BASF demonstriert Widerstandskraft
BASF demonstriert Widerstandskraft
Nach einem Jahr des Umbaus sollen sich die neue Organisation und das Effizienzprogramm in der Ertragskraft des Chemieunternehmens BASF niederschlagen. Die konjunkturelle Schwäche und die Effekte aus dem Coronavirus lassen 2020 jedoch eine Ergebnisstagnation erwarten. Der Umsatz soll steigen.swa Frankfurt – Der Chemiekonzern BASF wollte wieder stärker durchstarten, nachdem im Übergangsjahr 2019 eine neue Segmentstruktur, ein Exzellenzprogramm und ein Portfolioumbau auf den Weg gebracht wurden. Die globale Konjunkturabschwächung und die Effekte aus dem Coronavirus machen diesen Plänen aber einen Strich durch die Rechnung. “Knie durchdrücken”, appelliert Vorstandschef Martin Brudermüller an seine Teams im Unternehmen. Der Konzern werde die aufgebaute Stärke auch in schwächerem Umfeld nutzen, meint der Manager.In der Prognose gibt BASF erstmals eine Spanne an. “Das zeigt die Unsicherheit”, erklärt Brudermüller. Nach einem starken Schlussquartal 2019 wird für 2020 trotz des heftigen Gegenwinds ein Umsatzwachstum auf 60 bis 63 Mrd. Euro in Aussicht gestellt, nachdem die Erlöse im vergangenen Turnus um 1,5 % auf 59,3 Mrd. Euro schrumpften. Für das Betriebsergebnis (Ebit) vor Sondereinflüssen peilt BASF ein Intervall zwischen 4,2 bis 4,8 Mrd. Euro an. Der Konzern hatte seine ambitionierte Gewinnprognose für 2019 im Juli kassiert und auf Ergebniseinbußen bis 30 % eingestimmt. Mit einem Einbruch des bereinigten Ebit um fast 28 % auf 4,5 Mrd. Euro hat sich dieses Szenario bewahrheitet.Das Programm zur Kostensenkung, das auf 2 Mrd. Euro Ebitda-Beitrag bis Ende 2021 zielt, wird beschleunigt. Schon im laufenden Turnus sollen 1,3 bis 1,5 Mrd. Euro realisiert werden bei einmaligen Kosten von 300 bis 400 Mill. Euro.Für BASF ist die problematische Situation der Autoindustrie besonders misslich, erzielt der Konzern doch fast ein Fünftel seines Umsatzes mit dieser Branche. So geht Brudermüller davon aus, dass die Abnehmerindustrien seines Konzerns im laufenden Jahr größtenteils leicht wachsen, die Produktion in der Automobilindustrie werde jedoch weiter zurückgehen – der Manager erwartet hier Einbußen wie im Vorjahr von mehr als 5 %. Im Ausblick der BASF wird zudem unterstellt, dass sich die handelspolitischen Konflikte zwischen den USA und ihren Handelspartnern nicht weiter entspannen.Mit Blick auf die Corona-Folgen stellt sich BASF darauf ein, dass die negativen Effekte weltweit vor allem im ersten Halbjahr virulent werden. “Unsere Annahmen berücksichtigen derzeit keine weltweite Ausbreitung des Virus, die zu wesentlichen Beeinträchtigungen der Weltwirtschaft über die erste Jahreshälfte hinaus führt”, zeigt sich Brudermüller zuversichtlich. Er erwarte aber auch nicht, dass die Corona-Effekte im Jahresverlauf vollständig ausgeglichen werden.Die Einschläge im eigenen Geschäft im Zusammenhang mit der Corona-Krise werden sich nach Einschätzung des Managers in “unterschiedlicher Ausprägung durch das gesamte Portfolio ziehen”. Die Produktion der BASF in China laufe seit dem 17. Februar wieder, allerdings auf unterschiedlichem Niveau, je nachdem, welche Kunden beliefert würden. Die Transportketten in der Region seien unterbrochen, Lieferungen über die Provinzgrenzen hinweg besonders schwierig.China bleibe trotz der aktuellen Herausforderungen ein bedeutender Markt für BASF. Das Virus habe kurz- und mittelfristig Auswirkungen, ändere aber nichts an den langfristigen Plänen in der Region. BASF ist dabei, in der Provinz Guangdong einen zweiten chinesischen Verbundstandort zu errichten, wofür bis 2030 Investitionen von 10 Mrd. Dollar budgetiert sind. In den nächsten fünf Jahren plant BASF global Investitionen von 23,6 Mrd. Euro, wovon mehr als ein Drittel auf die Großprojekte in Asien entfallen – neben Guangdong ein Chemiekomplex im indischen Mundra sowie Kapazitäten für Batteriematerialien. Damit spiegelt sich eine Verlagerung des Engagements, geht doch gut 40 % der Investitionssumme nach Asien und 34 % nach Europa, während BASF im vorherigen Planungszeitraum 43 % des Geldes für Projekte in Europa vorgesehen hatte. 3 Mrd. Euro für die AktionäreDie Aktionäre erhalten wie angekündigt eine höhere Dividende – sie steigt um 10 Cent auf 3,30 Euro je Titel, womit insgesamt 3 Mrd. Euro ausgeschüttet werden. Dafür reicht der Gewinn aus dem fortgeführten Geschäft zwar nicht, doch ein Free Cash-flow von 3,7 Mrd. Euro macht es möglich – diese Zahl zeigt die Ertragskraft, die in der BASF steckt, fasst es Finanzchef Hans-Ulrich Engel zusammen.In den USA sei BASF im Zusammenhang mit dem Pflanzenschutzmittel Dicamba mit 35 Gerichtsverfahren konfrontiert. Der im ersten Urteil verhängte Strafschadenersatz von 250 Mill. Dollar betreffe bislang allein Monsanto, der Schadenersatz von 15 Mill. Dollar wegen Ernteausfalls auf Pfirsichplantagen beide Konzerne. BASF und Bayer haben Berufung gegen das Urteil angekündigt. – Wertberichtigt Seite 6