Cellnex füllt die Kriegskasse
Cellnex füllt die Kriegskasse
Seit dem Börsengang 2015 ist der Konzern durch Zukäufe rasant gewachsen und ist mit 61 000 Mobilfunkstationen die Nummer 1 in Europa. Nun sollen weitere 11 Mrd. Euro, einschließlich einer Kapitalerhöhung über 4 Mrd. Euro, für Einkäufe ausgegeben werden. Dabei macht Cellnex weiterhin Verluste.ths Madrid – Normalerweise reagieren die Märkte wenig begeistert auf Kapitalerhöhungen, da der Wert der bestehenden Aktien dadurch meist verwässert wird. Doch Cellnex, der spanische Betreiber von Mobilfunkinfrastruktur, machte nach der Ankündigung der Ausgabe neuer Aktien im Wert von 4 Mrd. Euro am Donnerstag einen Sprung von mehr als 8 % und erreichte einen neuen Rekord von 60,70 Euro.Cellnex, die vor der Ankündigung einen Marktwert von rund 22 Mrd. Euro hatte, bietet die neuen Anteile zum Preis von 39,45 Euro an, ein Rabatt von 25 % auf den Kurs vom Mittwoch. Das Unternehmen ist mit einem Kursanstieg von 57 % seit Jahresbeginn, unbeeindruckt von der Corona-Pandemie, der Spitzenreiter des Schwergewichtsindex Ibex 35 der Madrider Börse. Im letzten Jahr wurde der Wert bereits verdoppelt.Die Einnahmen aus der Kapitalerhöhung sollen für Zukäufe im Markt für Telefonmasten verwendet werden, erklärte Cellnex in einer Pflichtmitteilung am Mittwoch nach Börsenschluss. Insgesamt stünden Mittel von 11 Mrd. Euro zur Verfügung. Man überprüfe derzeit bereits verschiedene Kaufgelegenheiten, hieß es. “Wachstum, Wachstum, Wachstum” sei die Devise, unterstrich der CEO des Unternehmens, Tobías Martínez, erst am Dienstag auf der Jahreshauptversammlung. Sicherer HafenCellnex hat seit ihrem Börsengang vor fünf Jahren für 14 Mrd. Euro Aktiva in acht westeuropäischen Ländern gekauft – Deutschland ist nicht darunter – und ist mit bald 61 000 Mobilfunkstationen der Marktführer in Europa. Die Branche ist bei Anlegern sehr beliebt, da sie als sicherer Hafen mit beständigen Gewinnzuwächsen gilt. In letzter Zeit haben sich viele große Telekomkonzerne von ihrer Infrastruktur getrennt, entweder über Börsengänge oder Verkäufe. Die britische Vodafone und die spanische Telefónica denken Medienberichten zufolge derzeit daran, ihre Infrastrukturtöchter an die Börse zu bringen. Der Ausbau der neuen 5G-Technologie garantiert das Wachstum.Abertis, der spanische Betreiber von Mautstraßen und anderen Infrastrukturen, hatte seine Telekomsparte 2015 unter dem Namen Cellnex an die Börse gebracht und sich danach aus dem Kapital verabschiedet. Die Anleger zogen bei dem rasanten Expansionskurs mit. Im letzten Jahr waren gleich zwei Kapitalerhöhungen von 2,5 Mrd. Euro und 1,2 Mrd. Euro überzeichnet.Auch bei der jetzt angekündigten Neuemission scheint der Erfolg gesichert. Stammaktionäre, die fast 19 % des Kapitals besitzen, hätten bereits ihre Zusage zur Nutzung des Vorkaufsrechts abgegeben, erklärte Cellnex am Donnerstag. Darunter befinden sich die Abu Dhabi Investment Authority und der Staatsfonds GIC aus Singapur, die jeweils 6,7 % halten. Noch nicht klar, ist ob der Hauptaktionär mit 16,5 % der Anteile, die italienische Benetton-Familie, mitzieht. Vor wenigen Wochen hatten diese drei ein gemeinsames Investitionsvehikel aufgelöst, wonach nun jeder ungebunden seine Beteiligung an Cellnex verwalten kann.Am Dienstag hatte das Unternehmen ein Umsatzwachstum von 48 % auf 723 Mill. Euro im ersten Halbjahr ausgewiesen. Das Ebitda stieg um 58 % auf 527 Mill. Euro. Doch stand erneut ein Verlust zu Buche, von 43 Mill. Euro. Auch in den nächsten Quartalen wird man rote Zahlen schreiben, so das Management.Dennoch stuft J.P. Morgan nach der Ankündigung der Kapitalerhöhung ihr Kursziel für Cellnex auf 62 Euro hoch, wie zuvor schon Bank of America. Credit Suisse hebt hervor, dass die Spanier dank ihrer Unabhängigkeit von Telekomanbietern gut für den Ausbau des 5G-Netzwerks gerüstet seien. Allerdings warnen Analysten auch davor, dass die Aktiva zunehmend teurer werden.