Aussichten für Airlines trüben sich weiter ein
Aussichten für Airlines trüben sich weiter ein
wü Paris – Die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie dürften Fluggesellschaften noch stärker treffen als bisher angenommen. Der Branchenverband Iata (International Air Transport Association) rechnet inzwischen für das weltweite Passagiergeschäft mit einem Umsatzverlust von 314 Mrd. Dollar. Das entspräche einem Einbruch von 55 % im Vergleich zu 2019. Ende März war Iata-Chefökonom Brian Pearce noch von einem Umsatzverlust von 252 Mrd. Dollar ausgegangen. Der Passagierverkehr sei jedoch wegen der zahlreichen Reisebeschränkungen stärker als erwartet eingebrochen, erklärte er gestern in einer Telefonkonferenz. Gleichzeitig seien Ökonomen mittlerweile pessimistischer.Pearce geht bei seinen neuen Prognosen davon aus, dass die Reisebeschränkungen drei Monate lang in Kraft bleiben und dass sie dann zunächst wieder für Binnenmärkte gelockert werden. Für internationale Flugverbindungen dagegen dürften sie wesentlich langsamer aufgehoben werden. Die Erholung dürfte nicht wie bei früheren Krisen V-, sondern U-förmig verlaufen, meint deshalb Iata-Chef Alexandre de Juniac. Europa trifft es am härtestenDie Auswirkungen der Pandemie dürften die Nachfrage in Europa am stärksten treffen. So dürften die verkauften Sitzplatzkilometer in diesem Jahr in Europa um 55 % einbrechen, in Afrika und dem Mittleren Osten um je 51 %, in der Asien-Pazifik-Region um 50 %, in Südamerika um 49 % und in Nordamerika um 36 %. Gleichzeitig dürften die Umsätze von Airlines aus der Asien-Pazifik-Region 113 Mrd. Dollar niedriger ausfallen als 2019, die von Fluggesellschaften aus Europa um 89 Mrd. Dollar. Für nordamerikanische Airlines erwartet der Branchenverband inzwischen einen Umsatzverlust von 64 Mrd. Dollar, für den Mittleren Osten von 24 Mrd. Dollar und für Lateinamerika von 18 Mrd. Dollar. Condor-Kauf abgeblasen”Die Aussichten für die Industrie werden jeden Tag dunkler”, erklärte Iata-Chef de Juniac. Das bekam nun auch Condor zu spüren, denn die Holding Polska Grupa Lotnicza (PGL) sagte die im Januar vereinbarte Übernahme der angeschlagenen deutschen Fluggesellschaft am Ostermontag ohne Angaben von Gründen ab. Dies hatte sich bereits abgezeichnet, da die nun ebenfalls durch die Coronavirus-Krise geschwächte LOT-Mutter selber auf Staatshilfen angewiesen sein dürfte.Nun drängen die Pilotenvereinigung Cockpit und die Flugbegleiter Gewerkschaft Ufo auf staatliche Hilfen für den deutschen Ferienflieger, der nach der Pleite von seiner früheren Mutter Thomas Cook im Rahmen eines Schutzschirmverfahrens saniert wurde. Ein Überbrückungskredit der staatlichen Förderbank KfW in Höhe von 380 Mill. Euro, der jetzt eigentlich fällig wäre, soll dem Vernehmen nach bereits um ein paar Tage verlängert worden sein. Die Fluggesellschaft mit 4 900 Beschäftigten und mehr als 50 Flugzeugen verhandelt nun mit der Bundesregierung über eine Lösung. Eine Verstaatlichung hält Condor selber jedoch für unwahrscheinlich. Keine VerstaatlichungEine Verstaatlichung lehnt auch Air-France-KLM-Chef Benjamin Smith ab. Die französisch-niederländische Airline verhandele mit Frankreich und den Niederlanden über staatlich garantierte Kredite in Höhe von 10 Mrd. Euro, berichtet die Wirtschaftszeitung “La Tribune”. Dafür seien 8 Mrd. Euro für Air France bestimmt, 2 Mrd. für KLM.Air-France-KLM-CEO Smith soll in einer Videokonferenz mit Piloten gesagt haben, er gehe davon aus, dass der Flugverkehr frühestens in zwei Jahren wieder das Niveau von 2019 erreichen wird.Derweil wurde Norwegian Air an der Börse abgestraft, da Investoren ein Scheitern des Rettungsplans für die bereits vor der Coronavirus-Krise finanziell angeschlagene Fluggesellschaft fürchten. Am anderen Ende der Welt hat die zweitgrößte australische Airline Virgin Australia den Staat um Hilfe gebeten. Ihre Aktie wurde gestern vom Handel ausgesetzt. Zu den Aktionären von Virgin Australia gehören Etihad, Singapore Airlines, die chinesischen Gruppen HNA und Nanshan sowie Virgin.