Ardian hat bei Inwit die Nase vorn

Finanzinvestoren-Konsortium will 25 Prozent an Italiens Funktürmen für rund 2 Mrd. Euro erwerben

Ardian hat bei Inwit die Nase vorn

Ein Konsortium unter Führung von Ardian steht offenbar vor dem Einstieg bei der börsennotierten italienischen Funkturmgesellschaft Inwit, die bisher zu 60 % von Telecom Italia (TIM) kontrolliert wird. Die Gebote für ein 25-Prozent-Paket an Inwit sollen bei rund 2 Mrd. Euro liegen.hei Frankfurt – Im Rennen um einen Einstieg bei der italienischen Funkturmgesellschaft Inwit liegt ein Konsortium unter Führung des Finanzinvestors Ardian vorn, wie Reuters aus informierten Kreisen berichtet. Es geht um ein Paket von 25 % an der börsennotierten Tower Company, an der Telecom Italia (TIM) aktuell noch 60 % hält. Das Paket soll mit rund 2 Mrd. Euro bewertet sein. Inwit bringt es aktuell auf eine Marktkapitalisierung von 6,2 Mrd. Euro. Die Aktie hat seit Jahresbeginn bereits 20 % zugelegt, denn die Anleger setzen auf die Fusion der Aktivitäten mit den Funktürmen von Vodafone, die TIM und Vodafone im vergangenen Sommer vereinbart haben.Der britische Mobilfunkriese bringt seine Funktürme in Inwit ein, im Tausch gegen eine Beteiligung von 37,5 % an der vergrößerten Gesellschaft sowie eine Cash-Zahlung von 2,14 Mrd. Euro. Die Vodafone-Tower-Aktivitäten in Italien wurden damit mit 5,27 Mrd. Euro bewertet. Der Anteil von TIM an Inwit verringert sich auf ebenfalls 37,5 %. Die Transaktion muss allerdings noch von der EU-Kommission, die Bedenken geäußert hat, gebilligt werden. TIM und Vodafone haben zuletzt Zugeständnisse im Hinblick auf die Nutzung der Mobilfunkinfrastruktur durch Dritte gemacht, um den Deal über die Hürden zu bringen. Mit dem Joint Venture (JV) weiten die beiden Unternehmen ihre bereits bestehende Kooperation bei 4G aus. Das JV, das über 22 100 Mobilfunkmasten verfügen wird, soll dazu beitragen, den neuen Mobilfunkstandard 5G in Italien schneller auszubauen. Mit einem Closing rechnen die Partner bis zur Jahresmitte.Bei der Zusammenlegung der Aktivitäten in der neuen Inwit hatten sie zugleich verkündet, ihre Beteiligung auf Sicht bis auf jeweils 25 % abzubauen. Ardian, die sich zu dem Bietprozess nicht äußert, ist ein erfahrener Investor im Bereich Technologie, Medien und Telekommunikation (TMT) sowie auch im Infrastruktursegment. Hierzulande gehören ihr 26 % an EWE. Allerdings hat in Europa bei Tower-Assets bisher Konkurrent KKR die Nase vorn. Die Amerikaner, die ebenfalls traditionell stark im TMT-Sektor engagiert sind, haben in zwei Schritten bereits 40 % an Telxius, der Infrastrukturgesellschaft von Telefónica, erworben sowie von Altice knapp die Hälfte der Funktürme der Tochter SFR.Vodafone und TIM gehören zu den ersten Unternehmen der Branche, die auch aktives “Network Sharing”, also die gemeinsame Nutzung von Funktechnik vereinbart haben. Andernorts bleibt es bisher bei “passivem Sharing”, das nur die Nutzung der Funktürme meint. Diese Strategie verfolgt insbesondere auch die Deutsche Telekom, die ihre Funkturmaktivitäten in Europa bereits in einer Tower Co gebündelt hat, um den Wert des Geschäfts in der Bilanz transparent zu machen. Die Telekom setzt strikt auf Infrastrukturwettbewerb, sie will sich mit der Qualität ihres Netzes differenzieren, ein aktives Network Sharing steht dem naturgemäß entgegen. Die Größten in EuropaDies gilt allerdings auch als ein Grund, warum der Bonner Konzern bisher davon abgesehen hat, seine Tower Co für Investoren zu öffnen oder an die Börse zu bringen, denn dies würde den unternehmerischen Durchgriff behindern. Die Telekom verfügt über das größte Tower-Portfolio in Europa. Der Wert wird in einer Spanne zwischen 10 und 13 Mrd. Euro angesetzt. Um Mittel zur Schuldensenkung freizusetzen, die nach dem Closing der US-Transaktion für die Telekom nötig wird, setzt das Management jedoch offenbar als Erstes auf einen Verkauf von T-Mobile NL, die auf 4 Mrd. Euro taxiert wird. Tower-Assets gelten derzeit als besonders attraktiv, denn die Gesellschaften verfügen nicht nur über stetige Mieteinnahmen der Nutzer, sondern auch über erhebliches Wachstumspotenzial im Zuge der Verdichtung von Standorten, die durch 5G notwendig wird. Die Margen sind zudem üppig.