Bei Airlines geht's ans Eingemachte
Bei Airlines geht's ans Eingemachte
hei Frankfurt – Infolge des durch die Corona-Epidemie ausgelösten Einbruchs auf dem Flug- und Reisemarkt geht es für die Branche ans Eingemachte. Bei der Deutschen Lufthansa, die wegen der ausbleibenden Nachfrage bereits angekündigt hat, bis zu 50 % ihrer Flotte am Boden zu lassen, hat sich die Lage verschärft. Inzwischen sind nicht nur die Verkehre in die bekannten Krisenregionen China, Korea, Iran und Italien betroffen, sondern auch die Nordatlantikverbindungen. Auch hier sind die Buchungen “zweistellig eingebrochen”, wie ein Sprecher auf Anfrage der Börsen-Zeitung sagte.Diese Entwicklung ist für die Lufthansa besonders schmerzlich, weil die Yields auf diesen Strecken traditionell deutlich höher sind als im Fernverkehr nach Asien oder im europäischen Verkehr, etwa auf dem ohnehin umkämpften italienischen Markt. Daher schlagen diese Ausfälle ergebnisseitig besonders ins Kontor.Derzeit ist der Konzern dabei, in Absprache mit den Sozialpartnern einen Antrag auf Kurzarbeit so schnell wie möglich auf den Weg zu bringen, wie der Sprecher sagte. Die hohe Abhängigkeit der Branche vom laufenden Mittelzufluss durch das reguläre Buchungsaufkommen bereitet auch der Lufthansa Kopfzerbrechen, so dass binnen weniger Wochen ein zweiter Schuldschein über 200 Mill. Euro emittiert wird (vgl. BZ vom 7. März). Allerdings ist der Konzern, dessen Flotte insgesamt 780 Flugzeuge umfasst, immer noch in einer komfortableren Lage als Wettbewerber, die ihre komplette Flotte geleast haben und deshalb theoretisch überhaupt keine Maschinen am Boden lassen können. Bei der Lufthansa Gruppe sind 86 % der Flugzeuge im Eigentum des Konzerns.Das Unternehmen geht davon aus, dass kurzfristig wie in vorausgegangenen Krisen die Ausnahmeregel bei temporärer Nichtnutzung von Slots (Landerechten) greift, so dass Flüge bei zu geringer Auslastung ausfallen können, ohne Slots zu gefährden.Unterdessen beklagt die Tourismus- und Gastronomiebranche Ausfälle auf breiter Front. Norbert Fiebig, Präsident des Deutschen Reiseverbands (DRV), sagte, die Mitglieder beobachteten eine wachsende Verunsicherung der Kunden. Bei einer Blitzumfrage unter mehr als 450 Unternehmen habe eine Mehrheit von Umsatzrückgängen von bis zu 75 % berichtet. Ein Ende der aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen sehe die große Mehrheit der befragten Unternehmen frühestens im zweiten Halbjahr 2020. Fiebig forderte Überbrückungskredite und andere Liquiditätshilfen, um die Auswirkungen für die Branche abzumildern.Unterdessen registriert auch der Reiseriese Tui ein Abflauen der Buchungen nach einem zunächst starken Jahresstart. Der Konzern, der finanziell bereits von der Sperre der Boeing 737 Max stark getroffen ist, spürt nach eigenen Angaben dennoch bisher “lediglich geringe Auswirkungen auf unser operatives Geschäft”. Jedoch lasse sich die Entwicklung schwer abschätzen. Tui hat flexible Stornierungsmöglichkeiten für Buchungen seit dem 29. Februar eingeführt, um den Kunden Reiseentscheidungen zu erleichtern. Außerdem wurde ein Sparprogramm aufgelegt.