Banken bleiben auf AMS-Aktien sitzen

Nur 70 Prozent der Kapitalerhöhung platziert

Banken bleiben auf AMS-Aktien sitzen

jh München – Die Kapitalerhöhung von AMS könnte für die begleitenden Banken teuer werden. In der Bezugsrechtsemission brachte der österreichische Chip- und Sensorenhersteller nur 70 % der neuen Aktien im Markt unter, wie AMS am Mittwoch mitteilte. Während der Bezugsfrist war ein Anteil von 62 % angenommen worden (vgl. BZ vom 1. April). Im Nachgang fanden die Banken am Dienstagabend zusätzlich für 8 % Investoren. Das sei nicht ganz einfach gewesen, heißt es in der Finanzbranche. Auf den restlichen 30 % bleiben die Banken vorerst sitzen, denn sie garantierten AMS die Kapitalerhöhung. Mit den brutto eingenommenen 1,65 Mrd. Euro will das Unternehmen einen Teil der Übernahme von Osram refinanzieren.Für die Banken wird es schwer, diese Aktien in nächster Zeit ohne Verluste zu verkaufen. Der für rund 500 Mill. Euro erworbene Anteil entspricht 21 % des gesamten Grundkapitals von AMS. Am höchsten beteiligt sind die UBS mit 7,7 % und HSBC mit 7,2 %. Unter den übrigen sechs Banken sind die Commerzbank und die Deutsche Bank. Am Mittwoch fiel der Aktienkurs des an der Schweizer Börse notierten Unternehmens um mehr als 9 % auf 8,67 sfr. Er entfernte sich damit klar vom Bezugspreis von 9,20 sfr.Schon während der Bezugsfrist lag der Kurs zeitweise unter diesem Wert. Zum Ende hin hielt er sich stabil darüber. In der Bankenbranche wird die Vermutung bestritten, sie selbst hätten Stützungskäufe getätigt. “Das wäre Kursmanipulation und ist undenkbar”, sagte ein an der Emission Beteiligter. Er vermutet, dass manche größere Aktionäre von AMS Anteile gekauft hätten, um einen Erfolg der Kapitalerhöhung sicherzustellen. Mit den neuen Aktien hätten sich sowohl bisherige Aktionäre als auch Hedgefonds im größeren Stil eingedeckt.Zur Ausübungsquote von nur 62 % der Bezugsrechte hieß es, einen so tiefen Wert habe es in den vergangenen 20 Jahren nicht gegeben. Das zeige, wie sich mit der Coronakrise der Markt massiv verändert habe. Fonds folgten nicht mehr jeder Kapitalerhöhung. Das habe auch das Beispiel des dänischen Pharmazieunternehmens Bavarian Nordic verdeutlicht. Bis vor wenigen Wochen seien Kapitalerhöhungen wie die von AMS für die Finanzierung von Akquisitionen gut im Markt aufgenommen worden, weil damit Wachstumschancen verbunden gewesen seien. Zweifel an VertragDie Coronakrise stellt auch die Bedingungen für AMS auf den Kopf. Osram zog vor kurzem die Jahresprognose zurück. Wegen der Pandemie steht die Chipfertigung in Regensburg still, in Malaysia ist sie nur in kleinem Umfang möglich. Der Aktienkurs von Osram stürzte am Mittwoch in der Spitze um mehr als 11 % auf 28,85 Euro ab. Es gibt weiterhin Zweifel, dass AMS bis Mitte August einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag mit Osram abschließt. Die verbliebenen Aktionäre bekämen dann eine Abfindung von 42,20 Euro je Aktie.