0,0016 Prozent

Von Walther Becker, Frankfurt Börsen-Zeitung, 17.11.2017 In der "Mutter aller Proxy Fights" geht Nelson Peltz zwar als klarer Gewinner, aber noch nicht als Sieger vom Platz. Der aggressive Hedgefonds-Milliardär versucht im bisher längsten aller...

0,0016 Prozent

Von Walther Becker, FrankfurtIn der “Mutter aller Proxy Fights” geht Nelson Peltz zwar als klarer Gewinner, aber noch nicht als Sieger vom Platz. Der aggressive Hedgefonds-Milliardär versucht im bisher längsten aller Kämpfe um Aktionärsstimmen in den Board von Procter & Gamble einzuziehen. Noch nie suchte sich ein Aktivist ein größeres Unternehmen als Angriffsziel aus: Sein Fonds Trian hatte im Januar 3,5 Mrd. Dollar in den US-Konsumgüterriesen investiert und will den Hersteller von Ariel, Gillette oder Pampers zum Tanzen bringen.P & G beschied nach der Abstimmung vor einem Monat, Peltz sei mit einer Mehrheit von 0,2 % der Stimmen abgeschmettert und verweigerte ihm Sitz und Stimme. Nun wurde von unabhängigen Inspektoren der IVS Associates nachgezählt, und siehe da: Peltz hat mit 0,0016 % – zwar hauchdünn, aber immerhin – obsiegt. Der forsche Aktivist reklamiert den Sieg für sich. Demzufolge stünde ihm der Einzug in den Board zu. Das Prüfen der Abstimmung ist nicht gerade einfach, denn mit 40 % liegt ein für US-Verhältnisse außerordentlich hoher Anteil des Kapitals von P & G bei Privatanlegern.Procter gambelt auf Zeit, verweist auf die bislang erst vorläufigen Ergebnisse und setzt darauf, dass sich im endgültigen Resultat das Blatt noch im Sinne des seit Ende 2015 amtierenden CEO David Taylor wendet. Die Aktie des 230 Mrd. Dollar schweren Konzerns stieg auf die Nachricht vom Trian-Sieg; sie hatte schon auf die erste Nachricht von Peltz’ Niederlage nachgegeben.Für den Konsumgüterkonzern ist der Ausgang schon eine arg peinliche Schlappe, nachdem er zunächst glauben machen wollte, die Attacke abgewehrt zu haben. Doch noch blamabler für Taylor ist, dass er – 0,2 % hin, 0,0016 % hin – mit allen Mitteln versucht, den Hedgefonds draußen zu halten. Das treibt eine größere Zahl von Investoren geradezu an, sich hinter Peltz zu stellen. Aktivisten leben davon, dass sich traditionelle Investoren ihren Kampagnen anschließen. Fest steht: Ob 0,2 % im Minus oder 0,0016 % im Plus – etwa jeder zweite Anteilseigner lässt Peltz nicht abblitzen. Beide Seiten bekämpfen sich verbissen und sollen schon über 100 Mill. Dollar für Werbung in Form von Social Media, Mailings, Telefonkampagnen und Anzeigen lockergemacht haben. Was der Aktivist willHat das Ergebnis der neuen Auszählung Bestand, dürfte Peltz Procter dazu drängen, die Konzernstruktur zu vereinfachen und Marken zur Rückgewinnung von Marktanteilen zu repositionieren. Sein Ansinnen ist es, den laufenden Restrukturierungsprozess des traditionsreichen Konzerns zu beschleunigen und zu verschärfen. Hinter der seit gut einem Dreivierteljahr offen ausgetragenen Auseinandersetzung steht die Frage, wie der Konsumgütermulti am besten auf veränderte Marktbedingungen reagiert. Dass P & G sich wandeln muss, ist unbestritten. Viele Marken, vor allem jene im Rasierklingen- und Windelgeschäft, verlieren an Boden, der Umsatz stagniert in einigen Sparten, und Margen sinken. Der Aktienkurs hat in den vorigen fünf Jahren um lediglich 16 % zugelegt, der Gesamtmarkt stieg um 46 %.Peltz geht das alles nicht weit genug. Er moniert eine seiner Ansicht nach erstickende Bürokratie in der Zentrale in Cincinnati mit ihren 10 000 Angestellten. Die zehn Geschäftsbereiche müssten auf drei reduziert werden und Manager mehr direkte Ergebnisverantwortung übernehmen. Und P & G solle Anbieter innovativer Produkte hinzukaufen.——–Procter & Gamble muss Nelson Peltz möglicherweise doch in den Board einziehen lassen.——-