Asklepios bringt eigenen Börsengang ins Spiel
Asklepios bringt eigenen Börsengang ins Spiel
Von Sabine Wadewitz, FrankfurtAsklepios hat mit dem Angebot zur Übernahme des Wettbewerbers Rhön-Klinikum Überlegungen für ein eigenes IPO offengelegt. Der private Krankenhausbetreiber bietet Rhön-Aufsichtsratschef Eugen Münch eine Put-Option, falls es während der Laufzeit des gemeinsam gehaltenen Joint Ventures zu einem Börsengang kommen könnte. Dies geht aus der Angebotsunterlage hervor. Münch, der seine Rhön-Aktien mit denen von Asklepios in einem Gemeinschaftsunternehmen bündelt, hätte dann die Option, seine Rhön-Titel in Asklepios-Aktien umzuwandeln. Falls Asklepios Rhön an einen Dritten veräußern will, kann sie eine Call-Option ziehen und Münch herauskaufen. Die Kündigung des Joint Ventures ist frühestens Ende 2022 möglich.Firmengründer Münch hat zugesagt, einen Teil seiner Rhön-Aktien an Asklepios zu veräußern, weitere Anteile bringt er in das Joint Venture mit dem Wettbewerber ein, der seine Pakete beisteuert. An dem Gemeinschaftsunternehmen wird Asklepios 84,4 % halten, bei Münch liegen 15,6 %. Der Vollzug steht noch unter dem Vorbehalt einer kartellrechtlichen Genehmigung. Lange MännerfeindschaftAsklepios war unter Regie des Gründers und Alleingesellschafters Bernard große Broermann 2012 bei Rhön eingestiegen, um einen von Münch eingeleiteten Verkauf des Unternehmens an den Rivalen Fresenius zu verhindern. Mit gleicher Motivation hatte sich der Medizintechnikkonzern B.Braun Melsungen eingekauft. In einem gesellschaftsrechtlichen Schachzug war der Deal mit Fresenius dann gerettet worden, indem Rhön den Großteil seiner Kliniken ohne den Firmenmantel veräußerte. Damit blieb der ehemalige MDax-Wert als börsennotiertes Unternehmen mit nur noch fünf Standorten übrig, darunter allerdings Gießen-Marburg als bislang einzige privatisierte Uniklinik.Münch hat seinen Erzfeind Broermann in allen Jahren entschieden auf Distanz gehalten und verhindert, dass Vertreter von Asklepios in den Aufsichtsrat einziehen – obwohl deren Beteiligung auf über 25 % ausgebaut wurde. Dem Oberhaupt der Eigentümerfamilie von B.Braun, Ludwig Georg Braun, bot Münch dagegen einen Platz an. Nach Erreichen der Altersgrenze ist Braun aus dem Aufsichtsrat ausgeschieden, für B.Braun ist aktuell Finanzchefin Annette Beller in dem Gremium.Angesichts der erbitterten Feindschaft zwischen Münch und Broermann sorgte es für Überraschung, dass sich beide plötzlich zusammenschließen und Asklepios mit Unterstützung von Münch ein Übernahmeangebot in Aussicht stellte. Angekündigt wurde der Coup am 28. Februar, einen Tag nach dem 75. Geburtstag von Münch. Da der Firmengründer nun die Altersgrenze erreicht hat, kann er sich bei der Neuwahl des Aufsichtsrats im Juni nicht mehr aufstellen lassen, und es liegt nahe, dass er durch die neue “Männerfreundschaft” seinen Einfluss sichern möchte. Aus den Angebotsunterlagen geht hervor, dass er “zum frühestmöglichen Zeitpunkt nach Wirksamwerden der Joint-Venture-Vereinbarung zum Generalbevollmächtigten der Rhön-Klinikum AG ernannt wird”.Für Broermann zahlt sich der Schulterschluss aus, er kann mit dem Gebot von 18 Euro je Rhön-Aktie vergleichsweise günstig aufstocken. B.Braun jedenfalls hat im jüngsten Jahresabschluss gut 90 Mill. Euro auf das Rhön-Paket von gut 25 % wertberichtigt.Die Annahmefrist für das freiwillige öffentliche Übernahmeangebot läuft bis 6. Mai und ist an keine Mindestannahmeschwelle geknüpft. Vollzugsbedingung ist die kartellrechtliche Billigung. Für die Finanzierung hat Asklepios von BNP Paribas eine Kreditzusage über bis zu 875 Mill. Euro erhalten. Asklepios hat sich vor Beginn der Annahmefrist 50,07 % an Rhön gesichert. Wenn alle außenstehenden Aktionäre ihre Anteile andienen, müsste der Bieter 860 Mill. Euro auf den Tisch legen; dazu kommen Transaktionskosten von 15 Mill. Euro. Der nun ins Abseits gestellte Großaktionär B.Braun hat sich noch nicht dazu geäußert, ob er an Asklepios verkaufen wird. Er könnte gute Gründe haben, erstmal eine Sperrminorität zu behalten.