Befreiungsschlag für chinesische Wanda Group
Befreiungsschlag für chinesische Wanda Group
nh Schanghai – Der unter laufendem Restrukturierungsbedarf stehende chinesische Immobilien- und Unterhaltungskonzern Dalian Wanda Group gönnt sich einen Befreiungsschlag der besonderen Art. Zur großen Überraschung der Marktteilnehmer findet die unter hohem Verschuldungsdruck stehende Gruppe eine neue Lösung, ihre Kerneinheit Wanda Commercial Properties wieder flott zu bekommen, und sieht eine neue Chance, den mit Abstand größten chinesischen Betreiber von Einkaufszentren und anderen Gewerbeimmobilien auf dem chinesischen Festland an die Börse zu bringen. Illustre BeteiligungspartnerAm Montagabend hatte Wanda bekannt gegeben, dass man ein Konsortium unter der Führung des chinesischen Internetkonzern Tencent als neue Geldgeber und strategische Kooperationspartner für sich gewonnen hat. Tencent wird im Verbund mit dem E-Commerce-Betreiber JD.Com, dem Elektronikhändler Suning sowie dem Immobilienentwickler Sunac einen Anteil von 14 % an Wanda Commercial Properties übernehmen (vgl. BZ vom 30. Januar).Mit der 34 Mrd. Yuan (4,3 Mrd. Euro) schweren Transaktion erfolgt ein Herauskauf von Minderheitsanteilen bei Wanda Commercial, nachdem Wanda diese 2016 von der Hongkonger Börse nehmen ließ. Wanda gelang es bisher nicht, die Einheit auf dem Festland wieder an die Börse zu bringen, hofft nun aber auf einen neuen Anlauf. Heikles Going PrivateWanda hatte ihre Gewerbeimmobilieneinheit Wanda Commercial in einer kontroversen Aktion im Jahr 2016 nur etwa 18 Monate nach ihrem IPO wieder von der Hongkonger Börse nehmen lassen. Das rund 4,4 Mrd. Dollar schwere Going Private hat sich allerdings im Nachhinein als große potenzielle Belastung für Wanda erwiesen. Den mit 14 % beteiligten Minderheitsaktionären – eine Gruppe von Private-Equity-Investoren – wurde zugesichert, dass es gelingen würde, Wanda Commercial bis September 2018 mit einer potenziell wesentlich höheren Bewertung wieder an einer chinesischen Börse zu listen. Dabei steht ihnen eine garantierte Rendite auf ihre Beteiligung von 12 % jährlich zu. Die hoch verschuldete und von chinesischen Regulatoren ins Fadenkreuz genommene Wanda-Gruppe sah allerdings keine Chance, die Listing-Pläne durchzuziehen. Mit dem Engagement der chinesischen Internet- und E-Commerce-Unternehmen soll nun ein neuer Anlauf glücken. Diese sind nun bereit, das 14-Prozent-Paket für 5,3 Mrd. Dollar mit einem kräftigen Aufschlag zu übernehmen und scheinen die nötige Geduld aufzuweisen, die Listing-Pläne von Wanda Commercial abzuwarten. Drang zum O2O-GeschäftTencent, JD.com und Suning, die auf verschiedene Art und Weise eine Rolle im chinesischen E-Commerce-Geschäft spielen, sehen nun eine Chance, verstärkt auf den Trend zum sogenannten Online-to-Offline-Geschäft (O2O) aufzuspringen, bei dem Verknüpfungen des E-Commerce-Geschäfts mit dem physischen Einzelhandel gesucht werden. Tencent etwa hat sich bereits bei der chinesischen Supermarktkette Yonghui Stores engagiert und steht vor einem Deal mit dem China-Ableger des französischen Einzelhandelsriesen Carrefour. Tencent könnte zum einen ihre Big-Data-Applikationen in Zusammenarbeit mit physischen Einzelhändlern entfalten und verspricht sich zum anderen neuen Zulauf für ihr mit der sozialen Medienplattform Wechat verbundenes digitales Zahlungssystem Wechat Pay. Auch der chinesische E-Commerce-Riese und Tencent-Konkurrent Alibaba hatte sich in den vergangenen Monaten mit dem Einstieg bei chinesischen Retailern hervorgetan. Neues GeschäftsmodellWanda wiederum nimmt die O2O-Partnerschaft zum Anlass, den Durchbruch für eine zukunftsgerichtete Veränderung des Geschäftsmodells von Wanda Commercial zu verkünden. Wanda betreibt gegenwärtig 235 Einkaufszentren und Gewerbeimmobilienkomplexe unter der Marke Wanda Plaza, die sie als Bauträger selber hochgezogen hat. Mit Blick auf die hohe Verschuldungsintensität des Bauträgergeschäfts will sich Wanda Commercial aber nun über die nächsten Jahre hinweg ganz aus der Immobilienentwicklung zurückziehen und sich auf das Management der Gewerbekomplexe konzentrieren. Um diesem Wandel Rechnung zu tragen, wird die Einheit künftig in Wanda Commercial Management Group umbenannt.