Bei Roche brechen unsichere Zeiten an

Weltgrößter Biotechkonzern spürt steigenden Konkurrenzdruck - Umsatzeinbußen erwartet

Bei Roche brechen unsichere Zeiten an

Von Daniel Zulauf, ZürichWährend vieler Jahre herrschte in der weltweiten Pharmaindustrie so etwas wie eine kollektive Angst des Versagens: Wie tief wird der Fall über die Patentklippe sein, lautete die bange Frage in der Branche. Roche schien davon lange Zeit unberührt zu sein. Das Unternehmen hatte mit dem Kauf des US-Biotech-Konzerns Genentech bereits 1990 einen großen Schritt weg von der traditionellen synthetischen Chemie hin zur Biotechnologie gemacht. Der strategische Zug machte die Baseler schon vor langer Zeit zur weltgrößten Herstellerin von Biologika.Abgesehen davon, dass biologische Therapien inzwischen State of the Art in der Pharmazie darstellen, sind solche Medikamente auch viel schwieriger zu kopieren als Pillen, die auf chemischen Formeln basieren. Während in der US-Generika-Industrie bereits ein harter Ausscheidungskampf stattfindet, bei dem einige Firmen auf der Strecke bleiben dürften, kommt die Biosmiliars-Industrie erst jetzt richtig in Fahrt.Nun sammelt auch Roche die ersten Erfahrungen mit Biosimilars und dies ist für den erfolgsverwöhnten Konzern eher beunruhigend. Die Krebstherapie Mabthera hat im zweiten Quartal 2017 den Patentschutz in Europa verloren und seither sind die Verkäufe im zweistelligen Prozentbereich rückläufig – Tendenz stark steigend. Eine andere Krebstherapie namens Herceptin hat den Patentschutz in Europa ebenfalls im zweiten Halbjahr 2017 verloren. Neue MedikamenteNoch sind die Umsätze nicht eingebrochen, weil es Roche mit Hilfe einer neuen patentgeschützten Darreichungsform gelungen ist, unliebsame Konkurrenz vorerst zurückzuhalten. Doch Mabthera und Herceptin werden 2019 auch in den USA den Patentschutz verlieren und ein Jahr später gilt das Gleiche auch für eine dritte Krebstherapie mit der Bezeichnung Avastin. Die drei Therapien haben Roche 2017 rund 21 Mrd. sfr oder fast 40 % des Umsatzes eingebracht. Roche-Chef Severin Schwan sagt, das Unternehmen sei gut aufgestellt, sich gegen die “steigenden Herausforderungen zu behaupten”.Zwar verfügt Roche tatsächlich über neue Medikamente, die derzeit Furore machen. Octrevus, ein Präparat zur Behandlung von multipler Sklerose schaffte den Sprung zum Umsatzmilliardär quasi aus dem Stand. Und auch die Immuntherapie Tecentriq kann den hohen Erwartungen teilweise gerecht werden. Doch auch Roche ist vor Rückschlägen nicht gefeit. Esbriet, ein Medikament zur Behandlung schwerer Lungenerkrankungen, das man 2014 über den Kauf von Intermune für über 8 Mrd. Dollar ins Portefeuille aufgenommen hatte, hält nicht, was das Präparat damals versprochen hatte. “Wir glaubten, dass wir das Medikament in einem früheren Behandlungsstadium zur Verfügung stellen könnten”, erklärte Schwan die Enttäuschung. Die Folge: Roche musste bei der Rechnung 2017 eine Wertberichtigung von 1,6 Mrd. sfr vornehmen. “Das Jahr des Übergangs”, wie Schwan 2018 beschreibt, dürfte eine weitere Umsatzverflachung bringen. Versüßt wird den Aktionären das Jahr immerhin durch die US-Steuerreform, die Roche eine Erleichterung im Rahmen eines “hohen dreistelligen Millionenbetrages” bringen werde. Trotz der 31. Dividendenerhöhung in Folge zeigten sich die Investoren von den jüngsten Neuigkeiten wenig überzeugt. Die Genussscheine verloren mehr als 2 % ihres Wertes und notieren trotz Börsenboom fast 2 % tiefer als vor einem Jahr.