Altice weist Kapitalerhöhung von sich
Altice weist Kapitalerhöhung von sich
hei/wü Frankfurt/Paris – Altice ist am Montag mit einem Kommuniqué Gerüchten entgegengetreten, die ihren Aktienkurs in den letzten Wochen stark unter Druck gesetzt haben. Es sei keine Kapitalerhöhung geplant, erklärte der netto zuletzt mit 49,6 Mrd. Euro verschuldete Kabel- und Telekomkonzern. Altice habe dies nicht vor, auch nicht in den USA. Die Mutter des französischen Telekomanbieters SFR betonte, über eine robuste und diversifizierte Kapitalstruktur sowie eine solide Liquidität zu verfügen.Auf der bei Investoren vielbeachteten Branchenkonferenz von Morgan Stanley in Barcelona, zu der Konzerngründer Patrick Drahi ebenso angereist war wie Altice-Finanzchef Dennis Okhuijsen, versicherten die beiden Manager den verunsicherten Anlegern, dass zunächst keine größeren Akquisitionen mehr geplant seien. Auch vom Erwerb teurer Fußballübertragungsrechte, mit denen Altice ihre Content-Strategie untermauern wollte, soll zunächst abgesehen werden.Okhuijsen stellte zudem den Verkauf nichtstrategischer Aktivitäten, die man identifiziert habe, in Aussicht. Dazu zähle u.a. das Portfolio von Mobilfunksendemasten. Derlei Aktiva stehen inzwischen bei zahlreichen Telekomkonzernen zur Überprüfung an, wenn es darum geht, bilanzielle Reserven zu heben. Dabei geht es in der Regel um Sale-and-Lease-back-Modelle, bei denen die Funktürme von Immobilienunternehmen oder reinen Tower-Gesellschaften erworben werden. Vodafone hat ihre Funktürme in Indien jüngst für 1 Mrd. Euro verkauft.Die Verkäufe könnten in der ersten Hälfte nächsten Jahres beginnen. Investoren würden rechtzeitig darüber informiert. Der Kursrutsch der Altice-Aktie, die seit Beginn des Monats fast 50 % an Wert verloren hat, hat in Frankreich Verunsicherung ausgelöst. Er werde wachsam sein, was die mehr als 10 000 Arbeitsplätze des Konzerns angehe, erklärte Wirtschaftsminister Bruno Le Maire Sonntag in einer Sendung des Radiosenders Europe1.Gleichzeitig appellierte er an die Investoren, angesichts der Verschuldung von Altice nicht in eine Katastrophenstimmung zu verfallen. Konzerngründer Patrick Drahi habe mutige Entscheidungen getroffen und das Management von Altice ausgetauscht, sagte Le Maire. Altice hat ihre Expansionsstrategie bisher praktisch ausschließlich auf einen Akquisitionsfeldzug in Europa und den USA gegründet. Allein Altice France – im Wesentlichen Numericable und SFR – sowie Altice International – u.a. Altice Portugal – und Altice Luxembourg kommen auf Nettoschulden von zusammen 29,9 Mrd. Euro.Angesichts dieses Schuldenbergs beunruhigt die Anleger die schwache operative Performance insbesondere der Telekomaktivitäten in Frankreich und Portugal (Vgl. BZ vom 17. November). In den USA, wo Altice über die Akquisitionen von Suddenlink und Cablevision Fuß gefasst hat, laufen die Geschäfte besser. Im dritten Quartal gelang ein Umsatzplus von 19 %. Drahi hatte die US-Tochter an die Börse gebracht, um ihr einen eigenständigen Kapitalmarktzugang zu eröffnen. Zuletzt hielten sich hartnäckig Gerüchte, Altice US Inc. plane ein 157 Mrd. Dollar schweres Übernahmeangebot für den Konkurrenten Charter Communications, um in den USA den Footprint zu erhöhen und Skaleneffekte zu realisieren.Der für sein Akquisitionsgeschick bekannte französische Milliardär hat viele Bewunderer, die sein Imperium mit dem von Kabelkönig John Malone vergleichen. Dieser hatte Liberty Media und Liberty Global ebenfalls durch große Sprünge mit M & A geschaffen. Kabelgesellschaften verfügen in der Regel über sehr stabile Cash-flows und stemmen daher häufig einen Leverage in Höhe des 5-fachen operativen Ergebnisses, wie ihn auch Altice aufweist. Allerdings stehen im Telekomsektor, der bei Altice ein hohes Gewicht hat, die Cash-flows unter Druck, so dass die Verschuldung Anlass zur Sorge gibt.—– Wertberichtigt Seite 8