Mit "exotischer Anlagepolitik" zu satter Rendite
Mit "exotischer Anlagepolitik" zu satter Rendite
Von Christina Rathmann, FrankfurtWas Peter Klöckner tut, widerspricht so ziemlich allem, was derzeit Trend ist im Asset Management. Als er vor gut einem Jahr zum Versorgungswerk der rheinland-pfälzischen Rechtsanwaltskammern kam, hat er relativ schnell die Spezialfonds aufgelöst. Seitdem verwaltet das Versorgungswerk sein Vermögen komplett selbst: ohne externe Asset Manager, ohne Consultant, ohne Master-KAG.Die Zusammenarbeit mit den vier Depotbanken – Dresdner Bank, Warburg, Sparkasse Koblenz und demnächst auch UBS -, einem Versicherungsmathematiker und einem Wirtschaftsprüfer reicht Geschäftsführer Klöckner aus, um das Portfolio des Versorgungswerks zu steuern. “Wir brauchen keinen Spezialfondsmanager, nur damit er eine Benchmark abbildet und Anregungen, die wir im Anlageausschuss geben, dann doch nicht umsetzt”, sagt Klöckner.Trotz Verzichts auf externe Unterstützung kann das in Koblenz beheimatete Versorgungswerk nicht als rückständiger Asset Manager bezeichnet werden. Wertpapierleihe, Optionsgeschäfte, strukturierte und inflationsgeschützte Wertpapiere und bald auch Collateralised Debt Obligations gehören zu den Instrumenten, die Klöckner einsetzt und die in der institutionellen Portfolioverwaltung längst noch keine Selbstverständlichkeit sind. Diese eher exotische Anlagepolitik hat dem Versorgungswerk im vergangenen Jahr eine ordentliche Wertentwicklung beschert. Eine “dicke 5, vielleicht sogar eine 6”, werde im Jahresabschluss 2004 wohl vor dem Komma stehen, womit der Rechnungszins von 4 % klar übertroffen wird. “Seit Auflösung der Fonds sind wir sicher besser gefahren als vorher.” Da der Durchschnittskupon der festverzinslichen Wertpapiere im Bestand bei über 5 % liege, werde auch in diesem Jahr eine Gesamtrendite oberhalb dieser Marke angestrebt. “Es sei denn, der Aktienmarkt beschert uns negative Überraschungen.” Rasches Wachstum310 Mill. Euro umfasst das Vermögen des Versorgungswerks, in dem die Anwälte des Bundeslandes Rheinland-Pfalz, sobald sie einer der dortigen Kammern beitreten, Pflichtmitglied werden. Erst 1985 gegründet ist die Einrichtung noch vergleichsweise jung. Da folglich auch die Zahl der Beitragszahler (rund 3 400) die der Leistungsempfänger (160) weit übersteigt, wächst das Volumen schnell und stark. Um 30 bis 40 Mill. Euro im Jahr lege es derzeit zu, berichtet Klöckner. Darin enthalten sind jährliche Beitragseinnahmen von rund 20 Mill. Euro. Die Rentenausgaben eines Jahres sind nach Klöckners Angaben niedriger als die Beitragseinnahmen nur eines Monats. Da die Verpflichtungen also locker aus den laufenden Einnahmen erfüllt würden, sei auch das Erstellen einer Asset-Liability-Studie bisher kein Thema. Das einzige “Problem”, das das Versorgungswerk mit seinem schnellen Wachstum hat, ist es, ausreichend ertragreiche Investitionsmöglichkeiten zu finden. Stille Reserven in den Rentenanlagen kann Klöckner da nicht heben. “Was nützt es, wenn wir Kursgewinne einer Anleihe mit 6 % Kupon realisieren und dann keine adäquaten Anlagealternativen finden?” “A -“-Rating für Renten Der 37-Jährige hat die Vorgaben für Aktien- und Rentenmanagement klar geregelt. Seit dem Frühjahr 2004 müssen Rententitel ein Mindestrating von “A -” aufweisen. “Bonität ist wichtiger als Rendite.” Schon bald aber könnte diese Vorgabe leicht modifiziert werden. Statt die Bonitätsnote “A -” als Mindestrating zu definieren, könnte sie auch als Durchschnittsbewertung des gesamten Rentenportfolios dienen. Einen entsprechenden Vorschlag jedenfalls will Klöckner in den nächsten Monaten dem Anlageausschuss unterbreiten. Ziel sei es, das Portfolio breiter streuen zu können.Mehr als die Hälfte der Rentenanlagen sind nach Klöckners Angaben Namenspapiere, die nach dem Kauf bis zur