Bayer holt zum Rundumschlag aus

Monsanto-Erblasten kosten bis zu 12,1 Mrd. Dollar - BASF soll im Dicamba-Vergleich ins Boot geholt werden

Bayer holt zum Rundumschlag aus

Mit einem Rundumschlag befreit sich Bayer in den USA weitgehend aus den Fängen der Klageindustrie. Kostenpunkt: Bis zu 12,1 Mrd. Doller. Wurde die außergerichtliche Einigung im vorbörslichen Handel noch gefeiert, gab der Dax-Wert mit Handelseröffnung spürbar nach.ab Düsseldorf – Für bis zu 12,1 Mrd. Dollar will Bayer in den nächsten Jahren die anhängigen US-Rechtsverfahren, die mit der Übernahme von Monsanto eingekauft wurden, aus dem Weg räumen. Das Gros der Summe entfällt mit bis zu 10,9 Mrd. Dollar auf die Glyphosat-Klagen, die Bayer damit weitgehend abzuräumen hofft. Die drei Fälle, die in erster Instanz zuungunsten von Bayer entschieden wurden – die Fälle Johnson, Hardemann und Pilliod – sind ausdrücklich nicht Teil des Vergleichs, wie Bayer im Anschluss an eine Aufsichtsratssitzung mitteilte. Die Berufungsverfahren seien wichtig, um rechtlich eine Orientierung für künftige mögliche Verfahren zu erhalten, heißt es zu Begründung. Mit den Vereinbarungen “ist keinerlei Eingeständnis einer Schuld oder eines Fehlverhaltens” verbunden.Die Beilegung der Roundup-Klagen umfasst zwei Komplexe. Zum einen die laufenden Verfahren, zum anderen den Komplex der künftigen Klagen. Es werde ein Wissenschaftsgremium eingerichtet, das untersucht, ob Roundup Lymphdrüsenkrebs verursachen kann und falls ja, ab welchen Verwendungsdosen. Für Bayer steht im Mittelpunkt, dass die Frage der Kausalität nicht länger in Gerichtssälen, sondern von Wissenschaftlern beantwortet wird. Markus Manns, Portfoliomanager von Union Investment, wertet den Vergleich als Befreiungsschlag. “Bayer kann damit die zukünftigen Risiken zwar nicht aus der Welt schaffen, aber deutlich minimieren”, sagte er.Wichtig aus Sicht von Bayer war, alle anhängigen Klagethemen, die als Erblast von Monsanto anzusehen sind, beizulegen. So verständigte sich Bayer im Zusammenhang mit den Produkthaftungsklagen zum Herbizid Dicamba auf eine Vergleichssumme von bis zu 400 Mill. Dollar. An dieser Stelle erwartet Bayer, dass sich die ebenfalls beklagte BASF an dem Vergleich beteiligt. BASF erklärte, den Vorschlag von Bayer zu prüfen. Es sollte auf eine Fifty-fifty-Lösung hinauslaufen, sagte William Dodero, Global Head Litigation von Bayer, im Investorencall. Der dritte Vergleich beschäftigt sich mit den Auswirkungen von PCB (Polychlorierte Biphenyle) in Gewässern. Hierfür werden insgesamt 820 Mill. Dollar fällig.Zur Finanzierung greift Bayer auf den freien Cash-flow und den Erlös aus dem Verkauf der Tiermedizin zurück. Diese Transaktion werde in den nächsten Wochen abgeschlossen. Allerdings wird nur ein Teil des Verkaufserlöses (5,3 Mrd. Dollar) in bar bezahlt. Die restlichen 2,3 Mrd. Dollar (zum Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung) sind Aktien des Käufers Elanco. Das Aktienpaket ist mit einer Haltefrist versehen. Wenngleich die Ratingagentur Moody’s begrüßte, dass die Vergleiche für Klarheit sorgten, sei nicht zu vernachlässigen, dass die hohe Vergleichssumme den Plan zum Schuldenabbau verzögere. Nickl zeigte sich vor Analysten zuversichtlich, dass Bayer das Investment-Grade-Rating behalten werde. Innerhalb des Investment Grade hat Bayer mit einer Bonitätsnote von “BBB, stabil” (Standard & Poor’s) und “Baa1, negativ” (Moody’s) aber auch noch Raum nach unten.