Anheuser-Busch Inbev kassiert Jahresprognose
Anheuser-Busch Inbev kassiert Jahresprognose
md Frankfurt – Der weltgrößte Brauereikonzern Anheuser-Busch Inbev hat seine Prognose für 2020 wegen der Auswirkungen der Coronakrise auf das Biergeschäft zurückgezogen. Zudem teilte das Unternehmen mit, dass sich der Abschluss des geplanten Verkaufs des Australien-Geschäfts für rund 11Mrd. Dollar an den japanischen Wettbewerber Asahi verzögert. Der Kurs der im Euro-Stoxx-50 enthaltenen Aktie legte in einem sehr festen Umfeld unterdurchschnittlich um 3,5 % auf 40,39 Euro zu. Im Monatsvergleich hat das Papier aber 41 % an Wert verloren. Das Rekordhoch von 124,20 Euro stammt vom Herbst 2015; damals hatte AB Inbev gerade die milliardenschwere Übernahme von SABMiller angekündigt. Trotz der herben Kursverluste in jüngster Zeit zählt der Anbieter bekannter Marken wie Beck’s, Budweiser, Corona und Stella Artois mit einem Börsenwert von 82Mrd. Euro noch zu den wertvollsten Konzernen in der Eurozone.Das Management begründet die Rücknahme der Prognose – AB Inbev hatte einen Anstieg des operativen Ergebnisses um 2 bis 5 % avisiert – mit der signifikanten Ausbreitung von Covid 19 sowohl geografisch als auch nach Zahl der Infektionen. Dies habe zu staatlichen Restriktionen geführt, die eine Vielzahl von Kunden (Restaurants, Bars, Pubs etc.) betreffen, aber auch die Möglichkeiten der Verbraucher stark einschränken, Bier zu konsumieren. Angesichts der Unsicherheit und der rasanten Entwicklungen ziehe der Konzern die gesamte Jahresprognose zurück. AB Inbev hatte bereits Ende Februar mitgeteilt, dass das neuartige Coronavirus Umsatz und Gewinn belasten wird, aber damals noch an der Prognose festgehalten.Zudem zieht sich nach Mitteilung des belgischen Bierproduzenten der geplante Verkauf der Tochter Carlton & United Breweries (CUB), die das Australien-Geschäft des Konzerns darstellt, für 16 Mrd. austr. Dollar an die japanische Asahi Group in die Länge. Da die Prüfung der Australian Competition and Consumer Commission (ACCC) sowie des Foreign Investment Review Board (FIRB) andauere, peilt AB Inbev jetzt einen Abschluss im zweiten Quartal an.Am Dienstag veröffentlichte die Privatbank Berenberg eine umfangreiche Studie zur Getränkeindustrie. Darin senkten die Analysten das Kursziel für AB Inbev von 94,60 auf 55,20 Euro, wiederholten aber ihre Kaufempfehlung. Wegen der massiven Geschäftseinbußen durch die Coronakrise wurden die Umsatz- und Gewinnschätzungen für die großen Bier- und Spirituosenhersteller für 2020 stark gekürzt, doch die Aktie von AB Inbev sei eine gute Option und biete bereits zum neuen Kursziel hohes Aufwärtspotenzial. Sollte der Konzern erfolgreich durch die Krise steuern, könnte sich der Kurs sogar verdreifachen, heißt es in der Studie.Wie die Bierbrauer trifft die Coronakrise auch die Spirituosenhersteller hart. So hat die französische Pernod Ricard (Absolut Vodka, Havana Club) gestern ein zweites Mal ihre Jahresprognose gekappt. Inzwischen rechnet der Konzern für 2019/20 mit einem Rückgang des bereinigten operativen Gewinns um 20 %. Während in China mit einer langsamen Erholung ab April zu rechnen sei, erwartet Pernod bis Ende Juni erhebliche Einbußen in anderen Märkten, etwa dem Einzelhandel, der rund drei Viertel der Konzernerlöse ausmacht. Berenberg rät bei Pernod Ricard zum Kauf mit einem Kursziel von 150 Euro (aktuell 127,65 Euro).Auch für die holländische Heineken ist Berenberg mittelfristig positiv gestimmt. Von der vier schwersten Konzernen (siehe Grafik) erhält lediglich Diageo nur ein “Halten”-Votum. Und trotz Coronakrise sollten die Margen auch dieses Jahr laut der Bank beachtliche Höhen erreichen.