Bosch will mit Agrartechnik wachsen

Teil des Spartenumsatzes bis 2024 mit Vernetzungslösungen für Landwirtschaft

Bosch will mit Agrartechnik wachsen

Von Isabel Gomez, StuttgartDer Technologiekonzern Bosch hat vernetzte Produkte für die Landwirtschaft als neuen Markt entdeckt. Das Beratungsunternehmen McKinsey sieht die Effizienzsteigerung in der Landwirtschaft angesichts der Frage nach der künftigen Ernährung der Weltbevölkerung als “kritisches Thema”. Das Umsatzpotenzial vernetzter Agrarlösungen soll sich bis 2020 auf 6 Mrd. Euro verdoppeln. Bosch hat die Entwicklung dieser Produkte in der Anfang 2016 gegründeten Nutzfahrzeugsparte Commercial Vehicle & Off-Road gebündelt.”Wir werden im laufenden Jahr mit Produkten für die Landwirtschaft – dazu zählen derzeit vor allem Hydraulik oder Diesel-Antriebe – rund 1 Mrd. Euro Umsatz machen”, sagte Spartenchef Johannes-Jörg Rüger der Börsen-Zeitung. “Diese Erlöse wollen wir bis 2024 auf 2 Mrd. Euro verdoppeln. Dabei spielen smarte Technologien und Services eine immer größere Rolle.” Bosch will dabei auf die gleiche Strategie wie bei der Vernetzung von Autos oder Haushaltsgeräten setzen: Ein Produkt wird mit Sensorik oder Kameratechnik bestückt und internetfähig gemacht. Anschließend wird ein damit zusammenhängender Service angeboten.Bosch tummelt sich nicht allein auf diesem Markt. Sämtliche Hersteller von landwirtschaftlichen Nutzfahrzeugen beschäftigen sich mit Vernetzung, kaufen technologielastige Unternehmen zu oder bieten digitale Farmmanagement-Systeme an, wie etwa der US-Konzern Deere & Company (vgl. BZ vom 16. Juni). Zudem gibt es kleinere Anbieter, die öffentlich zugängliche Daten, etwa zum Wetter, aufbereiten, und in einer App als Dienst zur Verfügung stellen. Sie sieht Rüger nicht als direkten Wettbewerb. “Bosch kann beim Thema Landwirtschaft die ganze Bandbreite abdecken, von Vernetzungslösungen auf dem Feld über den Antrieb bis hin zur Automatisierung von Fahrzeugen”, sagt er. Damit etwa ein autonom fahrender Traktor ein Reh auf dem freien Acker erkennen und entsprechend reagieren könne, müsse man Sensorik im Detail verstehen. “Das ist sehr komplex – auf diese Expertise kann nicht jedes Unternehmen zurückgreifen”, so Rüger.Mit dem Chemie- und Pharmakonzern Bayer will Bosch eine Technologie zur präziseren Anwendung von Herbiziden entwickeln (vgl. BZ vom 19. September), die “zügig” industrialisiert werden soll. Dabei soll eine Lösung erarbeitet werden, die auch für kleinere Betriebe funktioniert. “Denkbar wäre beispielsweise ein Sharing-Angebot”, so Rüger.Die Infrastruktur für solche neuen Dienstleistungen hat der Stiftungskonzern mit seiner IoT-Cloud (Internet of Things) bereits. In ihr ist Rechnerkapazität installiert, durch die sich über Sensoren oder Kameras gesammelte Daten analysieren und verarbeiten lassen. “Künftig werden wir Lösungen für eine Agriculture Cloud anbieten, eine Plattform, auf der vernetzte Services für die Landwirtschaft laufen können”, so Rüger.