Aktionäre von Osram bedauern Verlust der Eigenständigkeit
Aktionäre von Osram bedauern Verlust der Eigenständigkeit
jh München – Kleinaktionäre von Osram beobachten mit Skepsis die von AMS angestrebte Übernahme. Als ob Olaf Berlien, der Vorstandsvorsitzende des Münchner Lichttechnikkonzerns, dies geahnt hätte, warb er auf der Hauptversammlung in seiner Eröffnungsrede für die Pläne des österreichischen Chip- und Sensorherstellers. “Gerade der Zusammenschluss mit AMS bietet Osram eine echte Perspektive, eine langfristige Zukunft”, sagte Berlien und versuchte Bedenken zu zerstreuen: “Dies ist nicht das Ende von Osram. Die viel beschworenen Lichter gehen bei Osram eben nicht aus.” Osram sei seit ihrer Gründung vor mehr als 100 Jahren selten wirklich eingeständig gewesen. Mehrheitseigentümer waren in dieser Zeit General Electric, AEG und Siemens. AMS wäre der Nächste auf der Liste.Einen Aktionär, der sich als Mitarbeiter von Osram vorstellte, überzeugte dies nicht. An Berlien gerichtet, sagte er: “Ihr Name wird immer mit der Zerschlagung von Osram verbunden sein.” Berlien habe das Unternehmen nicht aus eigener Kraft führen können und nach einem Investor gerufen.”Die Chinesen haben wir abgewehrt, jetzt werden wir österreichisch”, sagte Daniela Bergdolt, die Vizepräsidentin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Berlien mache die Übernahme mit schönen Worten schmackhaft. “Ich hätte mir aber gewünscht, dass Osram eigenständig bleibt.” Zudem kritisierte sie Siemens für die Art des Rückzugs als Aktionär: “Da hat sich Siemens leider Gottes nicht sehr verdient gemacht um Osram.” Fragen stellte Bergdolt zur Finanzierung der Übernahme von Osram: “Geht da etwas schief, hätten wir einen neuen Continental-Schaeffler-Fall.” Schaeffler hatte sich 2009 mit der Übernahme von Conti hoch verschuldet und war in Bedrängnis geraten, ehe das Familienunternehmen einen Milliardenkredit von Banken erhielt.Ein Kleinaktionär unter den knapp 1 700 Teilnehmern hätte es lieber gesehen, wenn sich Osram und AMS wie Linde und Praxair in einer Fusion unter Gleichen zusammenschließen würden. Das wäre besser, als wenn der Kleinere den Größeren übernimmt, sagte er. Berlien erwiderte: “Es ist durchaus eine Übernahme auf Augenhöhe erfolgt.” In der Vereinbarung für einen Zusammenschluss seien viele Rechte von Osram gesichert: die Marke, Zusagen an Mitarbeiter, eine Erweiterung des Aufsichtsrats. “Wir sind der Auffassung, dass der Zusammenschluss maßgebliche Merkmale einer Fusion unter Gleichen hat.” Trotz Kritik der Aktionäre wurden die Vorstände von Osram mit jeweils mehr als 98 % Ja-Stimmen entlastet. AMS-Chef wird vermisstAktionärsvertreter Hans-Martin Buhlmann bemängelte, dass sich Alexander Everke, der Vorstandsvorsitzende von AMS, nicht den Osram-Aktionären vorstellte. “Es wäre mehr als fair, es wäre notwendig, dass er da wäre.” Dafür gab es Applaus. Everke müsse nicht anwesend sein, entgegnete Berlien. Buhlmann wunderte sich über die geringe Präsenz von 49,5 % auf der Hauptversammlung: “Das kann doch nicht sein.” AMS besitzt knapp 20 %. Die von den Aktionären angedienten 40 % bleiben in deren Besitz, solange die Genehmigungen der Kartellbehörden ausstehen. AMS erwartet diese im nächsten Quartal.In der Zwischenzeit hat der Osram-Konzern sein Effizienzprogramm verstärkt. Finanzvorstand Ingo Bank kündigte am Dienstag an, das Einsparziel werde um 80 Mill. auf 300 Mill. Euro erhöht. Es gilt für die Jahre von 2018 bis 2022. Das Unternehmen komme zügiger voran als geplant, berichtete Bank. Im vergangenen Geschäftsjahr (30. September) sei das Ziel mit 107 Mill. Euro um ein Fünftel übertroffen worden.