Autovermieter stecken in der Bredouille

Europcar buhlt um Staatsgarantien für neue Kreditlinien, Sixt hält sich bei diesem heiklen Thema bedeckt

Autovermieter stecken in der Bredouille

Von Stefan Kroneck, MünchenWie die Luftfahrtbranche und die Tourismusindustrie trifft die Coronakrise auch die Autovermieter hart. Die beiden großen börsennotierten Anbieter Sixt und Europcar kappten ihre Jahresprognosen, strichen die geplanten Dividenden zusammen und fahren derzeit einen radikalen Sparkurs, um ihr Geld zusammenzuhalten: Sie legen Investitionen auf Eis und reduzieren deutlich ihren aufwendigen Vermietfuhrpark. Beide Häuser hoffen, mit diesem Bündel von Maßnahmen den Geschäftsstillstand finanziell zu überbrücken, bis die Behörden die verhängten Ausgangs- und Kontaktsperren für die Bevölkerung infolge der Pandemie vollständig aufheben.Die beiden Rivalen, die seit Jahren einen Kampf um die Branchenführerschaft in Europa austragen, stecken in der Bredouille, sind doch ihre Aktivitäten eng mit denen der Fluggesellschaften und der Touristikbranche verknüpft. Aufgrund der derzeit fehlenden Nachfrage bricht die Grundlage ihrer Geschäftsmodelle weg. Sollten die staatlich verordneten Einschränkungen in den wichtigsten Industrieländern der Welt andauern, könnte es für Europcar und Sixt eng werden. Daher gilt für sie – wie in anderen Industriezweigen und Dienstleistungsbranchen – der Überlebensgrundsatz: Cash is king. Liquiditätssicherung ist das A und O, um die tiefe Rezession zu überstehen. Eigenkapitalpuffer differierenDabei sind die von vielen Staaten geschnürten Rettungs- und Stützungspakete für die Wirtschaft ein Mittel, um über die Runden zu kommen. Europcar will dieses Angebot in Anspruch nehmen. Der mit einem Jahresumsatz von 3 Mrd. Euro (2019) fast gleich große Sixt-Wettbewerber aus Paris buhlt derzeit um Staatshilfen in Form von Garantien der öffentlichen Hand für zusätzliche Überbrückungskredite seiner Gläubigerbanken, während sich das SDax-Mitglied aus Bayern zu diesem Thema bedeckt hält.Nach Informationen von “Le Monde” geht es bei Europcar um eine Summe von 220 Mill. Euro. Insgesamt seien 16 Kreditinstitute an den Verhandlungen beteiligt. Der französische Staat habe sich eingeschaltet. Auch der größte Einzelaktionär, der Finanzinvestor Eurazeo (mit 29,9 % beteiligt), soll sich an der Stützungsaktion beteiligen. Europcar selbst berichtete, mit den Hausbanken zu “diskutieren” mit dem Ziel, weitere Kreditlinien zu erhalten mit Garantien der staatlichen französischen Investitionsbank. Nach eigenen Angaben verfügte Europcar Ende 2019 über Darlehenslinien von 1 Mrd. Euro. Diese dienten dazu, Liquiditätsengpässe zu vermeiden.Im Gegensatz dazu scheint Sixt dieses heikle Thema zu scheuen. Auf Nachfrage der Börsen-Zeitung wollte eine Unternehmenssprecherin keine Auskunft darüber erteilen, ob der Vorstand plant, Kredite mit Garantien der Staatsbank KfW aufzunehmen oder darauf zu verzichten. “Aus Gründen der Vertraulichkeit” würde Sixt “hierzu keine weiterführenden Angaben machen können”, hieß es.Möglicherweise will Sixt ohne Staatshilfen auskommen: Gäbe es dazu Pläne oder gar Verhandlungen, wäre Sixt verpflichtet, das zu publizieren. Neben Kreditlinien von Banken beschaffte sich das Unternehmen zusammen über 700 Mill. Euro auf dem Kapitalmarkt durch die Emission von Schuldscheindarlehen. Dieses Jahr wird eine Anleihe von 250 Mill. Euro zur Rückzahlung fällig. Mit ihrem Brutto-Liquiditätspolster und einer Eigenkapitalquote von über 25 % ist Sixt besser gewappnet als Europcar, die in Bezug auf ihre Eigenkapitalausstattung mit 10 % bedenklich knapp aufgestellt ist.