IM GESPRÄCH: SVEN SCHULZ

Akasol hofft auf zweite Halbzeit

Der CEO des Herstellers von Batteriesystemen zu Pandemie, Kapazitätsausbau und Kundenbeziehungen

Akasol hofft auf zweite Halbzeit

Von Helmut Kipp, FrankfurtDie Produktionsunterbrechungen in der Fahrzeugindustrie haben dazu geführt, dass Akasol zwischenzeitlich kaum noch Batteriesysteme abgesetzt hat. Im Vertrauen darauf, dass die Auslieferungen nachgeholt werden, hat das Unternehmen weiter produziert und damit erhebliches Umlaufvermögen aufgebaut. Vorstandschef Sven Schulz geht davon aus, dass der Abbau der Lagerbestände bis weit ins dritte Quartal reichen wird.”Die für März geplanten Auslieferungen sind schlagartig zum Erliegen gekommen”, berichtet Schulz im Gespräch mit der Börsen-Zeitung. Im April habe sich der Lockdown noch heftiger ausgewirkt. Im Mai und Juni sei die Produktion in den Kundenwerken schrittweise wieder angelaufen, so dass die Bestände nach und nach abflössen. “Die Bestellungen wurden verschoben, nicht storniert”, versichert Schulz. Eine Garantie, dass die Systeme auch abgenommen werden, gibt es aber nicht. Das sähen die langfristigen Kundenverträge, die dem kleinen Unternehmen ein 2 Mrd. Euro dickes Auftragspolster bis einschließlich 2027 bescheren, nicht vor. Damit hängt der eigene Absatz letztlich vor allem davon ab, in welchem Umfang Nahverkehrsbetriebe und Nfz-Nutzer trotz der Rezession weiter Fahrzeuge anschaffen.”Bisher haben wir keine Signale erhalten, dass mit erheblichen Reduzierungen zu rechnen ist”, sagt der CEO, der über die Schulz Group auch Großaktionär des Unternehmens mit einem Aktienanteil von 47,4 % ist. Sollten die Absatzmengen doch geringer ausfallen, würden die Preise neu verhandelt, so dass entsprechende Kompensationszahlungen zu erwarten seien. “Wir haben eine Open-Book-Beziehung zu unseren Kunden und können dadurch sauber darstellen, wie sich Minderabnahmen auf die Kosten auswirken.”Wichtigste Abnehmer der Batteriesysteme sind die Fahrzeugbauer Daimler und Volvo. Die Energieträger kommen vor allem in Elektrobussen und batteriegetriebenen Lastwagen zum Einsatz, aber auch in Schienen- und Industriefahrzeugen sowie Schiffen und Booten. Schulz ist zuversichtlich, dass der Absatz von Elektrofahrzeugen weniger unter der Coronakrise leiden wird als der von konventionell angetriebenen. Denn öffentliche und private Betriebe erhielten Prämien für die Anschaffung von E-Fahrzeugen. Oft handele es sich um öffentlich geförderte Leuchtturmprojekte. “Die Elektromobilität wird wieder Fahrt aufnehmen”, ist Schulz überzeugt. “Die Coronakrise hält diesen Trend nicht auf.” Die Pandemie könne sich sogar positiv auswirken, falls die Förderprogramme für umweltfreundliche Technologien ausgeweitet würden.Nach dem Verlust im ersten Quartal – unter dem Strich steht ein Fehlbetrag von 2,5 Mill. Euro bei auf 8,0 Mill. Euro gesunkenem Umsatz – zeichnen sich auch für das erste Halbjahr rote Zahlen ab. “Diese Interpretation macht Sinn”, sagt Schulz. Einen konkreten Ausblick für das Gesamtjahr traut sich der 1975 geborene Manager nicht zu: “Die Basis für eine belastbare Prognose fehlt.” Bisher beschränkt sich das Management auf die vage Ankündigung, dass Erlöse gesteigert und die Marge vor Zinsen und Steuern im Vergleich zu 2019 verbessert werden sollen. Diese Zielsetzung bestätigt Schulz, sofern die Kunden ihre Abrufe nicht wesentlich revidierten.”Im vergangenen Jahr sind wir um 120 % gewachsen”, sagt Schulz. “Es ist denkbar, dass wir in diesem Jahr eine ähnliche Rate erreichen.” Nach wie vor bestehe die Chance, schwarze Zahlen zu schreiben. Im vergangenen Jahr wurden 47,6 Mill. Euro Umsatz erwirtschaftet, der Verlust vor Zinsen und Steuern lag bei 11,1 % und bereinigt um Sonderfaktoren bei 5,1 % der Erlöse. “Deutlich gereift”Schulz bestätigt Aussagen beim Börsengang vor zwei Jahren, wonach Akasol zwischen 200 Mill. und 300 Mill. Euro Jahresumsatz bis 2022/23 und eine zweistellige Ebit-Marge erreichen will. Die erste Phase des dreistufigen Produktionsausbaus hat Akasol mit der zweiten Fertigungslinie im hessischen Langen abgeschlossen. Damit wurde die jährliche Produktionskapazität auf 800 Megawattstunden verdoppelt. Zur Jahresmitte startet die Auslieferung der neuen leistungsstärkeren Batteriesystemgeneration. Folglich war das Management schon vor Corona von einem schwächeren ersten und einem starken zweiten Halbjahr 2020 ausgegangen. Derzeit läuft der Bau der sogenannten Gigafactory 1 in Darmstadt, in der Mitte 2021 die Serienfertigung eines neuen Ultrahochenergiesystems anlaufen soll. Die Anlagen liefert der Maschinenbauer Manz. Und in Hazel Park im US-Bundesstaat Michigan baut Akasol einen weiteren Fertigungsstandort, der in der zweiten Hälfte dieses Jahres den Betrieb aufnehmen soll.Den Investitionsaufwand für die drei Wachstumsprojekte veranschlagt Schulz auf mehr als 80 Mill. Euro. “Hinter diesen Investitionen stehen langfristige Lieferverträge. Wir investieren nicht in Kapazitäten für Produkte, deren Absatz offen ist.”Mit den vorhandenen Finanzmitteln – beim Börsengang wurden 100 Mill. Euro eingenommen – komme Akasol bis 2022/23 aus, sagt Schulz. Voraussetzung sei, dass exogene Schocks ausblieben und kein weiterer Großkunde hinzukomme, für den zusätzliche Fertigungskapazitäten errichtet werden müssen. Die Phase des starken Personalaufbaus habe Akasol hinter sich. “Die Frage, ob wir uns mit dem schnellen Wachstum übernehmen könnten, sehe ich inzwischen eindeutig entspannter”, sagt Schulz. “Das Unternehmen ist deutlich gereift.”