1 Million Unterschriften gegen Bayer-Monsanto
1 Million Unterschriften gegen Bayer-Monsanto
Von Annette Becker, DüsseldorfMit mehr als 1 Million Unterschriften machen Umwelt- und Verbraucherschützer sowie Farmer in den USA Front gegen die Übernahme von Monsanto durch Bayer. Anfang der Woche übergaben mehr als ein Dutzend Organisationen die Unterschriftenlisten der US-Justizbehörde, die zusammen mit dem Federal Trade Commission über die kartellrechtliche Freigabe der Akquisition entscheidet. Zeitgleich wurden zwei Studien veröffentlicht, die sich mit den Auswirkungen des Zusammenschlusses auf Verbraucher und Landwirte beschäftigen. Keine Frage, dass die Studien interessengesteuert sind. Einfach beiseitewischen lassen sie sich jedoch nicht. Anschauungsmaterial dazu liefert die andauernde Hängepartie um die Zulassungsverlängerung für das umstrittene Herbizid Glyphosat in der EU. Vertikale KonzentrationDie Kartellbehörden dies- und jenseits des Atlantiks kommen gar nicht umhin, die langfristigen Auswirkungen des Zusammenschlusses genau unter die Lupe zu nehmen, sind es doch beileibe nicht nur Sozialromantiker, die Bedenken hegen. Denn auch von Wettbewerbern wird es in den laufenden Kartellverfahren Gegenwind geben.Einen Vorgeschmack auf das, was auch in Europa ab Mitte Dezember zur Sprache kommen wird, gab kürzlich Syngenta. Die Schweizer monierten bei der brasilianischen Wettbewerbsbehörde, dass der annoncierte Asset-Verkauf von Bayer an BASF nicht ausreiche, um den Wettbewerb in der Agroindustrie sicherzustellen. Anstatt wie bisher Produkt für Produkt auf Wettbewerbseinschränkungen zu prüfen, sei es an der Zeit, auf den Wettbewerb zwischen den integrierten Plattformen der einzelnen Anbieter abzustellen. Im Klartext: Die Fusion sollte vor allem mit Blick auf die vertikale Konzentration abgeklopft werden.Das Aus für die Fusion ist damit keineswegs besiegelt, doch muss Bayer womöglich mehr Zugeständnisse machen als erwartet, um die Übernahme durch die Tür zu bringen. Theoretisch ist damit die Frage verbunden, ob sich die Übernahme betriebswirtschaftlich noch rechnet. Vermutlich aber wird diese Frage gar nicht gestellt, wäre ein Rückzieher doch nicht nur teuer – allein an Monsanto wäre eine Entschädigungszahlung von 2 Mrd. Dollar zu leisten -, sondern auch mit einem gehörigen Gesichtsverlust verbunden. OTC in schwerem FahrwasserKein Wunder also, wenn es in der Leverkusener Firmenzentrale rumort, zumal der jüngste Zwischenbericht erkennbar auch operative Schwächen zutage förderte. In dieser Woche zog Bayer daraus personelle Konsequenzen und gab die Trennung von Erica Mann bekannt, die seit März 2011 das Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten (OTC) leitet, seit Anfang 2016 als Vorstandsmitglied. Wirklich überraschend kam die Personalie zwar nicht, bewegt sich die Sparte Consumer Health doch schon länger in schwierigem Fahrwasser. Ein durchschlagendes Rezept gegen das sich rasch verändernde Marktumfeld hat Bayer noch nicht gefunden. Erschwerend kommt hinzu, dass für das 2014 erworbene OTC-Geschäft von Merck & Co offenbar zu viel gezahlt wurde. Nicht grundlos mussten Ende 2016 erste Impairments auf zwei Marken aus dem Merck-Portfolio vorgenommen werden.Personalwechsel im Vorstand des Leverkusener Traditionskonzerns waren in der Vergangenheit eher selten. Dieses Jahr gab es derer indes schon zwei. Denn bereits im April hatte sich Bayer mit Finanzchef Johannes Dietsch auf dessen vorzeitiges Ausscheiden im Mai 2018 verständigt. Zu diesem Zeitpunkt war die Monsanto-Transaktion in Brüssel noch nicht einmal angemeldet.Zwar ist aus heutiger Warte noch ausreichend Zeit, um die Finanzierung der Mammutübernahme mit der eingeschworenen Mannschaft in trockene Tücher zu bringen – allen voran die milliardenschwere Kapitalerhöhung, die ins neue Jahr verschoben ist. All zu viele Prüfungsverlängerungen darf es aber nicht mehr geben.