Accenture setzt auf virtuelle Animation
Accenture setzt auf virtuelle Animation
wb Frankfurt – Die Beratungsgesellschaft Accenture übernimmt mit Mackevision einen Spezialisten zur Visualisierung auf der Basis von Datenmodellen realer Produkte – dem sogenannten “digitalen Zwilling”. Verkäufer sind Manager und Investoren um die europäische Beteiligungsgesellschaft Gimv, die von einer Rendite spricht, die “deutlich über dem langfristigen Durchschnitt” liegt.In einem wettbewerbsintensiven Prozess, den die Investmentbank GCA Altium geleitet hat, setzte sich Accenture mit einem strategischen Multiple durch, also einer Bewertung, die über den branchenüblichen Deals in den Branchen IT und Werbung liegt. Es geht um einen klaren dreistelligen Millionenbetrag, wobei sich die beiden Seiten nicht zur Bewertung äußern. In der Haltezeit von Gimv wurde der Umsatz von rund 20 Mill. Euro gut verdreifacht. Parallel dürfte sich auch das Investment entwickelt haben.Mackevision galt als letzter verbliebener Anbieter, der in der Branche zu haben war. Vor allem die starke Stellung in der Autoindustrie, wo Mackevision als Weltmarktführer in Visualisierungsdiensten gilt, lockte die Bieter. Große IT-Häuser und Werbeagenturen waren an dem “Hidden Champion” aus Stuttgart interessiert. Gimv war 2014 für einen “signifikanten zweistelligen Millionenbetrag”, wie es hieß, mit deutlich über 50 % eingestiegen. Das Management um CEO Armin Pohl blieb maßgeblich beteiligt. Ein Börsengang galt als eine der Exitoptionen. Es gab einen Shareholder Loan und mehrere Finanzierungsrunden. Das Unternehmen wurde vor vier Jahren für seine Arbeit an der US-Fantasy-Fernsehserie “Game of Thrones” mit einem Emmy ausgezeichnet. Extended RealityMackevision bietet Dienstleistungen in in der computergestützten Bebilderung. Die Übernahme ergänze das Portfolio von Accenture Interactive in digitalen Services. Diese baut damit nach eigenen Angaben das Angebot rund um Customer Experience der nächsten Generation sowie um Extended-Reality-Anwendungen für die Industrie aus. Diesem XR-Markt traut das Analystenhaus IDC bis 2020 einen Umfang von 162 Mrd. Dollar zu. Accenture hatte in ihrer Digitalsparte zuletzt im Agenturgeschäft SinnerSchrader über- und von der Börse genommen. Ziel ist dabei die gemeinsame Entwicklung von Lösungen für digitale Transformation aus der Kombination von Beratung, Design und Technologie.Die Mackevision-Services Kreation, Visualisierung und Produktion werden für Produktkonfiguratoren, digitale Kataloge, virtuelle Showrooms, multimediale Kioske sowie Fernseh- und Kinofilme genutzt. Herzstück sei die Fähigkeit, echte “digitale Zwillinge” von realen Produkten wie Autos, Flugzeugen, Konsumgütern oder Maschinen erstellen zu können. Auf dieser Basis produziere Mackevision mit Computer Generated Imagery, Visual Effects sowie Augmented und Virtual Reality “kreative und emotionale Bildinhalte” und verwandele so Daten in virtuelle Anwendungen und “echte, eindrückliche Produkterfahrungen”.Mackevision wurde 1994 gegründet und hat rund 500 Beschäftigte. Der Hauptsitz ist Stuttgart, weitere Standorte sind München und Hamburg sowie in den USA, Großbritannien, China, Südkorea und Japan. “Die digitale Neuerfindung der Industrie nimmt Fahrt auf und der digitale Zwilling ist der Schlüssel dazu”, lässt sich Frank Riemensperger, Vorsitzender der Geschäftsführung Accenture Deutschland, zitieren. Mit den Fähigkeiten von Mackevision, komplexe Ingenieurdaten zu bearbeiten und damit “umsatzrelevante Kundenerlebnisse” zu erzeugen, ließen sich digitale Bildinhalte in neuer Qualität und Dimension kreieren. Die Anwendungsmöglichkeiten über alle Industriebranchen hinweg seien enorm.Mackevision zählt Audi, BMW, Chrysler, Hyundai, Jaguar Land Rover, Mercedes-Benz und Porsche zu den Kunden. Die Visualisierungen reichen von der Autokonfiguration über virtuelle Showrooms von Händlern bis zu Produkterlebnissen mit Augmented und Virtual Reality. Accenture gilt als eine der größten Digitalagenturen weltweit und nennt sich eines der führenden professionellen Dienstleistungsunternehmen in Beratungs- und Outsourcingdienstleistungen mit den Schwerpunkten Strategie, Consulting, Digital, Technologie und Operations. Real positivGimv beziffert den positiven Beitrag zum Eigenkapitalwert zum 30. September 2017 auf 0,70 Euro pro Gimv-Anteil. Die in Brüssel börsennotierte Beteiligungsgesellschaft ist seit 37 Jahren in Private Equity und Risikokapital tätig. Verwaltet werden derzeit 1,6 Mrd. Euro in etwa 50 Portfoliogesellschaften. Die Plattformen werden Connected Consumer, Health & Care, Smart Industries und Sustainable Cities genannt. Die Kooperation mit der Mackevision-Geschäftsführung nennt Sven Oleownik, Leiter von Gimv in Deutschland, “ein Beispiel wie aus dem Lehrbuch für das Zusammentreffen von verschiedenen Erfolgsfaktoren”. Für Gimv war es ein Leuchtturmprojekt, sagt er.