Auch Ctrip sondiert Going-Private-Deal

Chinas Internetkonzerne flüchten von der Nasdaq

Auch Ctrip sondiert Going-Private-Deal

nh Schanghai – Chinas führender Reiseportalbetreiber Ctrip befindet sich dem Vernehmen nach in Verhandlungen mit Finanzinvestoren um ein mögliches Going Private und damit einen Abgang von der US-Technologiebörse Nasdaq. In den letzten Wochen haben eine ganze Reihe von chinesischen Internetkonzernen entsprechende Transaktionen eingefädelt. Dazu gehören der führende chinesische Anbieter von Online-Inseraten, 58.com, die Social-Media-Plattform Sina und der Suchmaschinenbetreiber Sogou, die allesamt an der Nasdaq gelistet waren oder noch sind (vgl. BZ vom 29. Juli). Corona schmerztCtrip, die gegenwärtig auf eine Marktkapitalisierung von rund 16,5 Mrd. Dollar kommt, steht nach Informationen von Reuters im Kontakt zu einer Reihe von möglichen strategischen Investoren. Die mit Abstand führende Adresse für Flug- und Hotelbuchungen in China leidet gegenwärtig unter den Beeinträchtigungen des Tourismussektors durch die Corona-Epidemie. Für das zweite Quartal rechnet Ctrip mit einem Rückgang der Erlöse in einer Größenordnung von 67 bis 77 %. Im bisherigen Jahresverlauf hat die Ctrip-Aktie rund 17 % eingebüßt.Die Bestrebungen für einen Abgang von in den vergangene seitens chinesischer Technologieunternehmen reichlich frequentierten Nasdaq sind zum einen die Folge der immer weiter eskalierenden Spannungen zwischen China und den USA, die zu wachsenden Vorbehalten gegenüber chinesischen Unternehmen mit US-Kapitalmarktauftritt führen. Zusätzlicher Konfliktstoff ist daraus entstanden, dass es bei einigen Börsenneulingen aus dem Reich der Mitte, darunter insbesondere dem Kaffeehauskettenbetreiber Luckin Coffee, zu schweren Bilanzfälschungsskandalen kam.Es gibt aber auch noch andere Beweggründe, die chinesische Tech-Firmen mit einem Delisting in den USA und der Aussicht auf einen neuerlichen Börsengang in China liebäugeln lassen. So finden chinesische Tech-Firmen, die jahrelang für größere Kapitalaufnahmen mehr oder weniger auf die Wall Street angewiesen waren, nach einer Reihe von Listing-Reformen an den Börsen in Hongkong, Schanghai und Shenzhen mittlerweile wesentlich verbesserte Möglichkeiten für ein Initial Public Offering (IPO) auf heimischen Finanzplätzen vor. Da sich chinesische Anleger gegenwärtig förmlich um Emissionen von heimischen Tech-Firmen reißen, können die Nasdaq-Abwanderer darauf hoffen, mit einem neuen IPO zu attraktiveren Bewertungsverhältnissen auf einer chinesischen Börse neu zu landen.