Im GesprächBob Kunze-Concewitz

Campari verdoppelt die Kapazitäten

Campari-CEO Bob Kunze-Concewitz will die Kapazitäten in den wichtigsten Sektoren verdoppeln und das Asien-Geschäft ausbauen. Um die Marge zu halten, setzt der Chef des Börsenschwergewichts auch auf Preiserhöhungen.

Campari verdoppelt die Kapazitäten

Im Gespräch: Bob Kunze-Concewitz

„Wir verdoppeln unsere Kapazitäten”

Der CEO von Campari setzt vor allem auf den Erfolgsschlager Aperol – Deutschland ist drittgrößter Markt für den italienischen Getränkehersteller

bl Mailand

Der italienische Spirituosenproduzent Campari hat durch Preiserhöhungen, deutlich höhere Verkäufe auch infolge des frühen Osterfestes, einen besseren Absatzmix und einen starken Dollar im ersten Quartal die stark gestiegenen Rohstoffpreise etwa für Glas kompensiert. Die bereinigte Ebit-Marge stieg im ersten Quartal 2023 gegenüber dem Vorjahr auf 23,9 (21,4)%. CEO Bob Kunze-Concewitz erwartet für das Gesamtjahr aufgrund des jetzt schwächeren Dollar eine stabile Marge gegenüber dem Vorjahr und setzt weiter auf Expansion: „Wir investieren in den kommenden drei Jahren rund 600 Mill. Euro, um unsere Kapazitäten in den Bereichen Aperitifs, Bourbon, Tequila und Rum zu verdoppeln“, sagte der CEO der Börsen-Zeitung.

USA ist größter Markt

Campari ist in dem traditionell eher schwachen Auftaktquartal in fast allen Märkten zweistellig gewachsen, vor allem in den USA, dem mit einem Umsatzanteil von 27% größten Markt des börsennotierten Unternehmens, das den Umsatz im ersten Quartal um 24,9 (organisch: 19,6)% auf 667,9 Mill. Euro gesteigert hat. Auch in Italien, dem zweitgrößten Markt, war der Zuwachs mit 21,6% deutlich zweistellig. Der Nettogewinn vor Steuern stieg um 24,8% auf 133,6 Mill. Euro.

Nach dem Ende der Corona-Pandemie strömen die Menschen laut Kunze-Concewitz regelrecht in Restaurants und Bars, während der Konsum zu Hause eher leicht zurückgehe. Campari profitiert vor allem vom stark nachgefragten Aperitif Aperol, dessen Verkäufe um 43,6% zugelegt haben. Der Campari, der auch als Cocktail etwa im Negroni, dem weltweit beliebtesten Cocktail, sehr gefragt ist, verkaufe sich ebenfalls sehr gut. Darüber hinaus hat Campari laut Kunze-Concewitz bei den Verkäufen von braunem Rum, Tequila (vor allem in den USA) und Bourbon stark zugelegt. Campari, zu 69% von der italienischen Familie Garavoglia kontrolliert, ist in den vergangenen Jahren auch durch Akquisitionen stark gewachsen, zuletzt etwa des französischen Aperitifs Picon, der Tequila-Marke Espolòn oder der Wilderness Trail Distillery (Bourbon). Derzeit wird die Tequila-Premium-Marke Mayenda Tequila eingeführt, weshalb die Marketing-Aufwendungen in den USA stark erhöht werden.

Die Aperitif-Marken sind auch in Deutschland, dem mit einem Anteil von 6% drittgrößten Markt des Unternehmens, in Österreich, der Schweiz, in den Benelux-Ländern und in Großbritannien sehr gefragt – im traditionellen Aperitif-Land Italien ohnehin. „China fängt an, sich positiv zu entwickeln. Die Konsumenten sind zurück in den Restaurants, aber Bars und Nightclubs sind noch immer leer“, berichtet der Österreicher, der 1967 in Istanbul geboren, in den USA und Großbritannien ausgebildet wurde und seine berufliche Karriere bei Procter & Gamble startete. Er will das Asien-Geschäft ausbauen. In Südkorea und Indien wurden Tochtergesellschaften gegründet, in Japan die Mehrheit an einem Joint Venture übernommen.

Kunze-Concewitz setzt auch auf Wachstum mit dem fertig gemischten und portionierten Aperol Spritz, der mit 8 bis 8,5% Alkoholanteil relativ leicht ist und dem Bier seinen Platz streitig machen soll. Deutliche Zuwächse verzeichnet der alkoholfreie Aperitif Crodino, dessen Verkäufe um 19% zugenommen haben und der 6% zum Umsatz beigetragen hat. „Der Crodino entwickelt sich auch international sehr stark“, sagt dazu der CEO und solle international weiter zulegen. „Ein nennenswerter Ausbau unseres alkoholfreien Segments durch neue Akquisitionen ist jedoch nicht geplant, ebenso wenig wie im Champagner-Sektor“, sagt Kunze-Concewitz, der betont: „Wir sind vor allem ein Spirituosenkonzern.“ Mit Lallier hat das weltweit sechstgrößte Unternehmen dieses Sektors, das an der Börse mit 14,3 Mrd. Euro bewertet wird, auch eine Champagner-Marke im Portfolio.

Online-Geschäft bietet Potenzial

Ausgebaut werden soll die E-Commerce-Plattform Tannico, die Campari zusammen mit dem französischen Luxusgüterkonzern LVMH erworben hat. „Im Online-Sektor gibt es noch großes Nachholpotenzial. In fünf Jahren wollen wir etwa 5% unserer Verkäufe online erlösen.“ Derzeit sind es in Europa etwa 1 bis 2%, in den USA 5%.

Außerdem will Campari in vier bis fünf Hauptstädten Bars nach dem Muster der traditionsreichen Camparino-Bar in der Mailänder Galleria Vittorio Emanuele eröffnen. Ganz groß ausgerollt werden sollen die Terrazze Aperol, von denen europaweit 50 bis 100 geplant sind – auch in Deutschland. Vorbild dafür soll die kürzlich eröffnete Terrazza Aperol in Venedig sein, eine Art Flaggschiff dieses Aperitifs am Campo Santo Stefano.

Bob Kunze-Concewitz, CEO der Campari Group.

Campari-CEO Bob Kunze-Concewitz will die Kapazitäten in den wichtigsten Sektoren verdoppeln und das Asien-Geschäft ausbauen. Um die Marge zu halten, setzt der Chef des Börsenschwergewichts auch auf Preiserhöhungen.