Aufsicht nimmt sich nach Carillion-Pleite KPMG vor
Aufsicht nimmt sich nach Carillion-Pleite KPMG vor
hip London – Der Financial Reporting Council (FRC) wird die Prüfung der Jahresabschlüsse von Carillion durch KPMG unter die Lupe nehmen. Wie das unabhängige Aufsichtsgremium der britischen Wirtschaftsprüfer und Aktuare mitteilte, geht es um die Jahre 2014, 2015, 2016 und die für das vergangene Jahr bereits geleistete Tätigkeit der Wirtschaftsprüfer für die Nummer 2 der britischen Baubranche. Das Unternehmen, das noch im Sommer einen Börsenwert von fast 1 Mrd. Pfund hatte, kollabierte Mitte Januar unter seiner Schuldenlast von 1,5 Mrd. Pfund. Es betrieb unter anderem fast 900 Schulen, hielt Gefängnisse instand und war der zweitgrößte Auftragsnehmer für die Wartung des Schienennetzes von Network Rail. Der FRC will bei seinen Ermittlungen eng mit der Financial Conduct Authority, der für Pensionskassen zuständigen Aufsicht und anderen Behörden zusammenarbeiten, um bei der Untersuchung aller Fragen, die sich aus dem Unternehmenszusammenbruch ergeben, eine gemeinsame Herangehensweise sicherzustellen. Zu den Themen, denen sich der FRC widmen will, gehören der Einsatz des Going-Concern-Prinzips, die Umsatzrealisierung bei Großaufträgen und die Bilanzierung der Verbindlichkeiten gegenüber der Pensionskasse.”Wir glauben, dass wir unserer Rolle als Wirtschaftsprüfer von Carillion in angemessener und verantwortlicher Weise nachgekommen sind”, hieß es von KPMG. Man halte es für wichtig, dass sich die Aufseher im öffentlichen Interesse die Tätigkeit von Wirtschaftsprüfern in solchen Fällen ansehen. Im September hatte der FRC seine Untersuchung der Tätigkeit von KPMG für Halifax Bank of Scotland (HBOS) mit dem Verdikt abgeschlossen, dass sie die Standards, die man vernünftigerweise von einer solchen Prüfung erwarten könne, “nicht wesentlich” unterschritten habe (vgl. BZ vom 22.9.2017).