Stelios beißt bei Easyjet auf Granit
Stelios beißt bei Easyjet auf Granit
Von Andreas Hippin, LondonSeitdem der Easyjet-Gründer Stelios Haji-Ioannou (53) den Board des Lufthansa-Rivalen vor einem Jahrzehnt im Streit über die Strategie verließ, ist es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen ihm und der Unternehmensführung gekommen. Doch egal ob es um die aus Sicht des größten Aktionärs (34 %) exzessive Vergütung des Boards oder die ihm zu ambitionierten Expansionspläne des Carriers ging: Die institutionellen Investoren stimmten mit den angestellten Managern. Das beeindruckt den für seine Verdienste um das Unternehmertum geadelten Absolventen der London School of Economics, der sich einfach nur mit Stelios anreden lässt, aber nicht. Die Coronavirus-Pandemie lässt ihn vielmehr erst richtig aufdrehen.Der streitlustige Sprössling einer griechisch-zypriotischen Reederfamilie, dessen Porträt in Öl in der National Portrait Gallery hängt, verlangt, eine 4,5 Mrd. Pfund schwere Bestellung von 107 Flugzeugen bei Airbus zu stornieren. Er fürchtet, dass der Fluggesellschaft sonst schon im August das Geld ausgehen wird. Sollten sie “auch nur einen Penny” für die neuen Maschinen ausgeben, will er die Manager verklagen. Die Airline solle sich von Finanzchef Andrew Findlay trennen. Das sei der beste Weg, “um ihn davon abzuhalten, jedes Jahr weitere Milliardenschecks an Airbus zu unterzeichnen”. Airbus im VisierHaji-Ioannou fordert eine außerordentliche Hauptversammlung, um Findlay und das Boardmitglied Andreas Bierwirth abzuwählen, das er als “gescheiterten Lufthansa-Manager” und “alten Freund von Airbus” bezeichnet. “Wenn dieses Votum aller Aktionäre nicht unverzüglich anberaumt wird, werde ich verlangen, dass mehr Boardmitglieder entlassen werden”, heißt es in einer Mitteilung, in der unter anderem unterstellt wird, dass Airbus Manager von Fluggesellschaften besticht, damit sie mehr Maschinen kaufen, als sie rentabel betreiben können. Doch Easyjet wollte die Hauptversammlung nicht, wie von Haji-Ioannou gewünscht, schon diesen Freitag einberufen. Das würde nur von den Problemen ablenken, mit denen die Gesellschaft derzeit zu kämpfen habe. Der Board stellte sich erwartungsgemäß hinter Findlay.Easyjet hatte sich über die von der Regierung mit der Bank of England aufgesetzte Covid Corporate Financing Facility (CCFF) bis März kommenden Jahres 600 Mill. Pfund gesichert. Zudem will das Unternehmen 500 Mill. Dollar von regulären Kreditgebern aufnehmen, um sich möglichst viel Liquidität zu sichern. “Vielleicht wäre es eine fairere Lösung für alle, wenn Airbus direkt von den Regierungen Deutschlands und Frankreichs Staatshilfen bekäme, um Stornierungen zu akzeptieren und keine britische Fluggesellschaft wie Easyjet zu zwingen, Kredite beim britischen Steuerzahler aufzunehmen”, schrieb Haji-Ioannou. Chairman John Barton habe sich geweigert, eine umfassende unabhängige Untersuchung zu veranlassen, ob Easyjet-Manager von Airbus bestochen wurden. Forderungen von Kritikern, auf seine 60 Mill. Pfund Dividende für 2019 zu verzichten, nannte Haji-Ioannou “naiv” und “bösartig”. In der Reichenliste des US-Magazins “Forbes” kommt er mit einem Vermögen von 1,3 Mrd. Dollar auf Platz 1717.Seine Karriere begann in der Reederei seines Vaters, Troodos Shipping. 1995 brachte der damals 28-jährige Serienunternehmer Easyjet an den Start. Fünf Jahre später brachte er sie in London an die Börse. 2010 warf er den angestellten Managern vor, innerhalb eines Jahrzehnts keinerlei Shareholder Value geschaffen zu haben. Haji-Ioannou übertrug die Idee, Produkte und Leistungen ohne unnötigen Schnickschnack anzubieten, auf andere Geschäftsfelder. In seiner Easygroup sind Marken wie Easybus, Easycoffee, Easygym und Easyhotel gebündelt. Mit 40 gründete der Steuerbürger von Monaco seine eigene Stiftung, die sich unter anderem für den Frieden zwischen griechischen und türkischen Zyprioten einsetzt.