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Tesla muss den Batteriechef wechseln

Von Stefan Paravicini, New York Börsen-Zeitung, 3.8.2017 Die Lithium-Batterien des eben vorgestellten Model 3 des Elektroautoherstellers Tesla haben mit bis zu 310 Meilen eine größere Reichweite als erwartet. Was die Haltedauer von Managern in...

Tesla muss den Batteriechef wechseln

Von Stefan Paravicini, New YorkDie Lithium-Batterien des eben vorgestellten Model 3 des Elektroautoherstellers Tesla haben mit bis zu 310 Meilen eine größere Reichweite als erwartet. Was die Haltedauer von Managern in Spitzenpositionen betrifft, lässt der Aktionsradius von Tesla allerdings oft zu wünschen übrig. Jüngstes Beispiel ist Kurt Kelty, der seit 2006 die Entwicklung von Batterien in dem Konzern verantwortet. “Wir können bestätigen, dass Kurt Kelty das Unternehmen verlassen hat und sich nach neuen Gelegenheiten umsieht”, teilte das Unternehmen am Dienstagabend mit.Mit mehr als zehn Jahren Zugehörigkeit ist der ehemalige Panasonic-Manager zwar eine der am längsten bewährten Führungskräfte von Tesla. So kurz nach der Vorstellung des Model 3, mit dem der Konzern in den Massenmarkt einsteigen will, hätte CEO und Gründer Elon Musk sich aber sicher gewünscht, dass Kelty seine Batterien noch einmal überbrücken kann, bevor er sich einer neuen Aufgabe zuwendet. Der Rückzug von Kelty kommt für Musk zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Erst vor wenigen Tagen hat der CEO seinen Mitarbeitern für die nächsten Monate eine “Produktionshölle” in Aussicht gestellt, während Tesla mit den Herausforderungen der langsam anfahrenden Massenproduktion zu kämpfen haben wird.Im August peilt Musk die Produktion von 100 Stück des Model 3 an. Im September sollen es bereits 1 500 sein. Im Dezember werden nach den Plänen 20 000 Stück vom Band rollen. Bis 2018 will Tesla ihren gesamten Output auf 500 000 Fahrzeuge pro Jahr steigern. Zum Vergleich: Im Vorjahr hat der Konzern insgesamt 80 000 Fahrzeuge auf die Straße gestellt.Im zweiten Quartal lieferte Tesla mit 22 000 Fahrzeugen allerdings weniger als erwartet aus und schaffte es im ersten Halbjahr deshalb nur gerade so in den angepeilten Korridor von 47 000 bis 50 000 Autos. Als wichtigsten Grund für die zuletzt rückläufigen Auslieferungen gab Tesla vor einem Monat einen “schwerwiegenden Produktionsengpass” bei Batterien an (vgl. BZ vom 5. Juli). Bis Mitte Juni war die Produktion von Batterien demnach sogar 40 % unter dem Bedarf geblieben, bevor sich die Lage zum Quartalsende wieder entspannt hat, wie das Unternehmen damals mitteilte.Sollte in der erwarteten “Produktionshölle” die eine oder andere Batterie explodieren, wird Musk nicht mehr auf die Erfahrung von Kelty bauen können, der vor seinem Start bei Tesla fast 15 Jahre für den japanischen Elektronikhersteller Panasonic arbeitete, mit dem der US-Konzern eine gemeinsame Fabrik für Batterien in Reno, Nevada, hochgezogen hat. Die Verhandlungen über die “Gigafactory” hatte auf Seiten von Tesla Kelty geführt. Die Kooperation der beiden Unternehmen umfasst auch die Produktion von Batterien für das Model 3. CFO mit geringer ReichweiteErst im Juni hat Teslas Autopilot-Chef Chris Lattner nach gerade sechs Monaten das Unternehmen Richtung Apple verlassen. Ein Jahr zuvor war mit Chris Porritt ein anderer Top-Ingenieur zu Apple abgewandert, dem kurz darauf auch Greg Reichow, ehemals Vice President of Production, und Josh Ensign, Vice President of Manufacturing, folgten. Im Frühjahr hat auch CFO Jason Wheeler das Unternehmen verlassen, der erst 15 Monate zuvor von Google zu Tesla gekommen war.