Britische Airlines leiden am stärksten

Krise trifft europäische Fluggesellschaften hart

Britische Airlines leiden am stärksten

wü Paris – Die durch die Coronavirus-Pandemie ausgelöste Krise trifft die Luftfahrtindustrie nach Angaben des Branchenverbandes IATA (International Air Transport Association) stärker als die Attentate vom 11. September 2001 und die Finanzkrise von 2008. Dabei werden die Umsätze der europäischen Fluggesellschaften ihren Prognosen zufolge neben denen aus der Asien-Pazifik-Region am stärksten leiden, allen voran die aus Großbritannien, gefolgt von Deutschland, Spanien, Frankreich und Italien.Der Luftverkehr in Europa sei inzwischen um fast 80 % eingebrochen, sagte der für Europa zuständige Regional-Vizepräsident Rafael Schwartzman am Donnerstag. Am Mittwoch seien in Europa – Russland, die Türkei, Israel und ehemalige Sowjetrepubliken mit eingerechnet – nur 5 800 Flüge durchgeführt worden, während es vor der Krise mehr als 29 000 pro Tag waren. Viele regionale Flughäfen wie zuletzt Beauvais bei Paris und London City Airport machen nun vorübergehend dicht. Ende März soll auch Paris-Orly folgen. In Berlin wird ebenfalls über die Schließung eines der beiden im Betrieb befindlichen Airports nachgedacht.Der Umsatz europäischer Airlines im Passagierverkehr dürfte in diesem Jahr um 76 Mrd. Dollar zurückgehen, während die verkauften Sitzplatzkilometer um 46 % einbrechen dürften, schätzt die IATA. Dabei dürfte die Krise Fluggesellschaften aus Großbritannien am stärksten treffen, denn ihr Umsatz dürfte im Vergleich zum Vorjahr um 21,7 Mrd. Dollar sinken, der deutscher Airlines um 15 Mrd. Dollar. Die Umsätze spanischer Fluggesellschaften wiederum werden sich laut den jetzt veröffentlichten Prognosen um 13 Mrd. Dollar verringern, die französischer um 12 Mrd. Dollar und die italienischer um 9 Mrd. Dollar. Für Großbritannien erwartet der Branchenverband 113,5 Millionen Passagiere weniger, für Spanien 93,7 Millionen, für Deutschland 84,4 Millionen, für Italien 67,7 Millionen und für Frankreich 65 Millionen.Unter den gegenwärtigen Umständen sei sicher, dass einige Fluggesellschaften in Europa nicht überleben dürften, meint Schwartzman. Denn viele hätten nur noch für weniger als zwei Monate Geld, so dass jetzt bald Liquiditätsengpässe drohten. Davon dürften nicht nur Fluggesellschaften betroffen sein, die bereits vor Ausbruch der Coronavirus-Pandemie finanziell angeschlagen waren, sondern auch solche, die nun durch die Krise geschwächt werden. Der Branchenverband appellierte deshalb erneut an die Regierungen, den Fluggesellschaften unter die Arme zu greifen, sei es durch direkte finanzielle Hilfen, Kredite, Kreditgarantien oder Steuererleichterungen. Weltweit schätzt er den Bedarf an finanziellen Hilfen für Airlines derzeit auf 200 Mrd. Dollar. Norwegen, Finnland, Schweden, Spanien und Italien hätten bereits gehandelt, aber das sei nicht genug, so die IATA.