Bayer erhöht Vorsorge für Rechtsrisiken
Bayer erhöht Vorsorge für Rechtsrisiken
Bayer hat im dritten Quartal operativ überzeugt. Allerdings drückten weitere Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten das Ergebnis in die roten Zahlen. Letztlich landete das Konzernergebnis im dritten Quartal bei –963 Mill. Euro, wie Bayer mitteilte. Im Vorjahr hatten milliardenschwere Wertkorrekturen allerdings einen noch höheren Quartalsverlust beschert. Dank der soliden operativen Entwicklung bestätigte Bayer die nach dem zweiten Quartal erhöhte Prognose für das Gesamtjahr. Einzig für das kleinste Segment, Consumer Health, wird die Wachstumserwartung aufgrund der schwierigeren Rahmenbedingungen zurückgenommen. Konkret erwartet Bayer neuerdings Erlöse, die um 1% unter oder über dem Vorjahreswert landen.

In währungsbereinigter Rechnung kalkuliert Bayer im Gesamtjahr mit einem Umsatz zwischen 46 und 48 Mrd. Euro. Das bereinigte operative Ergebnis vor Abschreibungen (Ebitda) soll in einer Spanne zwischen 9,7 Mrd. und 10,2 Mrd. Euro hereinkommen. Im Berichtsquartal stieg das bereinigte Ebitda um gut ein Fünftel auf 1,5 Mrd. Euro, derweil sich der Konzernumsatz auf 9,7 Mrd. Euro belief. Nominal entspricht das einem Rückgang um 3,1%, währungsbereinigt war es jedoch ein Zuwachs um 0,9%. Angesichts der zusätzlichen Vorsorge – den Rückstellungen wurden im Berichtsquartal 934 Mill. Euro zugeführt – erwartet Bayer in diesem Jahr nun Sonderaufwendungen zwischen 3,5 und 4 Mrd. Euro.
Steigende Klagezahlen
Beim Umgang mit den diversen Rechtskomplexen setzt Bayer auf die mehrgleisige Strategie. „Wir setzen sie fort und passen die Lösungsansätze kontinuierlich an“, sagte Bayer-CEO Bill Anderson. „Insgesamt stehen wir jetzt vor einer wichtigen und sehr dynamischen Phase.“ Er sehe erhebliche Fortschritte und gehe unverändert davon aus, die Rechtsrisiken bis Ende 2026 signifikant einzudämmen. Allerdings hat sich die Zahl der anhängigen Glyphosatklagen in den Sommermonaten auf 65.000 (zuletzt: 61.000) erhöht.
Der Grund dafür sei, dass Bayer im zweiten Quartal vertrauliche Vergleichsvereinbarungen geschlossen habe und daraufhin neue Klagen hinzukamen. „Es ist normal, dass die Aussicht auf Vergleiche die Anzahl der Fälle erhöht“, sagte Anderson. Das werde wohl auch künftig so weitergehen, auch wenn Bayer mit den Eindämmungsmaßnahmen vorankomme.

Für den Themenkomplex Glyphosat hat Bayer zum Stichtag 30. September einen Rückstellungsbestand von 6,5 Mrd. Euro. Die restlichen 1,3 Mrd. Euro an Vorsorge für Rechtsstreitigkeiten betreffen weit überwiegend den Themenkomplex PCB. Die Rückstellungen wurden im Berichtsquartal nachdotiert, da Bayer jüngst ein negatives Urteil des Washington Supreme Court kassierte. Dieses Urteil belege, dass die im Sommer getroffene Vergleichsvereinbarung der richtige Schritt gewesen sei.
Im Berichtsquartal musste Bayer zudem mehr Geld für Vergleichsauszahlungen in die Hand nehmen, so dass sich der freie Cashflow auf 596 Mill. Euro nahezu halbierte. Für das Gesamtjahr haben die Leverkusener einen freien Mittelzufluss zwischen 1,5 und 2,5 Mrd. Euro in Aussicht gestellt. Auf Sicht der ersten neun Monate sind allerdings 807 Mill. Euro abgeflossen. Das entspreche jedoch der Prognose und den saisonalen Schwankungen des Geschäfts.
Portfolio-Bereinigung
In den Divisionen konnte insbesondere die Pflanzenschutzsparte auftrumpfen, deren bereinigtes Ebitda sich auf 172 (i.V. 35) Mill. Euro vervielfachte. Insgesamt fällt das dritte Quartal in der Agrarchemie saisonbedingt jedoch immer verhalten aus. Der Ergebnissprung war nach den Angaben vornehmlich auf niedrigere Herstellkosten und Resultate aus den Effizienzprogrammen zurückzuführen. Die Division konzentriere sich auf die Umsetzung des Fünf-Jahres-Plans. Das inkludiert eine Portfolio-Bereinigung. Vorgesehen sei die Ausgliederung von zwölf Wirkstoffen und die Einstellung von 150 Produkten, sagte Anderson.
Die Einführung des neuen Organisationsmodells Dynamic Shared Ownership (DSO) spiegelt sich mittlerweile in den Personalkosten. Der entsprechende Aufwand verringerte sich im Berichtsquartal gegenüber dem Vorjahr um 16,6% auf 2,6 Mrd. Euro. Neben dem Personalabbau gingen auch die Restrukturierungsaufwendungen zurück. Zum 30. September zählte Bayer noch 88.502 (i.V. 94.245) Beschäftigte. Wie Anderson ausführte, fielen im Zuge von DSO inzwischen 13.500 Stellen weg. Wie viele es am Ende sein werden, ließ der Bayer-Chef weiterhin offen.
Generischer Wettbewerb
In der Pharmasparte hat sich indes der generische Wettbewerb weiter Bahn gebrochen. Hatte das (inzwischen) umsatzstärkste Medikament Augenmedikament Eylea in den letzten Quartalen kaum Umsatzabrieb verspürt, gaben die Erlöse im Berichtsquartal um fast 14% nach. Das ist in erster Linie auf Preiseffekte zurückzuführen. Bayer bleibt dennoch zuversichtlich, den Eylea-Umsatz im Gesamtjahr auf Vorjahresniveau halten zu können.
Der Umsatz mit dem Thrombosehemmer Xarelto reduzierte sich um fast ein Drittel. Der Umsatzverfall werde sich auch im kommenden Jahr in prozentual vergleichbarer Größenordnung fortsetzen, schätzt Finanzchef Wolfgang Nickl. Für Ausgleich sollen die neuen Produkte Nubeqa und Kerendia sorgen. Zudem stehen mit Beyonttra und Lynkuet zwei neue Produkte vor dem Markthochlauf.
