Brüssel droht Merck mit hoher Geldbuße

Unvollständige Informationen bei Sigma-Aldrich-Übernahme - EU-Vorwürfe auch gegen GE und Canon

Brüssel droht Merck mit hoher Geldbuße

ahe Brüssel – Die EU-Wettbewerbsbehörde droht dem Chemie- und Pharmakonzern Merck eine deftige Strafe an, weil das Darmstädter Unternehmen beim Kauf von Sigma-Aldrich vor zwei Jahren unrichtige beziehungsweise irreführende Informationen nach Brüssel übermittelt haben soll. Nach Angaben von EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager fehlten bei der Anmeldung der 17-Mrd.-Dollar-Übernahme wichtige Informationen über ein Innovationsprojekt, die für die Analyse wesentlicher Laborchemikalien relevant gewesen wäre. Vestager hat Merck die Beschwerde übermittelt. Sollte die EU-Kommission auch nach Abschluss des Verfahrens bei ihren Vorwürfen bleiben, steht zwar nicht die Genehmigung der Übernahme wieder zur Disposition, aber eine Geldbuße von bis zu 1 % des weltweiten Jahresumsatzes. Dies könnte Merck mit bis zu 150 Mill. Euro treffen.Das strittige Projekt war nach Angaben der Brüsseler Behörde eng mit dem Geschäft verbunden, das Merck für die Genehmigung veräußern musste. Merck hat mittlerweile auch schon zugesagt, dem Käufer Honeywell die Lizenz für die betroffene Technologie zu überlassen. Damit wollte sich Vestager aber nicht zufriedengeben, da dies erst mit einer Verzögerung von nahezu einem Jahr geschah – und auch nur deshalb, weil die EU-Kommission auf das Projekt von dritter Seite aufmerksam gemacht worden war.Nach Angaben von Merck handelt es sich dabei um eine Verpackungstechnologie, die von Sigma-Aldrich entwickelt wurde, als das Unternehmen 2015 von Merck übernommen wurde. Die Technologie sei dann erst ein Jahr nach der Fusion in den Markt gekommen. Merck hat nun bis Ende August Zeit, Stellung zu nehmen. Der Konzern erklärte, in dem Prüfverfahren “nach bestem Wissen und Gewissen” gehandelt zu haben. Man sei zuversichtlich, dass das Thema “zufriedenstellend” gelöst werden könne.Die EU-Wettbewerbsbehörde hatte bereits im Mai gegen Facebook eine Geldbuße von 110 Mill. Euro verhängt, weil der US-Konzern 2014 bei der Prüfung der Whatsapp-Übernahme falsche Angaben gemacht hatte. Zusammen mit Merck stellte EU-Kommissarin Vestager jetzt auch noch zwei weitere Unternehmen wegen ähnlicher Vorwürfe an den Pranger: Zum einen geht es um den US-Mischkonzern General Electric (GE), der bei der Anmeldung der LM-Wind-Übernahme zu Jahresbeginn unrichtige oder irreführende Annahmen gemacht haben soll. Und zum anderen traf die Beschwerde aus Brüssel das japanische Unternehmen Canon. Hier ging es um die Fusionskontrolle bei der Übernahme von Toshiba Medical Systems im letzten Jahr.Bei der EU-Kommission gehen pro Jahr durchschnittlich 300 Anmeldungen für eine Fusionskontrolle ein. Über 95 % werden in einem 25-tägigen Vorprüfverfahren genehmigt. “Wir können unsere Aufgabe aber nur dann richtig erfüllen, wenn wir uns auf die Kooperation der betreffenden Unternehmen verlassen können”, unterstrich Vestager gestern in Brüssel. Das Fehlen von richtigen und vollständigen Angaben und ein vorzeitiger Vollzug von Zusammenschlüssen untergrabe das wirksame Funktionieren der EU-Fusionskontrolle, kritisierte sie. Die EU sei auf die Mitarbeit der Unternehmen angewiesen.