AMS bereitet Integration von Osram vor

Beherrschungsvertrag bis Ende dieses Jahres und vier Aufsichtsräte angestrebt - Aktienanteil aufgestockt

AMS bereitet Integration von Osram vor

jh München – AMS strebt bis Ende dieses Jahres die vollständige Kontrolle von Osram an. Erstmals äußerte sich das österreichische Chip- und Sensorikunternehmen über den Zeitplan für einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag (BGV). AMS befasse sich bereits mit den erforderlichen Vorbereitungen, heißt es im Halbjahresbericht. “Eine Implementierung eines BGV um das Jahresende 2020 herum” hält das Unternehmen für realistisch.Voraussetzung für eine solche Vereinbarung mit Osram ist die Dreiviertelmehrheit einer außerordentlichen Hauptversammlung des Münchner Lichttechnikkonzerns. Das dürfte für AMS keine Hürde sein. Den Anfang Juli nach den Kartellgenehmigungen – zuletzt von der EU – erreichten Aktienanteil von 69 % stockte AMS inzwischen auf rund 71 % auf. Geplant sei, “künftige überschüssige liquide Mittel aus dem operativen Geschäft zur weiteren Erhöhung unserer Osram-Beteiligung zu verwenden”.Ungeachtet eines Beherrschungsvertrages beginnt AMS nach eigenen Angaben nun, enger mit Osram zusammenzuarbeiten. So werde die künftige Organisations- und Geschäftsstruktur vorbereitet, ebenso ein gemeinsames Finanzmanagement und Berichtswesen. Seit Beginn des aktuellen Quartals werde Osram vollständig konsolidiert. Marketing und Vertrieb würden abgestimmt. Von den vier angestrebten Sitzen im Aufsichtsrat von Osram nimmt AMS nun die ersten drei ein. Darunter sind der für das operative Geschäft zuständige Vorstand Thomas Stockmeier und Betriebsrat Johann Eitner (siehe Personen Seite 12).Zu den Befürchtungen in der Belegschaft von Osram, AMS könnte das Autogeschäft des Münchner Unternehmens verkaufen (vgl. BZ vom 17. Juni), nahm der Vorstandsvorsitzende von AMS, Alexander Everke, erstmals Stellung. “Ein Verkauf ist nicht unsere Intention”, sagte er. Die Autosparte macht noch fast die Hälfte des Konzernumsatzes von Osram aus.Wenig überzeugt ist Everke allerdings vom Gemeinschaftsunternehmen von Osram und Continental. Er sehe darin keine strategische Logik, sagte er. Schon im vergangenen Jahr hatte der Autozulieferer in Hannover den Firmenwert des Joint Venture auf null abgeschrieben. Osram musste kurz darauf folgen. Über ein Ende des erst 2018 gestarteten Projekts für Autoscheinwerfer wird schon länger diskutiert. In der Branche heißt es, andere Kunden von Osram störten sich an der engen Zusammenarbeit mit ihrem Konkurrenten Conti.Trotz der Coronavirus-Pandemie steigerte AMS im vergangenen Quartal Umsatz und Ergebnis. Der Erlös nahm um 13 % auf 460 Mill. Dollar zu. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) legte auf 90 (i.V. 49) Mill. Dollar zu, das Nettoergebnis auf 57 (i.V. 52) Mill. Dollar. Der Aufwand für die Akquisition von Osram und für die aktienbasierte Vergütung ist hier ausgeklammert. Einschließlich dieser Effekte weist AMS einen Quartalsgewinn von 5,9 Mill. Dollar aus. Der Aufwand erklärt auch den Nettoverlust von 9,8 Mill. Dollar in der ersten Hälfte dieses Jahres (siehe Tabelle). Gutes Smartphone-GeschäftDie positive Entwicklung im vergangenen Quartal begründet AMS vor allem mit der Konsumentensparte, zu der das Geschäft mit Bauteilen für Smartphones gehört. Einen erheblichen Umsatzanteil erzielt das Unternehmen als Zulieferer von Apple. Das Auto-, Industrie- und Medizintechnikgeschäft habe sich dagegen verhalten entwickelt, berichtet AMS.