Endfälligkeit gehalten werden. Namenspapiere haben für institutionelle Anleger den Vorteil, dass sie im Fall von Kursverlusten nicht abgeschrieben werden müssen. Auch die strukturierten Wertpapiere, die den kleinsten Teil der Rentenanlagen bilden, bleiben in der Regel bis zur Fälligkeit im Portfolio. Diese Engagements, die wegen der teils komplexen Strukturen nur in Form von Namenspapieren gekauft würden, muss der Anlageausschuss jeweils einzeln absegnen. Calls, Puts und LeihegeschäfteBei einem Drittel der Renteninvestments aber handelt es sich um Inhaberpapiere, mit denen Klöckner teilweise auch kurzfristig handelt. Vergangenes Jahr begann er, Kauf- und Verkaufsoptionen auf Inhabertitel zu verkaufen, um einen zusätzlichen Ertragsbeitrag zu generieren. Ebenfalls im vergangenen Jahr hat Klöckner erstmals das Instrument der Wertpapierleihe eingesetzt. Die bis zum Jahr 2009 laufende VW-Anleihe mit mehr als 4 % Verzinsung brachte Gebühreneinnahmen von 0,5 % im Jahr – eine “relativ sichere Zusatzrendite”, die sich Klöckner nicht entgehen lassen wollte. Als das Emirat Abu Dhabi aber sein avisiertes Engagement bei VW absagte und die Herabstufung des Autokonzerns drohte, beendete Klöckner das Leihegeschäft, um die vom Wertverfall bedrohte Anleihe verkaufen zu können. Grundsätzlich will der Geschäftsführer die Wertpapierleihe-Aktivitäten bei den Inhaberpapieren seines Hauses verstärken, “wenn es der Markt erlaubt”.Ausbauen will er auch die Position in inflationsgeschützten Anleihen, die derzeit 3 % des Gesamtportfolios ausmachen. Einen Anteil von 10 % will Klöckner erreichen. “Die Realverzinsung bildet zwar nicht unbedingt den Rechnungszins ab, aber der Realzins ist letztlich doch das, was Rentner brauchen, und zwar mindestens die Sicherung der heutigen Kaufkraft.” In diesem Jahr kann sich Klöckner auch erste Investments in auf Dollar denominierte Bonds vorstellen. Da dies bisher nicht in den internen Anlagerichtlinien vorgesehen ist, muss zuerst noch der Anlageausschuss zustimmen. Größeres AktienuniversumAuch bei den Aktienanlagen hat Klöckner seit seinem Amtsantritt einiges verändert. Das Anlageuniversum von deutschen Standard- und Nebenwerten ist nun um den Euro Stoxx 50 erweitert. “Den deutschen Markt und den Euro Stoxx 50 kann man noch ganz gut selbst abdecken.” Auch hier würden umfangreiche Zusatzerträge durch Stillhaltergeschäfte generiert. Im vergangenen Jahr sei die Performance dadurch um 0,5 % verbessert worden.Über den Publikumsfonds Nestor aus dem Hause Warburg ist das Versorgungswerk der rheinland-pfälzischen Rechtsanwaltskammern inzwischen auch in Osteuropa investiert. Diese Position soll von derzeit rund 1 % auf 3 bis 4 % des Gesamtportfolios erweitert werden. Auch die Engagements in China, Indien und Japan, die über Zertifikate von ABN Amro (“einer der liquidesten Anbieter”) dargestellt werden, würden im Rahmen der internationalen Diversifizierung ausgebaut. Derzeit machen die Zertifikate 1 % der Anlagen aus. Gex im TestMit einem Betrag von einer halben Million Euro testet Klöckner derzeit auch Zertifikate auf den Mittelstandsindex Gex. “Es ist erwiesen, dass familiengeführte, börsengelistete Unternehmen besser performen als die übrigen. Daran wollen wir auch partizipieren”, begründet er die Entscheidung. Der Anteil der Gex-Zertifikate am Portfolio müsse noch ausgebaut werden. Dividendenrendite und Kurs-Gewinn-Verhältnis seien die wichtigsten Kennziffern bei der Entscheidung für oder gegen eine Aktie in der Direktanlage, sagt Klöckner. Rund 50 Positionen umfasse das Aktienportfolio des Versorgungswerks.Am wenigsten hat sich seit Klöckners Amtsantritt bei den Immobilienanlagen verändert. Bei den Objekten im Bestand handelt es sich um meist in Koblenz gelegene Wohn- und Gewerbegebäude. Der Anteil soll bei 10 % des Portfolios stabil gehalten werden.