Apples iPhone X verunsichert

Hoher Preis des Flaggschiffs treibt den Umsatz - Spekulationen über niedrige Nachfrage drücken den Kurs

Apples iPhone X verunsichert

Selten haben Optimisten und Pessimisten vor einer Zahlenvorlage von Apple so weit auseinandergelegen. Für das abgelaufene Quartal überwiegt zwar der Optimismus. Apple wird ein rekordhoher Gewinn zugetraut. Darüber, wie es dann weitergeht, scheiden sich indes die Geister. Ein Bericht des “Nikkei”, Apple habe die Bestellungen für das Flaggschiffgerät iPhone X halbiert, sorgt für Verunsicherung.Von Sebastian Schmid, FrankfurtSelten war der iPhone-Anbieter Apple so sehr auf Gewinn gepolt. Der an der Börse höchstbewertete Konzern der Welt hat die Durchschnittspreise praktisch aller angebotenen Produkte angehoben. Beim Bestseller iPhone wurde mit dem “X” eine ganz neue Preiskategorie erfunden – das Smartphone, das mehr als 1 000 Euro kostet. Zudem wurden die Preise für die iPhone-8-Reihe gegenüber den iPhone-7-Vorgängern ebenfalls angehoben. Auch bei den Mac-Rechnern und dem iPad wurde der Durchschnittserlös je Gerät über Portfolio-Erweiterungen am oberen Ende der Preisskala angehoben. Hinzu kommt ein schwacher Dollar, der Umsatz und Ergebnis im Ausland treibt. Es verwundert nicht, dass Analysten für das Weihnachtsquartal einen satten Ergebnisrekord vermuten. Im Schnitt werden rund 20 Mrd. Dollar Gewinn erwartet – 2 Mrd. mehr als das bisherige Hoch.Apple selbst ist offenbar so überzeugt von der eigenen Strategie, dass bereits im November erklärt wurde, es stehe das beste Quartal aller Zeiten ins Haus. Erstmals seit Jahren wird sogar wieder prozentual zweistelliger Umsatzzuwachs in Aussicht gestellt. Wesentlich gespeist wird diese Erwartung vom iPhone X, das den durchschnittlichen iPhone-Verkaufspreis einigen Analysten zufolge um mehr als 100 auf mehr als 800 Dollar treiben könnte. Selbst ohne die erwartet höhere Absatzmenge (siehe Grafik) würde der Umsatz der wichtigsten Produktkategorie damit zweistellig zulegen.Die japanische Finanzzeitung “Nikkei” berichtet derweil mit Verweis auf informierte Kreise, Apple habe die Zahl der bei Auftragsfertigern bestellten iPhone X für das laufende Vierteljahr von 40 Millionen auf 20 Millionen Stück halbiert. Auch andere Analysten wie KGIs Apple-Experte Ming-Chi Kuo haben unlängst ihre Erwartungen reduziert. Er rechnet noch mit 18 Millionen iPhone X im ersten Quartal. Allerdings ist Kuo wie viele andere Analysten nie davon ausgegangen, dass Apple 40 Millionen Stück bestellen könnte. Das Gros der Marktbeobachter war eher von 20 Millionen bis 30 Millionen Flaggschiffmodellen ausgegangen. Auch das hätte schon auf eine Absatzsteigerung zu den Vorjahren, in denen Apple meist rund 50 Millionen iPhones insgesamt absetzen konnte, hingedeutet. Erwartet wird, dass derzeit mehr als die Hälfte der iPhone-Käufer auf ein günstigeres Gerät setzen. Der Ausblick für das laufende Quartal dürfte einen Hinweis darauf geben, wie Apple selbst den iPhone-Mix erwartet. An der Wall Street wird ein Konzernumsatz von knapp 68 Mrd. Dollar prognostiziert. Die Apple-Aktie notierte am Montag zeitweise 2 % schwächer.