Boeing plant finanzielle Hilfe für Zulieferer
Boeing plant finanzielle Hilfe für Zulieferer
det Washington – Der angeschlagene US-Luftfahrtkonzern Boeing will mit finanzieller Unterstützung seine Zulieferer bei Laune halten und verhindern, dass diese wegen der Probleme mit dem Jet 737 Max abtrünnig werden und zum europäischen Konkurrenten Airbus überlaufen. Nach zwei Abstürzen, die insgesamt 346 Menschenleben forderten, gilt für den Krisenjet seit März vergangenen Jahres ein weltweites Flugverbot.Angesichts der Ungewissheit darüber, wann der populäre Flugzeugtyp – bis zu den Abstürzen das meistverkaufte Modell des US-Konzerns – wieder abheben darf, haben sich viele Lieferanten zwischenzeitlich nach anderer Kundschaft umgeschaut. Damit diese an Bord bleiben, will Boeing nun Reserven im Wert von etwa 4 Mrd. Dollar anzapfen, um die Zulieferer mit Vorschüssen und anderen Formen finanzieller Unterstützung zu versorgen.Das Unternehmen hat hunderte von 737-Max-Flugzeugen auf Halde produziert. Zuletzt hatte es noch geheißen, dass die Maschinen bis Mitte des Jahres wieder zum Flugbetrieb zugelassen würden. Wie aus Kreisen der Luftfahrtbehörde Federal Aviation Administration (FAA) verlautet, könnte es aber wesentlich länger dauern, bis die Krisenjets wieder die Starterlaubnis bekommen. Durchaus möglich sei demnach, dass man erst im Sommer beginnen werde, die notwendigen Software-Updates zu genehmigen. Entsprechende Probleme bei der Steuerungsautomatik waren seinerzeit für die beiden Abstürze verantwortlich gewesen.Betroffen sind von den Ausfällen etwa 600 Unternehmen, die Boeing beliefern. Viele hatten neue Mitarbeiter eingestellt und ihre Produktionskapazitäten ausgeweitet, um der seinerzeit hohen Nachfrage nach 737-Max-Jets gerecht zu werden. Ursprünglich hatte der Flugzeughersteller nämlich geplant, über mehr als sechs Jahre etwa 4 500 der Modelle zu fertigen. Um fortdauernde Auftragseingänge für die Zulieferer sicherzustellen, will Boeing nun Teile auf Vorrat produzieren lassen und diese lagern.Branchenexperten befürchten aber dennoch, dass es bei den betroffenen Unternehmen zu weiteren Entlassungen kommen wird. Das in Wichita, Kansas, ansässige Unternehmen Spirit Aerosystems hatte wegen der Krise bei Boeing bereits im Januar 2 800 Mitarbeitern gekündigt. Der Konzern stellte für die 737 Max neben Flügelteilen und Propellertürmen ganze Rümpfe her.Anlässlich der Entlassungen hatte Spirit gesagt, dass der 737-Max-Jet “mehr als die Hälfte unseres Jahresumsatzes ausmacht”. Betroffen könnte demnächst auch Boeing selbst sein, die 2019 aufgrund der Krise zum ersten Mal seit 22 Jahren rote Zahlen machte. Einem Verlust von 636 Mill. Dollar im vergangenen Jahr war 2018 ein Gewinn von 10,4 Mrd. Dollar vorausgegangen.