Aroundtown verschiebt den Ausblick
Aroundtown verschiebt den Ausblick
Der Gewerbeimmobilienkonzern Aroundtown gibt vorerst keine Prognose für 2020, weil Dauer und Auswirkungen der Coronakrise nicht abzusehen seien. Im Hotelsegment, das 24 % des Portfolios ausmacht, drohen im Falle eines längeren Shutdowns Einnahmeverluste. Die anderen Segmente seien stabil.hek Frankfurt – Der Gewerbeimmobilienkonzern Aroundtown verschiebt aufgrund der Corona-Pandemie den Ausblick für das laufende Jahr. Das in Luxemburg ansässige Unternehmen kündigt an, seine 2020er Ziele erst zu veröffentlichen, wenn mehr Klarheit über Dauer und Auswirkungen der Krise besteht. Spätestens mit der Berichterstattung über das erste Quartal Ende Mai solle eine Guidance für 2020 vorgelegt werden, deutet der stellvertretende CEO Andrew Wallis an.Statt einer Prognose veröffentlicht das Management jetzt eine Momentaufnahme, die den Februar-Status auf das Gesamtjahr hochrechnet. Diese Angabe soll den Investoren Anhaltspunkte zur Ausgangslage vor Ausbruch der Pandemie geben. Demnach ergäben sich Nettomieteinnahmen von 1,05 Mrd. Euro im laufenden Jahr, geht aus der Präsentation hervor. Der operative Gewinn (Funds from Operations) würde 625 Mill. Euro erreichen, ein Anstieg um 24 % gegenüber 2019. Die Fusion mit dem kleineren Konkurrenten TLG, die am 19. Februar abgeschlossen wurde, ist in der Kalkulation enthalten, während weitere Akquisitionen oder Kosteneinsparungen außen vor bleiben.Die meisten Hotels seien geschlossen, berichtet Wallis. Das gelte auch für die Center-Parcs-Ferienanlagen, die im Sommer 2019 für 900 Mill. Euro erworben wurden und die vor Ausbruch der Coronakrise gut besucht gewesen seien. Der Bürobereich (Portfolioanteil 47 %) und die anderen Segmente seien weiter stabil. Wallis erwartet eine schnelle Erholung des Hotelgeschäfts, wenn die coronabedingten Beschränkungen aufgehoben werden. “Wichtig ist: Wie kommen die April-Mieten rein?” Dann wisse man mehr. Mit Hotelbetreibern gebe es Gespräche über eine Verschiebung von Pachtzahlungen, nicht aber über einen Verzicht.Unter Hinweis auf seine widerstandsfähige Kapitalstruktur und das in Bezug auf Assetklassen, Mieter und Standorte diversifizierte Portfolio sieht sich der Konzern gut vorbereitet, um die Corona-Stresssituation zu managen. Liquidität sei wichtiger denn je. Aroundtown verfüge momentan über ein Cashpolster von 2,8 Mrd. Euro. “Wir sehen die Krise auch als große Chance”, sagt Wallis. Sie könne für den Ankauf von Büros und Hotels genutzt werden.Die Notierungen der Anleihen – Aroundtown finanziert sich stark über den Kapitalmarkt – sind zuletzt deutlich gefallen. Damit steigen die Zinsen, aber man müsse die Kirche im Dorf lassen, meint Wallis: “Selbst wenn man am Ende zweieinhalb Prozent zahlen muss, ist das im langfristigen Vergleich immer noch wenig.” Derzeit seien es im Durchschnitt 1,6 %. Ohnehin stehe momentan keine Anleiheemission an. Zudem könne man stärker Bankkredite einsetzen. Aroundtown verfüge über mehr als 16 Mrd. Euro unbelastete Assets, die dafür herangezogen werden könnten. Fixe PachtratenDas Hotelportfolio umfasst 177 Objekte, darunter das Hilton am Gendarmenmarkt und das Bristol am Kurfürstendamm in Berlin, das Interconti in Frankfurt, das Hilton am Hyde Park in London und das Marriott Conference Hotel in Paris. Auf keinen Pächter entfielen mehr als 5 % der Mieteinnahmen der Gruppe. Die regionale Verteilung der Hotels zeigt gewisse Schwerpunkte bei Berlin mit 19 % des Portfolios und London mit 8 % (siehe Grafik). Die Leasingverträge sähen fixe Raten vor ohne Abhängigkeit von den operativen Ergebnissen des Hotels, erläutert Aroundtown. Sie seien durch Garantien von Banken oder Muttergesellschaften oder Verpfändung von Bankkonten abgesichert. 84 % der Hotels seien im Vier-Sterne-Sektor angesiedelt. Die durchschnittliche Vertragslaufzeit in dem Segment wird mit 14,8 Jahren angegeben.Im vergangenen Jahr kletterten die Nettomieteinnahmen im Vergleich zu 2018 vor allem dank Zukäufen um 21 % auf 766 Mill. Euro. Auf vergleichbarer Basis stiegen die Mieten um 4,2 %. Davon entfallen 3,6 Prozentpunkte auf Mietanhebungen und 0,6 Punkte auf eine höhere Belegung. Die Funds from Operations, die wichtigste Ertragskennzahl der Branche, legten um 24 % auf 503 Mill. Euro zu. Der Nettovermögenswert je Aktie stieg um 13 % auf 8,70 Euro. Dem steht ein Aktienkurs von 4,70 Euro gegenüber. Das Immobilienvermögen wurde von 14,2 Mrd. Euro auf 18,1 Mrd. Euro Ende 2019 ausgebaut. Einschließlich TLG waren es 23 Mrd. Euro.Der Dividendenvorschlag beläuft sich auf 28 Cent je Aktie, eine Anhebung um ein Zehntel. Nach heutigem Stand wolle man daran festhalten, sagt Wallis. Dies sei aber davon abhängig, wie es bis Juni aussehe. Der Beschluss steht auf der Hauptversammlung am 24. Juni an.