UNTERNEHMEN IM AUSNAHMEZUSTAND

Britische Airlines bleiben am Boden

Branchenverband fordert Staatshilfe - Walsh verschiebt den Ruhestand

Britische Airlines bleiben am Boden

hip London – Der Branchenverband Airlines UK hat die britische Regierung zur Unterstützung der von der Covid-19-Pandemie in Mitleidenschaft gezogenen Fluggesellschaften aufgefordert. Eine Reihe von Unternehmen kündigte an, dass große Teile ihrer Flotte am Boden bleiben werden. Willie Walsh, der Chef der British-Airways-Mutter IAG, beschloss, “angesichts der außerordentlichen Umstände” doch noch nicht so schnell in den Ruhestand zu gehen.Jetzt müsse Schluss sein mit “Ausflüchten” und “Erbsenzählerei”, verlangte Airlines UK, der unter anderem British Airways und Richard Bransons Virgin Atlantic angehören. “Wir sprechen von der Zukunft der britischen Luftfahrt, einer unserer Weltklassebranchen” verlautbarte der Verband. “Und wer weiß, was davon übrig ist, bis wir aus diesem Chaos wieder herauskommen, wenn sich die Regierung nicht zusammenreißt.” Zuletzt wurde Flybe zahlungsunfähig. Europas größte Regionalfluggesellschaft flog unter anderem die Shetland-Inseln an. Die großen Fluggesellschaften verfügen zwar über reichlich Bargeld. Allerdings wirkt sich der von US-Präsident Donald Trump verhängte Einreisestopp für Europäer auf das Transatlantikgeschäft aus, in dem deutlich höheren Margen zu verdienen waren als mit Kurzstreckenflügen in Europa. Jetzt gehe es um Liquidität und Flexibilität bei den Kosten, um die Barreserven zu schützen, kommentierte William Ryder, Analyst bei Hargreaves Lansdown. Treibstoffkosten ließen sich vergleichsweise einfach reduzieren, die Belegschaft dagegen nicht so schnell.IAG bezifferte ihre Liquidität per 12. März inklusive nicht in Anspruch genommener Finanzierungszusagen auf 9,3 Mrd. Euro. Ryanair kommt auf 4 Mrd. Euro. Easyjet kann auf 1,6 Mrd. Pfund in bar und eine nicht gezogene revolvierende Kreditlinie über 500 Mill. Pfund zurückgreifen. IAG wird ihre Kapazitäten im ersten Quartal – gemessen in verfügbaren Sitzkilometern – im Vorjahresvergleich um 7,5 % reduzieren. In April und Mai sollen sie dann um mehr als 75 % zurückgefahren werden. Ryanair will ihre Kapazitäten um bis zu 80 % verringern.”Wir haben in den vergangenen Wochen über unsere Airlines hinweg einen wesentlichen Rückgang der Buchungen verzeichnet und gehen davon aus, dass die Nachfrage bis weit in den Sommer hinein schwach bleiben wird”, sagte Walsh. Wenn nötig, werde man weitere Einschnitte vornehmen. Easyjet teilte mit, dass wegen der Pandemie vielleicht der Großteil der Flotte am Boden bleiben muss. Ryanair rechnet damit, dass es bei ihr in 7 bis 10 Tagen so weit sein wird. Man könne auch bei auf null reduzierter Flugtätigkeit lange überleben, teilte der Lufthansa-Rivale mit.