BP gibt Petrochemie an Ineos ab

Deal spielt insgesamt 5 Mrd. Dollar ein - Ziel für Teilverkäufe ein Jahr früher erreicht als geplant

BP gibt Petrochemie an Ineos ab

BP hat ihr Ziel, durch den Verkauf von Unternehmensteilen 15 Mrd. Dollar einzunehmen, ein Jahr früher erreicht als geplant. Der Shell-Rivale kündigte an, sein Petrochemiegeschäft für 5 Mrd. Dollar an den Raffineriebetreiber Ineos zu verkaufen. Die 1 700 Mitarbeiter wechseln zum neuen Eigentümer.hip London – BP hat ihr Geschäft mit dem Polyester-Grundstoff Terephthalsäure und anderen petrochemischen Erzeugnissen für 5 Mrd. Dollar an den Chemiekonzern Ineos abgegeben. Wie der Shell-Rivale mitteilt, hat er damit sein Ziel, durch den Verkauf von Unternehmensteilen 15 Mrd. Dollar einzunehmen, ein Jahr vor Plan erreicht. Das zeige die Bandbreite und Qualität der Optionen, die dem Unternehmen offenstünden, sagte CFO Brian Gilvary. “BP hat eine lange Beziehung zu Ineos, und diese Einigung spiegelt den gegenseitigen Respekt und das Vertrauen wider, das zwischen uns besteht”, sagte Gilvary. Ineos sei in vielerlei Hinsicht der “natürliche Eigentümer” des nun veräußerten Geschäfts. Die größten der insgesamt 15 Standorte befinden sich in der Volksrepublik China, den USA und Belgien. Im vergangenen Jahr wurden dort 9,7 Mill. Tonnen petrochemische Produkte wie Aromaten hergestellt.Die Petrochemie-Einrichtungen in Gelsenkirchen und Mülheim an der Ruhr sind nicht Bestandteil der Vereinbarung. Sie seien zu stark mit der BP-Raffinerie in Gelsenkirchen verwoben, hieß es zur Begründung in der Pressemitteilung.BP wird zunächst 400 Mill. Dollar in bar erhalten, weitere 3,6 Mrd. Dollar folgen bei Abschluss der Transaktion, der bis Ende dieses Jahres erwartet wird. Eine weitere Milliarde soll in Raten bis Ende Juni 2021 gezahlt werden. Die 1 700 Mitarbeiter wechseln zu Ineos. Fit für die EnergiewendeDer Verkauf ist Teil der Bemühungen, BP fit für die Energiewende zu machen. “Strategisch betrachtet sind die Überlappungen mit dem Rest von BP begrenzt, und es würde Kapital in nennenswerter Höhe erfordern, diese Geschäfte auszubauen”, sagte CEO Bernard Looney. Es gebe andere Wachstumsmöglichkeiten, die stärker mit der künftigen Ausrichtung des Unternehmens übereinstimmten. “Die heutige Vereinbarung ist ein weiterer entschiedener Schritt zum Aufbau einer BP, die während der Energiewende wettbewerbsfähig und erfolgreich sein kann”, sagte Looney. BP nimmt im laufenden Quartal Abschreibungen in zweistelliger Milliardenhöhe vor, um der Erwartung niedriger Energiepreise Rechnung zu tragen. Das Management erwartet, dass sich der Wandel zu einer klimafreundlichen Wirtschaftsweise und einem entsprechenden Energiesystem durch die Coronavirus-Pandemie beschleunigen wird, da viele Länder eine “Build back better”-Strategie verfolgen.Ineos-Gründer Jim Ratcliffe nannte die nun bekannt gegebene Transaktion die “logische Weiterentwicklung” des Petrochemiegeschäfts seiner Gruppe. Er hat sich darauf spezialisiert, weltweit zyklische und grundstoffnahe Aktivitäten, Produktionsanlagen für Commodities und Zwischenprodukte aufzusammeln, die andere loswerden wollen.Ineos entstand aus einem Management Buy-out von früheren BP-Petrochemie-Assets in Antwerpen durch Ratcliffe. 2001 kamen die Chlorchemie-, Fluor- und Silikat-Geschäfte des britischen Chemieunternehmens ICI hinzu. Von Dow Chemical erwarb Ineos Ethanolamine. EVC wurde ebenso von Ratcliffe gekauft wie die Degussa-Phenolchemie. Vor vier Jahren war Ineos aus dem schweizerischen Lausanne ins Vereinigte Königreich zurückgekehrt. Ratcliffe ist in der neuesten Reichenliste der “Sunday Times” für Großbritannien von Platz 1 auf Rang 3 abgerutscht.