Broadcom erhöht Qualcomm-Offerte
Broadcom erhöht Qualcomm-Offerte
Während der Chiphersteller Qualcomm weiter in Rechtsstreitigkeiten mit diversen Smartphone-Herstellern verwickelt ist, wird der Abwehrkampf gegen die unerbetene Offerte des Rivalen Broadcom komplizierter. Dieser hat am Montag sein Gebot von 130 Mrd. auf 148 Mrd. Dollar inklusive Schulden angehoben. Qualcomm hält sich bedeckt.scd Frankfurt – Der Halbleiterproduzent Broadcom legt im Werben um den US-Rivalen Qualcomm eine Schippe drauf. Das bisherige Angebot über 105 Mrd. Dollar wird auf 121 Mrd. Dollar in bar und Aktien angehoben. Inklusive Schulden bietet das Unternehmen aus Singapur damit 148 Mrd. Dollar. Im Erfolgsfall wäre es mit Abstand die größte Übernahme in der Halbleiterbranche. Broadcom baut dabei die Offerte aus, ohne deren Baranteil anzuheben. Wie bisher werden den Qualcomm-Anlegern je Aktie 60 Dollar in Cash offeriert. Statt 10 Dollar sollen diese nun allerdings mit 22 Dollar je Anteilschein in Broadcom-Aktien ergänzt werden.An der grundlegenden Kritik des Qualcomm-Boards an der Offerte dürfte dies indes kaum etwas ändern. Der Board um Chief Executive Officer Steve Mollenkopf hatte das Ursprungsgebot nicht einmal als ausreichend angesehen, um es ernsthaft in Betracht zu ziehen. Dabei wurden indes nicht nur finanzielle Aspekte angesprochen. Der Chipproduzent zweifelte nach der Angebotsvorlage im November zudem an, dass die Wettbewerbshüter einen solchen Deal durchwinken würden. Mit der neuen Offerte erhöht Broadcom-CEO Hock Tan zumindest den Druck auf Mollenkopf, sich Gesprächen nicht weiter zu verschließen.Schon als das Angebot zum ersten Mal die Runde machte, hätten viele Anleger von Qualcomm und Broadcom wohl bereits eine Summe mit einer vorangestellten 8 je Aktie im Kopf gehabt, spekulierte Bernstein-Research-Analystin Stacy Rasgon im “Wall Street Journal”. Am Montag wollte sich echte Begeisterung bei den Qualcomm-Aktionären allerdings nicht einstellen. Die Anteilscheine notierten am späten Vormittag an der US-Börse Nasdaq um knapp 2,8 % schwächer bei 64,24 Dollar – weit unter der Ursprungsofferte.Zusammen würden die nach Umsatz fast gleich großen Halbleiterkonzerne nach Samsung und Intel zur derzeitigen Nummer 3 der Branche avancieren. Im abgelaufenen Jahr dürften Broadcom und Qualcomm von Rang 3 und 4 auf die Plätze 5 und 6 zurückgefallen sein (siehe Grafik). Die vorbeigezogene ehemalige Hyundai-Tochter SK Hynix profitierte zuletzt von der gestiegenen Nachfrage nach Speicherchips und einer offensiven Zukaufstrategie. Zuletzt war man unter anderem zusammen mit Bain und Apple erfolgreich, die Flash-Speicher-Sparte von Toshiba für rund 18 Mrd. Dollar zu erwerben und durch diese Konstruktion eine ansonsten fast sichere Intervention der Wettbewerbshüter zu vermeiden. Rivale Micron Technology hatte derweil Ende 2016 die 4 Mrd. Dollar schwere Übernahme von Inotera Memories – einem anderen Speicherchipanbieter – abgeschlossen.Die zunehmende Konzentration im Markt hat zur Folge, dass der Weltmarktanteil der größten fünf Branchenvertreter am Gesamtmarkt binnen Jahresfrist nach Schätzungen von IC Insights von gut 40 % auf 44 % gestiegen ist. Kommt es zur Übernahme von Qualcomm durch Broadcom, nachdem Erstere zuvor ihre geplante Akquisition der niederländischen NXP abschließen konnte, vereinen die größten fünf Chipproduzenten künftig gut die Hälfte des Weltmarktes auf sich. Die NXP-Transaktion liegt derweil selbst noch in den Händen der Wettbewerbshüter, die sich den Deal genauer ansehen wollen.Qualcomm hat den Erhalt der neuen Broadcom-Offerte zwar bestätigt, will diese aber erst genau prüfen, bevor man sich dazu äußern werde. Aufgrund der Bedenken des Unternehmens hat Broadcom zeitlich gestaffelte Break-up Fees in die Offerte geschrieben, die zu einer höheren Auszahlung führen, wenn die Transaktion spät – etwa an den Regulierungsbehörden – scheitern sollte.