Atlantia gliedert Autostrade aus
Atlantia gliedert Autostrade aus
bl Mailand – Der Verwaltungsrat des zu 30 % von der Familie Benetton kontrollierten Infrastrukturkonzerns Atlantia hat der Ausgliederung der Tochter Autostrade per l’Italia (Aspi) zugestimmt. Im Rahmen einer Kapitalerhöhung soll die mehrheitlich staatliche Förderbank Cassa Depositi e Prestiti (CDP), die in diesen Tagen auch bei vielen anderen Unternehmen einsteigt, eine Beteiligung an dem Autobahnbetreiber übernehmen, deren Höhe noch nicht feststeht. Auch sonst sind noch viele Details der Transaktion offen.Teile der Regierung in Rom hatten seit dem Einsturz der Autobahnbrücke von Genua im August 2018 auf den Entzug der Aspi-Konzession für ein 3 000 Kilometer langes Autobahnnetz gedrungen. Sie geben Aspi bzw. Atlantia erhebliche Mitverantwortung für den Brückeneinsturz, obwohl die Schuldfrage juristisch noch nicht festgestellt worden ist. Nach zwei Jahren heftiger Diskussionen hatte Atlantia Mitte Juli auf Druck Roms bekannt gegeben, bei Aspi mehr oder weniger “freiwillig” aussteigen zu wollen.Vermutlich will Atlantia zunächst einen 70-prozentigen Anteil an Aspi in die neu zu gründende Gesellschaft Autostrade Concessioni e Costruzioni S.p.A. einbringen, später vielleicht auch die restlichen 18 %. Aspi-Anteilseigner wie Silk Road (Singapur) und Allianz würde ihre Beteiligung von 12 % behalten. Das neue Vehikel könnte in einem zweiten Schritt an die Börse gebracht werden, wobei die CDP und andere institutionelle Investoren zusammen vermutlich die Mehrheit behielten.Offen ist die Bewertung von Aspi. In Atlantia-Kreisen wird der Wert der eigenen Beteiligung von 88 % offenbar auf um die 8 Mrd. Euro taxiert – vor der Kapitalerhöhung, die bis zu 6 Mrd. Euro in die Kassen spülen soll. Aspi muss in den nächsten Jahren 14,5 Mrd. Euro investieren und weitere 7 Mrd. Euro für Instandhaltungsmaßnahmen aufbringen. Dazu kommen 3,4 Mrd. Euro an Verpflichtungen im Zusammenhang mit dem Einsturz der Autobahnbrücke. Es gibt weitere offene Fragen wie die Einbeziehung der Verschuldung von Aspi oder die Haftung für Schäden, deren Ursache in der Vergangenheit liegt.Die CDP entwickelt sich immer mehr zu einer großen staatlichen Industrieholding. Sie hält Beteiligungen etwa am Energiekonzern Eni, an der Post, an Telecom Italia (TIM) und dem Werftenkonzern Fincantieri und wurde nun im Rahmen eines großen Pakets zur Wirtschaftsförderung mit weiteren 44 Mrd. Euro zum Erwerb von Beteiligungen ausgestattet.Sie will nun etwa im Bündnis mit Euronext die zum Verkauf stehende Borsa Italiana übernehmen und bei der Bildung eines monopolistischen Einheitsnetzes für Telefon und schnelles Internet eine gewichtige Rolle spielen. Geplant ist, das Festnetz von TIM und Open Fiber zusammenzulegen, wobei Investoren wie KKR und Macquarie dabei sein sollen.