GEA

Aus dem Takt geraten

Es sollte ein Befreiungsschlag werden, doch der ist misslungen. Auf dem Kapitalmarkttag in London wollte Gea einen Schlussstrich unter die schwache Performance der vergangenen 18 Monate ziehen und mit neuen Mittelfristzielen für Aufbruchstimmung...

Aus dem Takt geraten

Es sollte ein Befreiungsschlag werden, doch der ist misslungen. Auf dem Kapitalmarkttag in London wollte Gea einen Schlussstrich unter die schwache Performance der vergangenen 18 Monate ziehen und mit neuen Mittelfristzielen für Aufbruchstimmung sorgen. Doch davon war wenig zu spüren. Der Aktienkurs des Maschinenbauers sackte am Nachmittag immer tiefer in den Keller, das Minus betrug letztlich 5,2 %.Der lange Zeit so solide agierende MDax-Konzern ist aus dem Takt geraten. In der jüngsten Zeit haben sich an so vielen Ecken Baustellen aufgetan, dass der Einstieg eines aktivistischen Aktionärs wie des Hedgefonds Elliott nicht verwundert. Um es richtig einzuordnen: Gea ist weit entfernt von existenziellen Schwierigkeiten, doch die vielen kleinen Probleme, die in der Summe zu mehreren Zielkorrekturen geführt haben, irritieren.Der Gea-Vorstand hat viel von der eigenen Selbstsicherheit eingebüßt, die vor allem das eingespielte Führungsduo aus Konzernchef Jürg Oleas und Finanzvorstand Helmut Schmale lange Jahre ausgezeichnet hat. Dieser Selbstsicherheit lag eine klare langfristige Strategie zugrunde: Der Gemischtwarenladen aus den Resten der skandalbehafteten Metallgesellschaft wurde Schritt für Schritt umgebaut in einen reinrassigen und stark fokussierten Maschinenbauer. Die weltweite Lebensmittelindustrie bietet einen relativ wenig konjunktursensiblen Absatzmarkt – angesichts des wachsenden Anteils verarbeiteter Nahrungsmittel soll langfristig für wachsende Nachfrage nach Gea-Maschinen gesorgt sein. Das gilt auch weiterhin, ist jedoch nichts Neues. Doch wie Gea konkret in den kommenden Jahren die Märkte bearbeiten will, welche Absatzmärkte oder Regionen als besonders aussichtsreich erscheinen und welche Lücken durch Akquisitionen noch geschlossen werden sollen, dazu gab es am Montag beim Kapitalmarkttag erstaunlich wenig Informationen. Gea hat es nicht geschafft, der eigenen Börsenstory neue Fantasie einzuhauchen. Die präsentierten Pläne kommen defensiv und wenig kreativ daher. Gea bleibt nach drei Jahren des tiefgreifenden Konzernumbaus weiter mit sich selbst beschäftigt. Die Finanzziele bis 2022 scheinen wenig ambitioniert. Ein durchschnittliches Umsatzplus zwischen 3,5 bis 4,5 % pro Jahr dürfte sich allein durch Akquisitionen realisieren lassen. Der avisierte Margenkorridor ist mit 13,5 bis 15,5 % so breit, dass er fast schon beliebig wirkt. Der Vorstand scheint derzeit vor allem eins zu wollen: wenig Angriffsfläche bieten.