Abertis-Deal wird Goldgrube für Banken
Abertis-Deal wird Goldgrube für Banken
cru Düsseldorf – Der milliardenschwere Übernahmekampf um Abertis wird nicht zuletzt zu einer Goldgrube für die Banken, die an der Beratung und Finanzierung der beteiligten Unternehmen gut verdienen. Der spanische Hochtief-Mutterkonzern ACS arbeitet mit den Berater-Banken Lazard und J.P. Morgan an der mindestens 17 Mrd. Euro schweren Gegenofferte für Abertis. Zum Finanzierungskonsortium des italienischen Mautstraßenbetreibers Atlantia, dessen Angebot von 16,5 Mrd. Euro bereits läuft, gehören Intesa, BNP, Credit Suisse, Mediobanca und Santander. Beim Übernahmeziel Abertis ist laut Finanzkreisen die Deutsche Bank engagiert.Beide Bieter finanzieren – falls Hochtief mitmischt – ihre Offerten zu je drei Vierteln aus Barmitteln und zu einem Viertel aus Aktien als Akquisitionswährung. Ebenfalls beide Bieter finanzieren zu je drei Vierteln aus Fremdkapital und zu je einem Viertel aus Eigenkapital. Zudem dürften sich beide Bieter nach einer Übernahme mit etwa dem Fünffachen des operativen Jahresgewinns des fusionierten Unternehmens verschuldet haben. Derzeit verfügen beide über ein Investment-Grade-Rating, das dann in Frage stünde. Drei Viertel in Cash …Details über die Atlantia-Finanzierung sind seit dem 15. Mai bekannt und gehen aus der bei der spanischen Börsenaufsicht CNMV vorgelegten Angebotsunterlage hervor: Falls Atlantia 100 % der Abertis-Aktien angedient werden, würde das Cash-Element der Offerte, das dann bei 77 % liegt, durch Bankkredite zum Jahreszins von 1,9 % finanziert. Der Rest von 23 % wird über Eigenkapital in Form von Atlantia-Aktien gestemmt. Kreditlinien im Wert von zunächst 14,7 Mrd. Euro wurden zu gleichen Teilen von Unicredit, Intesa Sanpaolo und BNP Paribas bereitgestellt – dann aber durch eine Anleiheemission und Einnahmen aus Teilverkäufen des Unternehmens auf 11,9 Mrd. Euro reduziert. Zusätzlich hat Atlantia per Ende August Cash-Reserven von 2,9 Mrd. Euro. … ein Viertel in AktienMit dem Angebotskonstrukt von Atlantia, den Abertis-Aktionären 23 % der Offerte in Aktien zu zahlen und den Rest in Cash, würde die Verschuldung der Italiener ansteigen – auf Pro-forma-Basis auf das Fünffache des operativen Gewinns (Ebitda) des fusionierten Unternehmens Abertis/Atlantia 2017. Atlantia hat angedeutet, die Offerte auf 18 Mrd. Euro erhöhen zu können. Der gesamte Unternehmenswert von Abertis inklusive der Schulden von 14 Mrd. Euro liegt bei etwa 34 Mrd. Euro.Die Bilanz von Hochtief ist laut Bankhaus Lampe gesund – mit einer Nettofinanzposition von 700 Mill. Euro. Der Konsens schätzt den operativen Gewinn von Abertis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) für 2017 auf 3,7 Mrd. Euro und den von Hochtief auf 1,2 Mrd. Euro. Abertis arbeitet hochprofitabel und hat 2016 eine operative Marge von 37 % erwirtschaftet. So würde das fusionierte Unternehmen Abertis/Hochtief auf einen operativen Gewinn von 5 Mrd. Euro und Schulden von 32 Mrd. Euro kommen.Hochtief verfügt von der Hauptversammlung nur über die Genehmigung, bis zu 32 Millionen neue Aktien auszugeben. Die Spekulation auf eine Kapitalerhöhung, die 5 Mrd. Euro einspielt, ist deshalb laut Commerzbank – die Hochtief nahesteht – zu hoch. Zumindest würde das eine außerordentliche Hauptversammlung erfordern.