Zentralbank ermittelt indes, ob Steinhoff gegen Devisenverkehrsgesetze verstoßen hat. Sollte der Konzern zusammenbrechen, werde dies zwar zu deutlichen Verlusten für Banken, Kreditgeber und Investoren führen, aber nicht zu finanzieller Instabilität, heißt es dort. Die Europäische Zentralbank hatte vor gut drei Wochen ihren Bestand an Steinhoff-Anleihen auf null zurückgefahren.Der Konzern geriet nach Bekanntwerden der Unregelmäßigkeiten in den Abwärtsstrudel, die Aktie verlor über 90 % und ist seit Dezember ein Penny Stock. In Deutschland laufen seit längerem Ermittlungen wegen möglicher Bilanzfälschungen gegen den nach Ikea größten Möbelhändler. Vorstands- und Aufsichtsratschef traten zurück, die neue Führung versucht das Geschäft zu stabilisieren. Längst sind die Banken, die den aggressiven Expansionskurs und den Großaktionär Christo Wiese finanziert hatten, hochgradig nervös. Ein Teil der Kredite ist inzwischen ergebniswirksam abgeschrieben.Wichtigste Aufgabe des nun amtierenden Managements ist es, den operativen Betrieb sicherzustellen. Aufsichtsratschefin Sonn bat im Parlament um Verständnis, dass sie wegen laufender oder drohender Ermittlungen nicht zu den Unregelmäßigkeiten Stellung nehmen könne. Erst am Vortag hatte Steinhoff bekannt gegeben, dass der Konzern auch vier Monate nach Geschäftsjahresende keinen Abschluss vorlegen kann. Dies kann eine Sanktion von bis zu 1 Mill. Euro nach sich ziehen. Mit den Aufräumarbeiten sind PwC, die Investmentbank Moelis und die Berater von Alix Partners beauftragt.Jooste trat 1988 bei Steinhoff ein und wurde 2000 CEO. Als das Unternehmen im Dezember 2015 das Börsenlisting nach Frankfurt verlegte, wurde eine Razzia von Steuerfahndern der Staatsanwaltschaft Oldenburg bei der europäischen Tochter von Steinhoff bekannt. Im Sommer 2017 nahm die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen Jooste wegen des Verdachts auf Bilanzfälschung in dreistelliger Millionenhöhe auf. Am 5. Dezember 2017 räumte Steinhoff Unstimmigkeiten in der Bilanz ein, woraufhin Jooste sofort zurücktrat.