Amazon zeigt Ambitionen in China

Massive Stellenausschreibung deutet auf Offensive in E-Commerce hin

Amazon zeigt Ambitionen in China

nh Schanghai – Der amerikanische Onlinehandelsriese Amazon.com Inc. scheint eine gewaltige personelle Aufstockung im Reich der Mitte anzustreben, um das E-Commerce-Geschäft in China und andere Amazon-Dienste zu forcieren. Seit Septemberbeginn sollen auf Amazons hauseigener Karrierewebseite über 400 Stellen in chinesischen Großstädten ausgeschrieben worden sein. Darüber hinaus hat Amazon über das internationale Networking-Portal Linkedin über 900 weitere Stellenöffnungen vor Ort annonciert. Die Bandbreite der ausgeschriebenen Stellen reicht von Softwareingenieuren über Operations Manager bis zu Planungsstrategen und Managern für Onlineinhalte. Rückstand zu Alibaba & CoDie Stellenoffensive in China gilt als beredtes Anzeichen dafür, dass sich Amazon mit ihrer gegenwärtig noch relativ schwachen Stellung im weltgrößten Konsumentenmarkt nicht zufriedengeben möchte. Das chinesische E-Commerce-Geschäft wird gegenwärtig weiterhin vom Branchenriesen Alibaba und seinen E-Commerce-Plattformen Taobao und Tmall sowie dem in den letzten Jahren stark aufholenden Rivalen JD.com dominiert. Die chinesischen Marktführer wissen dabei über 90 % des gesamten Warenumschlags im chinesischen Onlinehandel auf sich zu vereinigen.Amazon hingegen ist bei der Marktstellung im chinesischen E-Commerce-Geschäft im vergangenen Jahr noch etwas weiter ins Hintertreffen geraten. So wird der Anteil an dem sogenannten Gross Merchandise Value – als der im Onlinehandelssektor verwendeten Kenngröße für den Warenumschlag – im vergangenen Jahr auf nur etwa 0,8 % veranschlagt. Im Jahr 2015 soll der Anteil noch etwa 1,1 % betragen haben.Die im Vergleich zu den USA und europäischen Ländern extrem schwache Stellung von Amazon gründet zum einen auf noch recht unterentwickelte Logistikstrukturen, weil Amazon im Gegensatz zu Alibaba und JD.com keine extrem kostenaufwendige flächendeckende Präsenz aufweisen kann, sondern sich auf die größten Ballungszentren konzentriert. Gleichzeitig fällt es Amazon im komplexen chinesischen Markt schwerer, auf sich rasch wandelnde Konsumtrends zu reagieren und mit den zahlreichen Sonderaktionen, die von Alibaba und JD.com angestrengt werden, mitzuhalten. Chance bei ImportwarenAllerdings genießt Amazon eine bessere Stellung in dem als vielversprechend geltenden Geschäft mit Onlinebestellungen für importierte ausländische Waren. Diese werden vor allem von einer rasch wachsenden und gegenüber internationalen Strömungen aufgeschlossenen gehobenen Mittelschicht immer stärker nachgefragt. Nach Angaben von Branchenexperten dürfte Amazon gegenwärtig auf einen Anteil von etwa 7 % beim grenzüberschreitenden E-Commerce-Geschäft nach China kommen. In den vergangenen Jahren hat Amazon außerdem Erfolge bei ihren chinesischen Diensten für Cloud Computing und Webhosting verzeichnet. Hier sind in China neben Alibaba auch die amerikanischen Tech-Riesen Google und Microsoft die größten Konkurrenten.