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Vonovia-Finanzchef Kirsten streicht die Segel

ab - Aus freien Stücken scheidet Dr. Stefan Kirsten mit Ablauf der Hauptversammlung aus dem Vorstand von Vonovia aus, Deutschlands größtem Wohnimmobilienkonzern. Seine Nachfolge tritt die Bankerin Helene von Roeder an, die erst am 23. Januar dieses...

Vonovia-Finanzchef Kirsten streicht die Segel

ab – Aus freien Stücken scheidet Dr. Stefan Kirsten mit Ablauf der Hauptversammlung aus dem Vorstand von Vonovia aus, Deutschlands größtem Wohnimmobilienkonzern. Seine Nachfolge tritt die Bankerin Helene von Roeder an, die erst am 23. Januar dieses Jahres vorgeblich als Nachfolgerin von Gerald Klinck in den Vorstand bestellt worden war. Dass Kirsten (56) die Entscheidung aus freien Stücken traf, lässt sich aus den dankenden Worten von Aufsichtsratschef Prof. Dr. Edgar Ernst herauslesen: “Mit Bedauern hat der Aufsichtsrat die Entscheidung von Dr. Kirsten zur Kenntnis genommen, Vonovia zu verlassen. Mit Dr. Kirsten scheidet eine Persönlichkeit aus dem Vorstand aus, die aufs Engste mit der Erfolgsgeschichte des Unternehmens verbunden ist.”An dieser Aussage gibt es keine Wertberichtigung vorzunehmen, ist der erfolgreiche Börsengang der damals noch als Deutsche Annington firmierenden Gesellschaft im Jahr 2013 doch zu einem guten Teil Kirstens Standing am internationalen Kapitalmarkt zu verdanken. Um den aus Finanzinvestorenhand stammenden Immobilienkonzern börsenreif zu machen, musste Kirsten zunächst eine fast 6 Mrd. Euro schwere Verbriefung refinanzieren. Erst danach war Annington für das IPO bereit. Kurz danach setzte das Vorstandsgespann Rolf Buch (CEO) und Kirsten zur groß angelegten Einkaufstour auf dem Immobilienmarkt an. Mit der Übernahme der Gagfah wurde schließlich die Basis für den Aufstieg in den Dax gelegt. Bis dato ist Vonovia der einzige Immobilienkonzern im deutschen Blue-Chip-Index. Als Aufsichtsrat an Bord Betont wird, dass der scheidende Finanzchef die Berufung von von Roeder von Anfang an unterstützt habe. Mit dem Ausscheiden von Kirsten kommt es im Vorstand auch zu strukturellen Veränderungen, wird das CFO-Ressort, das mit der Gagfah-Übernahme aufgeteilt worden war, künftig doch wieder zusammengeführt. Der Aufsichtsrat schätze sehr, dass Kirsten dem Unternehmen als Aufsichtsrat wesentlicher Beteiligungen auch künftig als Berater zur Verfügung stehe, heißt es.Wohin es den selbstbewussten Finanzer zieht, bleibt bis auf Weiteres offen. Potenzial hat er für vieles und bringt zudem reichlich Erfahrung aus unterschiedlichsten Industrien mit. Seine berufliche Laufbahn begann der promovierte Wirtschaftswissenschaftler in der Wirtschaftsprüfung bei Arthur Andersen. Es folgten Stationen bei Rheinmetall und EMI, bevor er 1996 zum Handelskonzern Metro wechselte. Dort kletterte er die Karriereleiter bis zum Finanzvorstand empor. Nebenbei HonorarprofessurIm Jahr 2002 ging er in gleicher Funktion zu Thyssenkrupp. Dort allerdings blieb ihm der angestrebte Sprung auf den Chefsessel verwehrt. Nach seinem Weggang von Thyssenkrupp zog es den gebürtigen Berliner ins Ausland. Von 2007 bis 2009 arbeitete er in Dubai für den Mischkonzern Majid Al Futtaim. Im Januar 2011 holte ihn Terra Firma zur Deutsche Annington. Seit dem Jahr 2001 hat er eine Honorarprofessur an der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen inne.