Bahn muss Fahrplan für Arriva erneut verschieben

Verkauf von Güterwaggons steht auf Abstellgleis

Bahn muss Fahrplan für Arriva erneut verschieben

sp Berlin – Die Deutsche Bahn muss den Fahrplan für den geplanten Verkauf oder Börsengang der Tochter Arriva offenbar schon wieder verschieben. Im ersten Halbjahr könne kein Börsengang mehr gestartet werden, hieß es nach einer Aufsichtsratssitzung des Konzerns am Mittwochabend aus dem Umfeld des Gremiums. Bahnchef Richard Lutz, der erst Anfang Dezember einen Börsengang im Frühjahr in Aussicht gestellt hatte (vgl. BZ vom 5.12.2019), habe einräumen müssen, dass sich die Abläufe verzögerten, berichtete Reuters unter Berufung auf Aufsichtsrats- und Konzernkreise. “Es wird voraussichtlich auch bis Jahresende schwierig”, sagte ein Konzernvertreter der Nachrichtenagentur.Zunächst aufgeschoben wurde in der Sitzung des Aufsichtsrates nach Informationen von Reuters auch ein weiteres vom Vorstand beworbenes Projekt zur finanziellen Stabilisierung des Staatskonzerns. So hatte kurz vor Weihnachten die Nachricht für Aufsehen gesorgt, dass die Bahn den Verkauf von Lokomotiven und Waggons der seit Jahren kriselnden Frachtsparte DB Cargo erwäge, um Sonderabschreibungen in Milliardenhöhe aus dem Weg zu gehen (vgl. BZ vom 20.12.2019). Regierungsvertreter im Aufsichtsrat und auch Arbeitnehmervertreter hätten sich am Mittwoch aber eher skeptisch zu dem Vorhaben geäußert, berichtet Reuters. Die Bundesvertreter hätten deutlich gemacht, dass die Bahn im Rahmen des Klimapakets milliardenschwere Unterstützung – unter anderem über eine Kapitalspritze von 6 Mrd. Euro – erhalten habe. Der Vorstand müsse jetzt erstmal ohne weitere Verkäufe von Tafelsilber liefern, hieß es aus Aufsichtsratskreisen.Die Bahn, bei der die langjährige Chefin der Berliner Verkehrsgesellschaft, Sigrid Nikutta, seit dem Jahreswechsel die Frachtsparte verantwortet, hatte laut internen Papieren darüber nachgedacht, 2022 in einem ersten Schritt bis zu 150 Loks und 5 000 Güterwaggons in eine sogenannte Asset-Gesellschaft auszulagern, an der sich neben der Bahn weitere Investoren beteiligen sollten. Die Bahn hätte dann Fahrzeuge der Gesellschaft zurückgemietet. Die Loks und Waggons hätten aber auch anderen Bahnen zur Verfügung gestanden. Insgesamt verfügte die Güterbahn DB Cargo zuletzt über 65 000 Waggons und knapp 2 000 Lokomotiven. Neue Anleihe angekündigtDer Verkauf von Arriva zieht sich schon länger hin. Zum ersten Mal hatte die Bahn einen Teilverkauf der 2010 erworbenen Tochter vor etwas mehr als drei Jahren aufs Gleis gesetzt. Der damalige Bahn-Chef Rüdiger Grube hoffte wie sein damaliger Finanzchef Richard Lutz darauf, dass eine Transaktion dem hoch verschuldeten Konzern Milliarden in die Kassen spülen würde. Im vergangenen Jahr scheiterte Bahn-CFO Alexander Doll mit einem Verkauf und musste den Hut nehmen. Bahn-Chef Lutz hat für den Fall, dass es in diesem Jahr auch nicht vorangeht, bereits vorgesorgt. Neben dem IPO von Arriva hat der Bahnchef im Dezember für 2020 eine Anleihe über bis zu 3 Mrd. Euro angekündigt.