Bayer enttäuscht mit Ausblick

Ziele 2019 allesamt erreicht - Kein Zeitplan für Glyphosat-Vergleich - Klagezahlen steigen langsamer - Warnhinweis

Bayer enttäuscht mit Ausblick

Bayer hat die gesteckten Ziele im abgelaufenen Turnus erreicht und will auch 2020 weiter wachsen. Allerdings traf die Prognose für den neuen Turnus nicht ganz den Geschmack der Investoren. Mit einem Tagesverlust von 4,3 % auf 66,91 Euro gab die Aktie stärker nach als der Dax. Erstmals weist Bayer im Geschäftsbericht explizit auf “erhebliche finanzielle Nachteile” hin, die dem Konzern im Zusammenhang mit der Glyphosat-Klagewelle entstehen können.ab Leverkusen – “Wir haben geliefert.” Mit diesen Worten hat Bayer-Chef Werner Baumann die Bilanz 2019 überschrieben. Bayer habe im abgelaufenen Turnus sämtliche operativen und strategischen Ziele erreicht, bei den Synergiezielen liege Bayer sogar über Plan. Den Aktionären winkt eine stabile Dividende von 2,80 Euro je Aktie. Der Ausblick fiel für den Geschmack der Investoren zu vorsichtig aus. Die Aktie gab in der Spitze um 5,6 % nach.Konkret hat sich Bayer vorgenommen, den Konzernumsatz ausgehend von 43,5 Mrd. Euro auf 44 bis 45 Mrd. Euro auszubauen – währungs- und portfoliobereinigt entspricht das einem Plus von 3 bis 4 %. Das bereinigte operative Ergebnis vor Abschreibungen (Ebitda) soll zugleich auf 12,3 bis 12,6 Mrd. Euro wachsen nach 11,5 Mrd. Euro. Für das bereinigte Ergebnis je Aktie werden 7 bis 7,20 (2019: 6,40) Euro angepeilt und im freien Cash-flow ein Zuwachs um annähernd ein Fünftel auf 5 Mrd. Euro. In der Prognose nicht enthalten sind mögliche Auswirkungen durch den Ausbruch des Coronavirus. Hier hofft Bayer auf mehr Klarheit nach Ablauf des ersten Quartals. Nettoschulden sinkenHeruntergebrochen auf die Divisionen wird einzig in der Agrarchemie mit einem über dem Markt liegenden Wachstum gerechnet. Konkret sollen die Erlöse von Cropscience um etwa 4 % (Markt: 2 %) zulegen. In der Pharmasparte wird ein Erlösplus von 3 bis 4 % erwartet, dem Markt werden zugleich 5 % zugetraut. Für Consumer Health beläuft sich das Wachstumsziel auf 2 bis 3 %, bei einem Marktwachstum von 4 %.Auch die Nettoverschuldung, die Bayer im abgelaufenen Turnus um 1,6 Mrd. auf 34,1 Mrd. Euro zurückführte, soll weiter reduziert werden. Hier ist der Rückbau auf 27 Mrd. Euro geplant. In der Zielgröße nicht enthalten sind mögliche Zahlungen im Zusammenhang mit einer außergerichtlichen Beilegung der Glyphosatklagen, wie Finanzchef Wolfgang Nickl sagte. Die Zahl der anhängigen Klagen ist zwar weiter gestiegen – bis 6. Februar 2020 waren Bayer in den USA 48 600 Klagen zugestellt -, doch hat sich der Anstieg damit spürbar verlangsamt. Zwischen Juli und Oktober 2019 hatte sich die Zahl noch auf 42 700 mehr als verdoppelt.Hintergrund dafür dürften die laufenden Vergleichsverhandlungen sein, zu denen sich Baumann jedoch nicht äußerte. Zuletzt war eine Vergleichssumme von um die 10 Mrd. Dollar im Gespräch, die Bayer allerdings nicht kommentiert. Ebenso wenig ließ sich Baumann zu einer zeitlichen Einordnung hinreißen: “Wenn wir uns dem Diktat einer Fristensetzung unterwerfen würden, werden wir allerhöchster Wahrscheinlichkeit nach nicht das beste Ergebnis erzielen”, sagte der Bayer-Chef. Diese Aussage schmeckt der Klägerseite allerdings gar nicht. “Wenn wir nicht zügig einen Deal hinbekommen, wird der ganze Vergleichsprozess hinfällig”, zitierte Bloomberg den Klägeranwalt Brent Wisner. Wie Nickl ausführte, wurden für einen etwaigen Vergleich noch keine Rückstellungen gebildet, da dieser weder der Höhe nach noch mit ausreichender Wahrscheinlichkeit abschätzbar sei. Anders verhalte es sich mit Blick auf den Impairment-Test zur Überprüfung des bilanzierten Goodwills. Hier seien basierend auf Analystenmeinungen Annahmen getroffen worden, Korrekturbedarf habe sich gleichwohl nicht ergeben.Dessen ungeachtet hat Bayer den Risikobericht erstmals mit einem Warnhinweis versehen. Demnach könnten aus außergerichtlichen Vergleichen “erhebliche finanzielle Nachteile” entstehen. Bayer könnte gezwungen sein, den erhöhten Finanzbedarf über zusätzliche Fremdmittel, zusätzliches Eigenkapital und/oder den Verkauf von Vermögenswerten aufzubringen. Für Nickl handelt sich bei dieser Aussage jedoch um eine rein theoretische Betrachtung. Allein die Bruttoerlöse aus den 2019 getätigten Verkäufen summierten sich auf 9,3 Mrd. Euro. “Das bringt einiges an Flexibilität”.Mit den Glyphosatklagen ist das Kapitel Rechtsrisiken jedoch nicht abgeschlossen. Erst kürzlich wurden Bayer und BASF in einer Jury-Entscheidung im Zusammenhang mit dem Herbizid Dicamba zu Schadenersatz verdonnert. “Wir sind mit diesem Urteil nicht einverstanden und werden gegen diese Entscheidung zügig Rechtsmittel einlegen”, sagte Baumann. Der Kläger habe nicht einmal den Nachweis der Schädigung erbracht. Die Zahl der Dicamba-Klagen beläuft sich laut Geschäftsbericht auf 170. Die Kläger behaupten, dass Verwehungen des Unkrautvernichters auf ihre Felder, die dortigen Pflanzen beschädigt haben.Im Zusammenhang mit Dicamba musste Bayer auch eine 550 Mill. Dollar schwere Abschreibung auf eine im Bau befindliche Produktionsanlage vornehmen. Die Anlage sei auf Volumina ausgelegt, die nicht realisierbar seien, führte Baumann aus. Von daher sei der restliche Buchwert abgeschrieben worden.