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Von Piëch über Osterloh in den VW-Vorstand

po - Bernd Osterloh, Chef des Konzernbetriebsrates von Volkswagen, ist wegen seiner deutlichen Worte und des regelmäßig machtvollen Auftritts auch in der Öffentlichkeit bekannt. An Kritik an Entscheidungen des Konzernvorstandes hat er es in der...

Von Piëch über Osterloh in den VW-Vorstand

po – Bernd Osterloh, Chef des Konzernbetriebsrates von Volkswagen, ist wegen seiner deutlichen Worte und des regelmäßig machtvollen Auftritts auch in der Öffentlichkeit bekannt. An Kritik an Entscheidungen des Konzernvorstandes hat er es in der Vergangenheit nicht missen lassen. “Unser US-Geschäft ist eine Katastrophe”, bemängelte Osterloh schon mehr als ein Jahr vor dem Auffliegen des Abgasbetrugs. Auf eine eigene Managerkarriere im Vorstand verzichtete er aber, als die Aufarbeitung der Dieselaffäre zu Lasten der Arbeitsplätze zu gehen drohte. Die öffentlich ausgetragenen Scharmützel mit dem seinerzeit neuen Volkswagen-Markenvorstand Herbert Diess bei den Verhandlungen über den Zukunftspakt machten Schlagzeilen. Bestens vernetztJetzt soll ausgerechnet der “harte Hund” Diess neuer Konzernchef werden – und Osterloh bleibt oberster Betriebsrat. Statt seiner soll wohl der gelernte Journalist Gunnar Kilian die Belegschaftsinteressen als neuer Personalvorstand absichern. Der 43-jährige, in Westerland auf Sylt geborene Kilian ist Generalsekretär des Konzernbetriebsrates und gilt als bestens vernetzt. Für ein Jahr war der seit 2000 in Wolfsburg tätige Kilian nach Salzburg ins Büro des mittlerweile gefallenen Firmenpatriarchen Ferdinand Piëch gewechselt. Gegenüber den “Wolfsburger Nachrichten” sprach er von einer “spannenden und lehrreichen Zeit mit Herrn und Frau Piëch, für die ich sehr dankbar bin”. 2013 aber holte ihn Osterloh als Generalsekretär und Geschäftsführer des Betriebsrates wieder nach Wolfsburg zurück. Seither hat sich der Mann der “leisen Töne” in der Betriebsratshierarchie vom Sprecher zum Strategen für die Arbeitnehmerseite vorangearbeitet. Er steht für die Zusammenarbeit mit den Betriebsräten der VW-Konzerntöchter Audi, Porsche, MAN und Scania sowie für die politischen Kontakte des Gremiums.Insoweit haben Beobachter der Wolfsburger Rochaden sicher nicht unrecht, dass mit Kilian ein zwar vielen noch unbekannter Vertreter der Arbeitnehmerseite in den Vorstand einrückt. Er dürfte aber aufgrund seiner umfassenden Kenntnisse über Personen und Strukturen bis hin zu den Vertretern der Eigentümerfamilien Porsche und Piëch und mit Rückendeckung Osterlohs einen Gegenpol zum forsch agierenden Diess bilden, der ja auch als treibende Kraft der Verselbständigung des Komponentengeschäfts des Konzerns gilt.Karlheinz Blessing hat sich kaum mehr als zwei Jahre als Personalvorstand halten können. Der 60-Jährige blieb in seinem Amt blass, obwohl er eigentlich einen idealen Lebenslauf für den Posten mitzubringen schien. Das SPD-Mitglied hatte nach der Promotion in Volkswirtschaft 1984 bei der Gewerkschaft IG Metall in Frankfurt angeheuert. Er fungierte als Büroleiter des damaligen IG-Metall-Chefs Franz Steinkühler und war Anfang der neunziger Jahre SPD-Bundesgeschäftsführer. Der leidenschaftliche Rennsportfan kam aber offenbar gerade beim VW-Betriebsrat mit Blick auf die strukturellen Umbrüche in der Vorbereitung auf die Elektromobilität nicht so gut an. Er habe zu stark wie ein Politiker agiert, dabei galt gerade seine Kunst des Interessenausgleichs anfangs als starkes Argument für seine Bestellung. Mit gut 5 Mill. Euro Jahressalär ist der Posten des Personalvorstands bei VW üppig dotiert.