"Börsengang hat Vaqtec enorm geholfen"
"Börsengang hat Vaqtec enorm geholfen"
Von Walther Becker, FrankfurtGut ein Jahr ist es her, dass die Va-Q-Tec (Vaqtec) aus Würzburg den Kurszettel im Prime Standard der Frankfurter Börse verlängert hat. Joachim Kuhn, der Mitgründer und CEO des einstigen Spin-off der Würzburger Universität, ist mit diesem Schritt hochzufrieden, zumal die Bewertung viel Zukunftsfantasie enthält. “Der Börsengang hat uns enorm geholfen” und sei ein Meilenstein, der 46 Mill. Euro einspielte.Damit wurden teils Venture-Kapitalgeber ausgezahlt, und es wird in neue Fertigungslinien investiert. Rund 58 % der Aktien befinden sich im Streubesitz, die Gründer und Vorstände halten zusammen 27,9 % und 9,3 % liegen bei Zouk/Cleantech Europe. Mit den Mitteln aus dem Börsengang wurde die Bilanz gestärkt; die Eigenkapitalquote soll zum Jahresende bei gut 50 % liegen. Damit hat die Börse in diesem Fall eine ihrer wichtigsten Funktionen erfüllt: Kapital für unternehmerische Aktivitäten zur Verfügung zu stellen.Berenberg sowie Mainfirst und zudem Equinet waren mandatiert. Die drei Häuser sind auch bisher die einzigen, deren Analysten Vaqtec “covern”, doch ist Kuhn dran, weiteres Research zu bekommen. Die 2001 gegründete Vaqtec hat ein erklärungsbedürftiges Geschäftsmodell, das bei Investoren gut ankommt. Der Emissionspreis lag bei 12,30 Euro, am Donnerstag kostete die Aktie knapp 22 Euro. Thermische IsolationOfferiert werden Produkte und Komplettangebote für thermische Isolation und Kühlkettenlogistik. Das Unternehmen produziert dünne Vakuumisolationspaneele sowie Energiespeicherkomponenten zur zuverlässigen und energieeffizienten Temperaturkontrolle bzw. Dämmung. Darüber hinaus werden passive thermische Verpackungssysteme – Container und Boxen – gefertigt, die je nach Typ ohne Zufuhr von externer Energie konstante Temperaturen zwischen 24 und über 200 Stunden halten können. Für temperatursensible Logistikketten unterhält Vaqtec eine Flotte von Mietcontainern und -boxen. Neben Healthcare & Logistik als Hauptmarkt geht es um Kühlgeräte und Lebensmittel, Technik und Industrie, Bau und Mobilität. Konkurrenten seien LG, Samsung und Panasonic, die größtenteils nur für den eigenen Bedarf in Kühlschränken produzieren.Die erste Hauptversammlung (Präsenz 70 %) ist absolviert und war offenbar spannend für das Management. Rund 1 500 Aktionäre waren erschienen, wobei der Retail-Anteil am Kapital deutlich unter 5 % liegt. Der Vorstand habe sich auf 967 Fragen vorbereitet, davon wurden 15 gestellt, berichtet das Führungsduo.”Mit dem IPO haben wir eine ganz andere öffentliche Wahrnehmung. Die Transparenz als gelistetes Unternehmen ist besonders wichtig, auch auf der Kundenseite – wir machen etwa 90 % unseres Geschäfts mit Blue Chips. Mit den veröffentlichten Berichten sind wir transparent und können unseren Kunden in Medizintechnik und Logistik die finanzielle Stärke zeigen.” Auch am Arbeitsmarkt sei das Unternehmen nun attraktiver: “Seit dem Börsengang haben wir international rund 100 neue Stelen geschaffen.” Wie der Anfang Juli von Analytik Jena nach Würzburg gewechselte CFO Stefan Döhmen sagt, sei man auch im operativen Geschäft “durch die Mittel aus dem Börsengang in der Lage, beispielsweise hohe Spitzenbelastungen im Working Capital fahren zu können”. Das IPO habe derart viele Mittel verschafft, “dass wir nach aktueller Einschätzung auf Sicht von etwa zwei Jahren keine Kapitalerhöhung benötigen”. Dies habe “eine starke Entlastung auf der Fremdkapitalseite durch günstigere Konditionen und ein besseres Rating bei den Banken durch die Eigenkapitalzufuhr” gebracht. Expansion zähltDen Wachstumskurs wollen die Franken fortsetzen. “In den vergangenen zehn Jahren sind wir im Durchschnitt um circa 30 % gewachsen, und wir arbeiten daran, in dieser Liga mit nördlich von 20 % weiter wachsen zu können”, sagt Döhmen. Vaqtec investiere ins Vermietgeschäft, “was hohe Investitionen in die Containerflotte erfordert”. Neue Aktivitäten gebe es in der Wärmedämmung. So solle Vaqtec “zwar profitabel sein, aber der primäre Fokus liegt nicht auf der Bottom Line”, betont Kuhn. Die Marge solle dabei mindestens gehalten, wenn nicht gesteigert werden. An Dividendenzahlung sei in den nächsten Jahren zunächst nicht gedacht.Mut zum IPO macht Kuhn: “Vaqtec war das erste Hardware-Hightech-Unternehmen, das nach langer Zeit an die Börse gegangen ist. Ich hoffe, dass nach Aumann, Voltabox und Varta noch mehr kommt.”